Review

Man darf sich mit „The Great Cybernetic Depression“ auf etwas anspruchsvollere, elektronische Kost gefasst machen. Princess Chelsea entführt ihre Zuhörer in ihren eigenen bizarren Kosmos aus Synth-Pop und einem gewissen experimentellen Indie-Sound. Der Song „The Cigarette Duet“ schlug bereits im Internet große Wellen. Da heißt es daran anknüpfen und am besten noch einen draufsetzen.

Auf „The Great Cybernetic Depression“ wird eine eigene fiktive Welt erschaffen, in der unter anderem viele persönliche und emotionalere Themen verarbeitet werden. Allerdings auf eine Art und Weise, die man als „Anti-Pop“ beschreiben würde. Stellenweise wird es sogar etwas rebellisch, aber dennoch verhalten. Die Beats reichen von verträumter Atmosphäre bis hin zu sehr harten Synths. Wie auf „No Church On Sunday“ kommen die Klänge oft leiernd daher. Zusammen mit dem weichen Gesang und diesem Sound bildet Princess Chelsea einen starken Kontrast.

Um aus der experimentellen Seite der Platte herauszukommen, wird die Zeit akustisch regelmäßig zurückgedreht. Dann besitzt „The Great Cybernetic Depression“ in Songs wie „Too Many People“ oder „We Meant 2 B“ einen ausgeprägten Charakter der 70er und 80er. Auch hier kommt wieder die im Gegensatz dazu viel moderner klingende Stimme zum Tragen. „Is It All OK?“ profitiert von einem Duett mit männlichem Gesang, wie man es schon von „The Cigarette Duett“ kannte. Leider mit weniger ausgeprägter Ohrwurm-Gefahr, aber mit der gleichen trockenen Einstellung.

Princess Chelsea (Copyright: Brad Fafejta)

Princess Chelsea (Copyright: Brad Fafejta)

Das Album ist deswegen anspruchsvoll, weil man stellenweise schon Geduld mitbringen muss, um den Klängen zu folgen. Zumal geht alles sehr, sehr langsam vonstatten. Es gibt nur ein paar Passagen, in denen die Drums eintreten und den Beat etwas vorantragen. Dem Rest der Platte wird deutlich an Geschwindigkeit genommen. Das führt letztlich dazu, dass man beim Hören oft abzudriften droht und sich die Songs nur nebenbei abspielen. Zum Entspannen oder Runterkommen ist das auf jeden Fall optimal, doch dadurch ergibt sich keine Möglichkeit, dass irgendwas davon hängen bleibt.

Allein die Gitarrensoli wecken einen aber immer wieder auf. Angenehm überraschend sind diese sogar schön in die Songs eingewoben worden; nicht zu schnell, auf die Melodie abgestimmt und merkliche Highlights setzend. Weiterhin bieten sie eine willkommene Abwechslung in dem verwaschenen Sound von Princess Chelsea.

„The Great Cybernetic Depression“ vermittelt gekonnt seine Intentionen. Die Platte ist äußerst melodisch und bringt sogar ein paar gute Abschweifungen vom Genre mit ein. Außerdem erweckt das Album perfekt den Eindruck, man würde in eine komplett andere Welt eindringen. Schade nur, dass man nach vierzig Minuten immer noch keinen wirklichen Favoriten ausmachen kann. Die Titel sind zwar alle ordentlich arrangiert, zünden jedoch erst nach mehreren Durchgängen. Wer dennoch auf Musik einer anderen Bewusstseinsebene steht, darf hier gerne mal reinhören. Musikalische Eigenheiten garantiert.

Anspieltipps:
Is It All OK? / No Church On Sunday / We´re So Lost

Video

Trackliste

01 When The World Turns Grey
02 Is It All OK?
03 No Church On Sunda
04 Too Many People
05 We Are Very Happy
06 We Were Meant 2 B
07 Winston Crying O The Bathroom Floor
08 We Are Strangers
09 We´re So Lost
10 All The Stars

Details

Princess Chelsea – Homepage
Princess Chelsea – Facebook

Label: Lil‘ Chief Records
Vö-Termin: 05.06.2015
Spielzeit: 43:13

Copyright Cover: Lil‘ Chief Records



Über den Autor

Christopher