Review

Vielversprechend kündigt der Infotext zum aktuellen Album „Skein Syndrome“ dessen Urheber Poem mit den Worten „they are ready to bring the metal world to it’s knees“ an.

Und tatsächlich, mit „Passive Observer“ legen Poem sogleich nicht nur einen starken Beginn hin, bei dem alles stimmt, die Band serviert den Konsumenten zudem bereits ihr gesamtes Können auf einem Silbertablett. Die progressive Ausrichtung wird dabei ganz unterschwellig und wie selbstverständlich an die Hörer transportiert, während parallel eine sehr dichte und dunkle Atmosphäre aufgebaut wird. „Passive Observer“ besticht durch eine Klanglandschaft, die soundtrackwürdig ist und auf Repeat gestellt werden will.

Gesanglich erinnert das Organ der Band, Giorgos Prokopiou, der gleichzeitig einen der beiden Sechssaiter bedient, streckenweise an Serj Tankian und damit auch an dessen Truppe System of a Down. Shouts inklusive.

Doch nicht nur stimmlich weisen Poem eine gewisse Klasse auf, auch musikalisch schaffen sie gelungen Übergänge von aggressiven Metalparts hin zu sanften emotionalen Parts und ähneln zudem in dieser Hinsicht den System of a Downern.

Startet man aber auf derart hohem Niveau in ein Album, kann manch eine Band im weiteren Verlauf der Veröffentlichung tief fallen. Diesbezüglich stellen Poem eine erfreuliche Ausnahme dar, denn obschon sie selbst die Messlatte zu Beginn von „Skein Syndrome“ sehr hochgesteckt haben, schafft es das Quartett, weitgehend konstant abzuliefern. So weiß ein „Fragments“ an zweiter Stelle des Albums ebenso zu punkten wie der Opener, fällt dabei jedoch noch eine Spur härter aus und knüpft so nahtlos an das Ende des Eröffnungstracks an.

Poem (Copyright: Poem)

Poem (Copyright: Poem)

Sobald der Hang zur Experimentierfreude auf Kosten der Melodiosität aber allzu groß wird, werden es die Hörer ein wenig schwerer haben, sich hier ganz in der Musik zu verlieren. Dies zeigt beispielsweise ein „Desire“ sehr gut auf, das mit seinem ausgedehnten Instrumentalpart eher unspektakulär wirkt. „The End Justifies the Means“ bringt phasenweise hingegen die Leichtigkeit einer ungezwungenen Jam-Session mit und simuliert eine klangliche Weite, die beeindruckt.

Welche Titel man letztlich auf „Skein Syndrome“ favorisieren wird, bleibt Geschmackssache, finden wird man aber unter ihnen nicht nur viele Details, die es zu entdecken gibt, sondern auch wahre anbetungswürdige Tracks – und auch qualitativ unterscheiden sich die einzelnen Songs nicht voneinander. Trotzdem sollte bei aller Liebe zum musikalischen Experimentieren die Atmosphäre eines Songs nicht aus den Augen verloren gehen, sodass die Songs in sich stimmig bleiben, wie vor allem in der ersten Hälfte des Albums zu hören ist.

Wenngleich die Kritik Meckern auf hohem Niveau ist, bleiben großartige 4 Sterne und ein bleibender Eindruck eines Albums, mit dem sich die Griechen auch hierzulande etablieren dürften.

Video

Tracklist

01 Passive Observer
02 Fragments
03 The End Justifies The Means
04 Bound Insanity
05 Weakness
06 Desire
07 Remission Of Breath

Details

Poem – Homepage
Poem – Facebook
Poem – Twitter

Label: ViciSolum Productions / Rough Trade
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 47:34

Copyright Cover: ViciSolum Productions



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde