Review

Es ist an der Zeit für Popmusik? Dann sind Plexiphones aus Mönchengladbach und ihr zweites Album „Electric“ ein guter Tipp.

Mit „40 Days“ startet das Sextett zunächst sehr zahm seinen Silberling. Es kommt sowohl ein wenig Boygroup-Feeling auf als auch der Eindruck, dass es Band und Musik an Biss fehlen würde, sodass „Electric“ im Folgenden zwar mit einer ausreichenden Portion gute Laune, aber lediglich unaufdringlich am Hörer vorbeiplätschern wird. Der Gesang versteckt sich noch zu sehr hinter Halleffekten, während das Ganze durch fehlende Ecken und Kanten aalglatt erklingt. Statt sich auf gute vorhandene Essenzen zu konzentrieren, spielen Plexiphones u.a. mit hohen (Backing)vocals, die „40 Days“ bzw. das gesamte Album „Electric“ eigentlich nicht in dem Maße nötig gehabt hätten.

Umso besser, dass sich mit „Take Me, Break Me“ ein Song anschließt, der gitarrenlastiger und die 80er-Attitüde der Band betonend daherkommt. Genau hier liegen auch die Stärken von Plexiphones, denn sobald deutliche Bezüge zu den 80er Sounds erklingen (besonders auch beispielsweise in „To Be Wanted“ und „Tell It With Your Heart“), können die Mannen auf ganzer Linie überzeugen. Dabei verlassen sich Plexiphones auf solide, unkomplizierte Songstrukturen und ausdrucksstarke Melodien.

Ein Titel wie „Slow Down“ mag da zwar seinem Namen mehr als gerecht werden, indem dreampoppige Strukturen Ruhe auf das ansonsten tanzbare Album bringen, zudem hebt er sich aus dem gesamten musikalischen Geschehen hervor, derartige Songs sind es aber nicht, die umgehend mit Plexiphones assoziiert werden. Für nette, abwechslungsreiche Überraschungen gut, dienen sie daher eher als Lückenfüller bis zum nächsten 80er Jahre durchtränkten Track, der wieder prompt mitreißt.

Plexiphones (Copyright: Myriam Topel Fotografie)

Plexiphones (Copyright: Myriam Topel Fotografie)

Trotz des Hitpotenzials und einer hohen Radiotauglichkeit sowie Eingängigkeit der Songs sind jene schnell wieder vergessen. Zünden sie noch für den Moment, werden auf „Electric“ leider keine Evergreens geboren, wie man es aus den 80ern noch kennt.

Nichtsdestotrotz haben einige Titel wenn nicht unbedingt Biss, so doch immerhin Schmiss. Und so changiert „Electric“ letztlich zwischen zahmem Pop, der in der Programmgestaltung einer Sendung wie „Wetten, dass…?“ seinen Platz hätte finden können, und 80er Jahre inspirierter Popmusik, die sich gerne auch mal der Sechssaiter bedient. Der Zug für ersteres ist durch Einstellen der Show schon abgefahren, etablieren können sich Plexiphones aber noch bei all jenen, die eingängige Gute-Laune-Popmusik mögen.

Preview

Tracklist

01 40 Days
02 Take Me, Break Me
03 Slow Down
04 Electric
05 To Be Wanted
06 Tell It With Your Heart
07 Broken Man
08 Wave Me Goodbye
09 Love Child (Love Light Beam Mix)
10 We Are Repeating
11 Hideaway (Shelter From The Sun Mix)
12 Let It Roll (Captain Of Your Soul Mix)
13 Plastic Love (Touch The Sky Mix)

Details

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Label: Big Sky Song / Bob-Media
Vö-Termin: 14.10.2016
Spielzeit: 51:37

Copyright Cover: Big Sky Song



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde