Review

Knapp neun Jahre ist es her, dass die Band Poverty’s No Crime ihr letztes Album „Save My Soul“ veröffentlicht hat. Nun meldet sich das einstige Aushängeschild des deutschen Progressive Rock mit einem neuen Werk namens „Spiral Of Fear“ zurück und beweist, dass sie auch 2016 noch gelungene Beiträge in diesem Genre leisten können.

Fast drei Jahre dauerte der Aufnahmeprozess von „Spiral Of Fear“, bei dem insgesamt acht Songs herausgekommen sind, die das „Comeback“ des Quintetts durchaus rechtfertigen.

Ganz behutsam leitet man den ersten Song namens „The Longest Day“ ein, indem Akustikgitarren zunächst den Ton angeben. Ist die Annäherung an die Hörer damit geglückt, setzen hartes Riffing, süße Keyboards inklusive dichter orchestraler Arrangements und treibendes Schlagwerk ein. „The Longest Day“ nimmt somit schnell an Fahrt auf – und gleichzeitig auch an erfrischender Härte zu. Sobald dann noch die angenehme Gesangsstimme Volker Walsemanns das Songgeschehen komplettiert, steht fest: „The Longest Day“ ist nicht nur ein grandioser Opener, der Lust und neugierig auf das Kommende macht, sondern zusätzlich zeigt, wie Progressive Rock/Metal klingen kann, der auch Hörer ansprechen wird, die sich musikalisch gesehen in diesem Genre normalerweise nicht heimisch fühlen. Denn deutlich hört man hier – und auch im weiteren Verlauf – die progressive Handschrift von Poverty’s No Crime heraus, und doch schafft es die Band, sich nicht allzu sehr einzugrenzen.

Dies untermauert auch Folge- und gleichzeitig Titeltrack „Spiral Of Fear“. Ebenfalls mit gefühlvollem und ruhigerem Intro versehen, entwickelt sich ein mitreißender Titel, der vor allem durch die Drums an Eindringlichkeit gewinnt, während Gesang und Melodie für die akustische Schönheit sorgen.

Nachdem schließlich das teils orientalisch angehauchte „Fatamorgana“ ein weiteres Mal die metallische Seite der Band unterstrichen hat, schließt sich „A Serious Dream“ an, das mit seinem Zwischenpart für Progressive-Fans höchst zufriedenstellend ausfällt, gleichzeitig aber vor allem Hörer fern dieser Ausrichtung feststellen lässt, dass die modernen, dezent-progressiven Strukturen insgesamt gefälliger wirken, denn diesbezüglich fügen sich warme Stimme, harte Riffs, modernes Klangbild und Komplexität einfach hervorragend zusammen. Es bedarf also gar nicht der offensichtlichen Progressivität, wie sie „A Serious Dream“ aufweist, dass Poverty’s No Crime ihrem Genre und ihren Fans gerecht werden.

Daher punktet man zwar zudem durch musikalisches Können im Instrumentalstück „The Fifth Element“, doch auch hier sind die allzu high gepitchten Gitarrenparts, die eher an die 70er als an den Sound des 21. Jahrhunderts erinnern, eine Art Progressivität, die zeitgemäßer interpretiert noch besser gezündet hätte.

Poverty's No Crime (Copyright: Poverty's No Crime)

Poverty’s No Crime (Copyright: Poverty’s No Crime)

Bleibt festzuhalten, dass das Album „Spiral Of Fear“ insgesamt nach einem starken Anfang etwas abflacht. Das mag daran liegen, dass das Instrumental den Fluss des Werks kurzzeitig unterbricht und hauptsächlich für Genreliebhaber ein Bonbon darstellt, oder daran, dass im Anschluss mit „The Ballad of 91“ gleich eine – wie der Titel schon verheißt – Ballade folgt, die zwar gut gemacht ist, aber an gesetzter Stelle zu viel Ruhe mit sich bringt.
Zudem nehmen Dichte und Bombast der Songs etwas ab, sodass das Album im weiteren Verlauf ins seichte Rockige abdriftet, während der Beginn eher metallisch hart ausfiel.

Spiralförmig, wie der Titel der neuen Poverty’s No Crime-Veröffentlichung vermuten lassen könnte, fällt das Album letztlich nicht aus, dafür spitzen sich die akustischen Geschehnisse innerhalb der Titel stets gekonnt zu. Dennoch ist es schade, dass die Band den großartigen Beginn von „Spiral Of Fear“ nicht auf Albumlänge fortgeführt hat; dadurch hätte man noch weitaus mehr Hörer erreichen können. So werden aber auf jeden Fall Genre-Fans auf ihre Kosten kommen.

Preview

Tracklist

01 The Longest Day
02 Spiral Of Fear
03 Fatamorgana
04 A Serious Dream
05 The Fifth Element
06 The Ballad Of ’91
07 Dying Hopes
08 Wounded

Details

Poverty’s No Crime – Homepage
Poverty’s No Crime – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
VÖ-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 55:54

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde