Review

Ein erster flüchtiger Blick auf die Tracklist des Albums „Metalbomb“ von der Band Pokolgép wird Hörern unserer Breitengrade zunächst nicht gerade aussagekräftig vorkommen, wenn dort Songnamen wie „Az Álarc Lehull“, „Szabadon És Még Szabadabban“ oder „Acélkemény“ zu lesen sind. Ein zweiter Blick und das Entdecken der englischen Titel wie „Hard As Steel“ verraten dann schon eher, in welche Richtung die Musik der Ungarn geht.

Traditioneller Heavy Metal steht auf dem Programm, und bei den Urhebern handelt sich gar nicht mal um Unbekannte, denn seit den 80er Jahren mischen sie – vor allem in ihrer Heimat und in Skandinavien – ordentlich die Metalszene auf. Ihre Diskografie umfasst – inklusive des aktuellen Albums „Metalbomb“, das das erste Studioalbum seit 2007 und mit neuem Sänger Attila Tóth darstellt – 20 Veröffentlichungen und keine geringere Band als Hammerfall hat mit ihrem Track „Send me a sign“ bereits einen Song („Hol van a szó“) von Pokolgép gecovert. Zeit also, dass das Quartett auch in deutschen Landen ihren Bekanntheitsgrad steigert?

Rein qualitativ spricht einiges dafür, denn hört man sich die insgesamt zehn Songs auf „Metalbomb“ an, wird deutlich, dass die Mannen wissen, wie klassischer Heavy Metal zu klingen hat. Dass es da an bewährten Zutaten nicht mangelt, ist klar, schließlich erfinden Pokolgép das Genre nicht neu. Sie setzen die Trademarks des Stils aber gekonnt um und trumpfen sowohl mit satter Produktion als auch mit typischem und zu erwartendem Riffing auf, während das eine und andere Mal Background-„Chöre“ für zusätzliches Volumen in den meist eingängigen Refrains der Tracks sorgen.

Musikalisch, soundtechnisch und genrespezifisch machen Pokolgép also alles richtig. Einzig die Sprache wirkt natürlich zuerst exotisch. Was in anderen Stilen gar nicht so ungewöhnlich ist, man denke nur an Bands wie Dalriada oder diverse Pagan und Viking Metal Gruppen, wirkt gerade in der traditionellen Ausrichtung des Heavy Metal erst einmal befremdlich. Die ungarischen Lyrics werden letztlich dafür verantwortlich sein, dass sich Pokolgép bei uns nicht durchsetzen können bzw. auf großen Zuspruch stoßen werden.

Pokolgép (Copyright: Pokolgép)

Pokolgép (Copyright: Pokolgép)

Die Prognose: die Fanbase bleibt in Deutschland eher überschaubar. Diesbezüglich müsste die Truppe schon den Schritt wagen und es den Landsmännern Wisdom nachmachen, die ihre Texte in englischer Sprache präsentieren und somit auch international gewisse Erfolge verbuchen könn(t)en.

Für Fans von Heavy Metal aus der Hand erfahrener Musiker, die dem „exotischen“ Charme etwas abgewinnen können und ihre Playlist somit um Besonderheiten ergänzen möchten, sei das Album „Metalbomb“ von Pokolgép aber mehr als ans Herz gelegt, denn die ungarischen Metaller verstehen ihr Handwerk – und das sowohl in Bezug auf eingängige Heavy Metal Songs mit teils vorhandenem Hymnencharakter als auch auf Balladen, die recht gefühlvoll intoniert und arrangiert werden.

Tracklist

01 Az Álarc Lehull (The Mask Falls Down)
02 Szemtöl Szembe (Face To Face)
03 Metálbomba (Metal Bomb)
04 Ringben (In The Ring)
05 Szeretném, Ha Szeretnének – Ady Endre (I Would Like To Be Loved by Endre Ady)
06 Ne Köss Belém! (Do Not Pick On Me!)
07 Szabadon És Még Szabadabban (Freely And More Freely)
08 Acélkemény (Hard As Steel)
09 Véssétek Fel (Engrave On)
10 Emlékszem (I Can Remember)

Details

Pokolgép – Homepage
Pokolgép – Facebook

Label: Gegentrend Records / Soulfood
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 44:33

Copyright Cover: Gegentrend Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde