Review

Seit 2003 musizieren die Finnen Poets of the Fall bereits zusammen und sind in ihrer Heimat aus den Charts kaum mehr wegzudenken. Auch in Deutschland dürfte das Sextett dem einen oder anderen bereits ein Begriff sein, versuchte man sich mit dem Album „Temple of Thoughts“ doch am internationalen Durchbruch.

Mit ihrem aktuellen Silberling „Jealous Gods“ schließen die Musiker aber nur indirekt an „Temple of Thoughts“ an. Vielmehr setzt man die 2008 begonnene Trilogie, bisher bestehend aus „Revolution Roulette“ und „Twilight Theater“ (2010), mit dem sechsten Studioalbum fort bzw. komplettiert diese damit.

Elf Songs spiegeln auf „Jealous Gods“ den teils cinematischen, immer aber poppigen Rock der Band wider.
Inwiefern diese zum inhaltlichen sowie musikalischen Kontext der Trilogie Bezug nehmen, kann ich nicht beurteilen, da mir die beiden zugehörigen Alben nicht bekannt sind, die Einbettung des Rundlings in diese Musiktrilogie könnte aber eine Erklärung dafür sein, dass „Jealous Gods“ insgesamt sehr ruhig ausgefallen ist.

So reihen sich viele Balladen oder zumindest balladeske Titel aneinander, die dem Album einen recht soften und zahmen Touch verleihen.
War „Temple of Thoughts“ noch vergleichbar mit einer Band wie Sunrise Avenue, so gilt dies für das aktuelle Werk nur noch bedingt.
Zwar setzt man abermals auf eingängige Melodien und Ohrwurmpotenzial, beides wird jedoch nicht mehr so offensichtlich zum Ausdruck gebracht. Dafür werden mit „Jealous Gods“ jene Hörer bedient werden, die sich beispielsweise für die Kaiser Chiefs, Stanfour und Co. begeistern können.

Obwohl einige Songs einfach nicht so recht zünden wollen, denn der nötige Funke zum Überspringen bleibt in vielen Titeln aus, gibt es dennoch nennenswerte Highlights.
Bereits der Opener „Daze“, der auch als Singleauskopplung fungiert und mit einem ausgedehnten Intro am Start ist, fällt äußerst radiotauglich aus, obschon die Länge des Songs diesen Eindruck Lügen strafen möchte. 5:26 Minuten lang überzeugen catchy Melodien, griffige Riffs und Mitwipp-Potenzial. Auffallend ist dabei insbesondere die angenehme Gesangsstimme, die auch als Kopfstimme brilliert.
Dass der Song ausgefadet wird statt einen deutlicher hörbaren Abschluss zu bilden, stört in diesem Fall nicht, weil dieses Vorgehen durchaus zur groovigen Stimmung des Titels passt, der damit leise verhallt.

Während in „Daze“ zudem eine dezente Klaviermelodie den Song melodisch begleitet hat, leiten Poets of the Fall auch den Folge- und gleichzeitigen Titeltrack durch ein Pianospiel ein. Darauf und auf den warmen Gesang reduziert, mutet „Jeloaus Gods“ äußerst balladesk an, was sich auch im Verlauf des Titels inklusive der einsetzenden Drums nicht großartig ändert. Um auf Dauer jedoch das Interesse des Hörers zu halten, wären weitere Highlights nötig gewesen, denn so plätschert der Titel eher nur gemächlich dahin.

„Rogue“ fällt da schon etwas rauer aus und das, obwohl man es hier mit einem reinen Instrumentaltrack zu tun hat. Dieser stellt die Gitarrenarbeit in den Vordergrund. Wer auf instrumentale Stücke steht, kommt dabei solide auf seine Kosten, viele werden darin vielleicht aber auch einen skippbaren Lückenfüller sehen.

Poets of the Fall (Copyright: Olli Haveri)

Poets of the Fall (Copyright: Olli Haveri)

Das folgende „Choice Millionaire“ sticht dafür mit einer Art Sprechgesang aus dem gesamten Album heraus. Die Stimmmodulationen sind hervorragend und kommen (von leicht verzerrtem Sprachgesang über Kopfstimmenparts bis hin zur adäquaten pop-rockigen stimmlichen Darbietung) facettenreich zum Einsatz. Die Synthie-Einsprengsel werten den an die 80er Jahre erinnernden Sound des Tracks zusätzlich auf. Wahrscheinlich steht mit „Choice Millionaire“ der nächste Anwärter für eine Singleauskopplung in den Startlöchern.

Es wird wieder etwas rockiger mit „Hounds to Hamartia“, der gleichzeitig den letzten Aufhorcher darstellt, bevor „Jealous Gods“ beim Hörer ein bisschen in der Versenkung verschwindet. Zwar setzt man auch im Folgenden auf abwechslungsreiche Arrangements, indem countryartige Zugaben beispielsweise in „Love Will Come to You“ oder akustische Phasen in „Brighter Than the Sun“ geboten werden, alles in allem schließt man mit den weiteren Songs aber nicht mehr an die Stärken eines „Choice Millionaire“ oder „Daze“ an. Schlecht sind die restlichen Tracks dadurch allerdings nicht. Und so pendelt sich „Jealous Gods“ insgesamt im guten Bereich ein, ist Fans oben genannter Bands empfohlen und universell (von Veranstaltungen zum Thema Alternative Rock bis zu SWR 3 New Pop Festivals) live einsetzbar.

Tracklist

01 Daze
02 Jealous Gods
03 Rogue
04 Choice Millionaire
05 Hounds to Hamartia
06 Nothing Stays the Same
07 Love Will Come to You
08 Brighter Than the Sun
09 Rumors
10 Rebirth
11 Clear Blue Sky

Details

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Label: Insomniac Music / OMN Label Services
Vö-Termin: 19.09.2014
Spielzeit: 50:21

Copyright Cover: Insomniac Music / OMN Label Services



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde