Review

Die musikalisch sehr bunt aufgestellte Truppe Pinegrove bevorzugt zwar eine simple, aber zündende Art, die Musik anzugehen. Ihr Stil ist geprägt vom amerikanischen Country bzw. Folk-Rock, der unter dem Schutz des Indie seine Einzigartigkeit findet.

So simpel die Band ihren Sound auch hält, die musikalische und instrumentale Leistung ist durchaus umfangreich. Ihre Stärken finden Pinegrove vor allem in den versteckten Kleinigkeiten, die „Cardinal“ ausmachen; hier flammt ein Banjo auf, da mal eine E-Gitarre und sogar die Drums lassen den einen oder anderen hämmernden Beat vom Stapel.

Alles beginnt mit dem hörbar melancholischen „Old Friends“, ein Song der schon sehr viel zu „Cardinal“ beiträgt. Hauptsächlich sehr verhalten traben Pinegrove hier von Passage zu Passage. Was anfänglich noch undurchsichtig klingt, entpuppt sich bald als äußerst ansprechend.
Das Gegenstück dieses Songs, „New Friends“, beendet die Platte. Aber obwohl der Rhythmus gleich schleppend bleibt, wirkt das Ganze deutlich peppiger.

Überhaupt scheint es so, als würde die Band immer mal wieder in die poppige Trickkiste greifen, um den einen oder anderen Titel mit zugänglicheren Elementen zu stärken. Jeder der acht Tracks hätte daher Potenzial, im Radio rauf und runter zu laufen. Dafür spricht auch der typisch amerikanische Stil, der stets das gewisse Etwas zurück in die Musik bringt, sich aber dem Zuhörer nie allzu sehr aufdrängt.

So manchem Hörer wird die Stimme Überwindung kosten. Den leiernden Ton wird man das gesamte Album über nicht los, freundet sich aber relativ schnell mit ihm an. Zumal er dazu noch sehr kernig und irgendwie auch heimatverbunden klingt. Vor allem aber entfaltet die Stimme erst im Kontext der Musik so richtig ihre Wirkung. Hier passen die musikalischen Puzzlestücke, die jedes Mitglied in den Topf wirft, nahtlos aneinander und dies wirkt sich positiv auf das Songwriting aus.

Als kleinen Bonus gibt es zu „Cardinal“ noch eine zweite CD. Anhänger der Band werden sich über die Demo-Versionen der Songs „Waveform“ und „Aphasia“ freuen, doch besonders „Paterson & Leo“ wird hängenbleiben. Obgleich der kurzen Spielzeit von einer guten Minute birgt er ein sehr gutes Arrangement in sich.
Und wer mit „Old Friends“ und „New Friends“ schon zufrieden war, wird mit der Schylkill-Session der beiden erst richtig Fan werden.

Pinegrove (Copyright: Andew Piccone)

Pinegrove (Copyright: Andew Piccone)

Pinegrove pflegen einen sehr jungen und ausgelassenen Sound, verlieren dadurch jedoch nie ihren Fokus. Im Gegenteil, Ideenreichtum wird auf „Cardinal“ gerne gesehen – auch wenn es dann „nur“ ein catchiges Riff ist.
Dabei schafft es die Band, einen Sound zu kreieren, der nie wirklich in eine musikalische Ecke gedrängt wird. Egal wie viel Folk oder Country hier einfließen, Pinegrove sorgen immer für einen gerechten Ausgleich.

Eine Platte, die ins Ohr und ins Herz geht.

Video

Trackliste

CD 01:
01 Old Friends
02 Cadmium
03 Then Again
04 Aphasia
05 Visiting
06 Waveform
07 Size Of The Moon
08 New Friends

CD 02:
01 Paterson & Leo
02 Waveform (Demo)
03 APhasia (Demo)
04 Old Friends (Schuylkill Session)
05 New Friends (Schuylkill Session)

Details

Pinegrove – Facebook

Label: Run For Cover Records
Vö-Termin: 15.07.2016
Spielzeit: 30:27 (CD 1) + 16:52 (CD 2)

Copyright Cover: Run For Cover Records



Über den Autor

Christopher