Review

Da hat man mal einen Tag frei und möchte sich etwas Seichtes vornehmen und stößt dann auf Pitbulls In The Nursery. Ich ging davon aus, dass ihr Album „Equanimity“ etwas für den entspannten Nachmittag ist, aber Pustekuchen. Die Franzosen rund um Fronter Tersim Backle hauen hier ein Technical Death Metal Gewitter raus, das sich sehen respektive hören lassen kann. Zwar werben sie selbst mit Bands wie Gojira, Meshuggah oder Dying Fetus, aber hey, jeder hat doch seinen eigenen Stil und ist nicht unbedingt auf den Vergleich mit anderen angewiesen. Trifft das auch hier zu?

Sobald der Opener „Crawling“ erklingt, fällt einem die Kinnlade runter. Gojira lassen grüßen und der Vergleich greift schon mal. Jedoch wird das Tempo hier noch mal um einiges aufgedreht. Durch den Gesang kommt das Werk deutlich fieser aus den Boxen als beim großen Bruder. Man fühlt sich an Soilwork erinnert. Die brachialen Parts sind aber modernste Death Metal Kost vom Feinsten. Dabei bleiben die Jungs schön melodisch, allerdings nicht zu sehr; eher steht der technische Aspekt im Vordergrund. Aber auch diesbezüglich kann man dem Song immer folgen. Hut ab! Ab der Mitte wird es etwas orientalisch mit Cleangesang und cleaner Gitarre. Das Ganze kommt ein wenig nu-metallisch daher, fügt sich aber perfekt in den Song ein.

Gerade das Songwriting funktioniert bei dieser komplexen Musik so gut, dass man die teils äußerst langen Songs am Stück hören will. „Rule The Plight“ beispielsweise verbaut den Anfangsgroove gekonnt über den gesamten Song, ohne langweilig zu werden.

Das Stichwort: Groove! Ob mit Doublebassgewitter oder mit einfachem Beat, man merkt, dass die Band Bock auf auf Rhythmus angelegte Musik hat. Daher auch die Verbindung zu Meshuggah, die nicht zuletzt durch den Gitarrensound kommt, der ziemlich fett und zeitgleich glasklar auftritt. Teilweise befinden wir uns soundtechnisch in Gefilden der Industrial Metaller von Fear Factory.

Immer wieder brechen Pitbulls In The Nursery ihre Lieder durch ruhige Passagen auf. Dabei ist die Schlagzeugarbeit von Jerome Farion zu beachten. Dieser Mensch ist ein Virtuose vor dem Herrn. Ob Beckenarbeit oder Trommelwirbel, da sitzt alles. Seine Arbeit verleiht den Songs noch mehr Saft, als sie eh schon haben. Das lehrt, dass es immer gut ist, einen fähigen Schlagzeuger an seiner Seite zu haben.

Zu den eingangs erwähnten melodischen Parts gesellt sich die eine oder andere dissonante Note, die wieder auf Meshuggah schließen lässt. „The Oath“ baut darauf auf und kommt gerade deshalb ziemlich dunkel daher. Der ganze Song erinnert stark an die Freunde rund um krumme Takte. Das soll natürlich in keiner Weise negativ klingen. Pitbulls In The Nursery schaffen es, aus den ihnen vorgelegten Bands auszubrechen und mit frischen Ideen um die Ecke zu kommen. Soll heißen, man sagt sich nicht die ganze Zeit „Oh, das klingt nach Meshuggahs „Bleed““ oder „Der Part könnte auch genauso aus Gojiras „Esoteric Surgery“ stammen“. Insofern ist alles gut.

Pitbulls In The Nursery (Copyright: Pitbulls In The Nursery)

Pitbulls In The Nursery (Copyright: Pitbulls In The Nursery)

Doch diese musikalische Vielfalt könnte der Band auch das Genick brechen. Das Material ist selbst nach zwei-, dreimal hören nicht so zugänglich. Gerade die langen Songs könnten neue Hörer abschrecken. Zwar liegen lange Songs mit weiten Klanglandschaften im Trend, aber diesen Bogen kriegen Pitbulls In The Nursery nicht so gekonnt hin. Man verliert sich nicht in den Parts, sondern wartet eher auf den nächsten heißen Groove, der schon darauf lauert, entfacht zu werden.

Im Gegensatz dazu kann man bei der Produktion gar nichts beanstanden. Glasklare Gitarren, ein gut eingespielter und hörbarer Bass sowie ein fresh gemischtes Drum in Verbindung mit den variationsreichen Vocals ergeben einen leckeren Cocktail.

Fazit: Pitbulls In The Nursery sind nichts für zwischendurch. Ähnlich wie Alkaloid brauchen die Jungs mehrere Durchläufe, um mit ihrem modernen Prog/Tech Death greifen zu können. Den einen freut es, manch anderen verschreckt das. Unbestritten bleibt, dass wir hier einen Haufen grandioser Musiker vorfinden, die ihre Instrumente beherrschen und im Gesamtbild eine sehr gute Leistung an den Tag legen. Die Songstrukturen bleiben nachvollziehbar, wenn auch nicht ganz eingängig. Tech Fans sollten hier zugreifen, zumindest wenn man mal über den Tellerrand hinaus schauen kann.

Video

Trackliste

01 Crawling
02 Tule The Plight
03 The Oath
04 Reality
05 Interlude
06 Insiders
07 Conspiracy
08 Soulbones
09 Your Dream’s Not Mine

Details

Pitbulls In The Nursery – Homepage
Pitbulls In The Nursery – Facebook
Pittbulls In The Nursery – Twitter

Label: Klonosphere Records
Vö-Termin: 04.05.2015
Spielzeit: 59:27

Copyright Cover: Klonosphere Records



Über den Autor

Marcus
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