Review

Placebo schenken ihren Fans zum 20-jährigen Bestehen nicht nur die umfangreiche Best-of-Platte „A Place for us to dream“, sondern auch eine exklusive EP. „Life’s what you make it“ kommt mit insgesamt sechs Tracks daher, die das Schaffen der Band in komprimierter Form abbilden.

Den Auftakt macht der namensgebende Song „Life’s what you make it“, ein Cover der 80er Synthpop-Band Talk Talk. Bereits das Original besticht mit einem äußerst tanzbaren Rhythmus-Hintergrund, der durch Gesang und Gitarrenklänge veredelt wird. Placebo verleihen dem Ganzen nun noch mehr Druck – hier können die Hüften nicht mehr stillgehalten werden. Der kehlige Gesang der 80er Version wird zudem durch Brian Molkos stimmliche Höhenflüge ersetzt. Obwohl die Vocals sich stilistisch deutlich unterscheiden, kommt bei beiden doch eine gewisse Melancholie durch. Hier erweisen sich Placebo mal wieder als erstklassige Coverkünstler.

Gleichzeitig wirkt dieser Song wie ein Querschnitt aus den bisherigen Placebo-Veröffentlichungen. Der anschließende Titel „Jesus Son“, der im Übrigen auch auf „A Place For Us To Dream“ veröffentlicht ist, trägt hingegen deutlich die Handschrift von „Loud Like Love“: Ein poppiger Beat, der von einem besonders treibenden Schlagzeug zusätzlichen Drive erhält. Dazu ein freundliches Gitarrenriff und Vocals, die zum Mitsingen einladen, machen den zweiten neuen Song musikalisch zu einer echten Happy-Nummer.

Placebo (Copyright: Scarlett Page / Universal Music)

Placebo (Copyright: Scarlett Page / Universal Music)

Daneben finden sich zwei weitere neue Tracks auf der EP: Einmal wäre da das getragene „Autoluminescent“, übrigens ein Cover von Rowland S. Howard, der aber genauso gut aus der frühen Feder von Molko und Osldal stammen könnte, und „Song #6“, der so durchaus auf „Black Market Music“ oder vielleicht auch „Sleeping With Ghosts“ einen Platz gefunden hätte. Ergänzt wird die musikalische Zusammenfassung von zwei Versionen des letzten Jubiläumssongs „Twenty Years“. Einmal live gespielt und zusätzlich als Akustikversion. Beides nett zu hören, aber keine Überraschungen.

Abgesehen von den letzten zwei Varianten eines bekannten Songs finden sich hier also ganze vier neue Tracks, die sich allesamt durchaus hören lassen können. Richtig ins Ohr und in die Hüften geht allerdings nur der Titeltrack. Gleichzeitig beweisen Placebo hier wieder ihr Händchen für großartige Coverversionen. Zudem ist die Zusammenstellung der Tracks in Hinblick auf das Jubiläum durchaus gelungen – für eine Standalone EP hingegen wäre kein roter Faden erkennbar.

Für einen kleinen musikalischen Trip eignen sich die rund 25 Minuten unterm Strich ganz hervorragend. Das gilt vor allem für eingefleischte Fans der Band, die allen Schaffensepisoden etwas abgewinnen können.
Wer die Band an ausgewählten Tracks kennenlernen will, kann hier ebenfalls guten Gewissens zugreifen.

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Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer