Review

Piledriver aus Essen gelten als „Europe’s finest Status Quo-Tributeband“ und sorgen regelmäßig mit ihren Liveauftritten für schweißtreibende Abende. Dass sie auch im Studio ganze Arbeit leisten können, wollen sie mit ihrem dritten Album „Brothers In Boogie“ erneut unter Beweis stellen.

Insgesamt 15 Titel umfasst das neue Werk, das im Gegensatz zu den Veröffentlichungen reiner Coverbands vorrangig auf Eigenkompositionen setzt. Neben zwei Interpretationen von den Status Quo-Songs „Don’t Think It Matters“ und „Drifting Away“ platziert man zudem die eigenen Titel „Rock In A Crossfire Hurricane“ und „Last Words“ zusätzlich als Single Version auf das Album, die gleichzeitig den Rauswurf markieren.

Nicht zuletzt an den Coverversionen der Status Quo Titel wird durch die Möglichkeit des direkten Vergleichs mit den Originalen deutlich: Piledriver halten sich strikt an die Classic Rock Vorgaben, katapultieren diesen Sound jedoch in die Neuzeit, sodass das Genre nicht nur zur neuen Blüte erwacht, sondern auch 2016 Bestand hat und sich inmitten moderner Produktionen behaupten kann.
Und dennoch werden mit „Brothers In Boogie“ ausschließlich Fans der Stilistik hier glücklich werden, denn über den Tellerrand des Genres schauen Piledriver nicht.

Selbst innerhalb der gesteckten Grenzen bewegen sie sich äußerst abwechslungsarm, sodass der Silberling auf Albumlänge recht gleichförmig und eintönig wirkt. Mit einem Instrumental („Frantic Groove“) wird zwar versucht, den immer gleichen Classic Rock Trott aufzubrechen, im Endergebnis entpuppt sich der kurze Track jedoch eher als überflüssig und nimmt eine Lückenfüllerposition ein, die man besser mit weiteren Kalibern à la „Natural Born Rockers“ oder „Last Words“ hätte füllen sollen. Denn mit diesen Titeln zeigen Piledriver, was in ihnen steckt und dass sie durchaus auch abwechslungsreicher auftrumpfen können.

Indem „Natural Born Rockers“ zunächst eine Ballade im Axel Rudi Pell Format antäuscht, wird erstmals der bis dahin gezeigte Gleichklang gelungen durchbrochen. Auch im weiteren Verlauf bildet der Song einen hervorragenden Kontrast zum bisher Gehörten, denn es bleibt tief, dunkel und vor allen Dingen härter als zuvor.

In „Last Words“ nutzt man hingegen die über 8-minütige Spielzeit, um sich komplett auszutoben. Von balladesken Momenten und Akustikparts, über Instrumentalpassagen bis hin zu poprockigen Strukturen im Refrain bietet der Titel einiges und wird daher nicht langweilig. Erstmals spürt der Hörer dabei zudem, dass hinter dem sterilen Gezocke der Mannen auch Gefühl und Leidenschaft stecken.

Nicht, dass die anderen Songs nicht auch ihre positiven Eigenschaften besäßen. So fällt „Brothers In Boogie“ beispielsweise insgesamt sehr melodisch aus, bietet allerdings nicht viel, das hängen bleibt.
Von einer Status Quo-Tributeband emanzipieren sich Piledriver immer mal wieder, sie versäumen es aber, dem Genre ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Dadurch verkommt die Mehrheit der Songs zur Rockerkneipen-tauglichen Hintergrundbeschallung.

Piledriver (Copyright: Piledriver)

Piledriver (Copyright: Piledriver)

Auch an den oft integrierten Gitarrensoli kann man kaum etwas aussetzen, und doch erscheinen sie sehr vorhersehbar – ebenso wie das beliebte und entsprechend häufig genutzte Ausfaden der Songenden. Geschmackssache, allerdings verpassen es Piledriver damit zu oft, einen Schlusspunkt zu setzen. Das spiegeln auch die recht langen Spielzeiten der Titel wider. Diesbezüglich hätte es des Öfteren (wie in „Queen Obscene“) gerne mal knackiger und pointierter zugehen können. Statt die Titel lediglich auszufaden wäre ein akzentuierter Schlussakkord einige Male die bessere Wahl gewesen.

Piledriver bieten auf „Brothers In Boogie“ alles in allem lässig runtergezockten Classic Rock – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Zukünftig sollten mehr Ausreißer wie „Natural Born Rockers“ und „Last Words“ ihren Platz im Set der Band finden, dann steht auch einer Erweiterung des Hörerkreises nichts im Weg.

Preview

Tracklist

01 One Way To Rock
02 Together
03 Rock In A Crossfire Hurricane
04 Good Times
05 Natural Born Rockers
06 Fat Rat Boogie
07 Mountain
08 Frantic Groove
09 Don’t Think It Matters
10 Drifting Away
11 Queen Obscene
12 Lollipop Lolita
13 Last Words
14 Rock In A Crossfire Hurricane (Single Version)
15 Last Words (Single Version)

Details

Piledriver – Homepage
Piledriver – Facebook

Label: Rockwall Records / Soulfood
Vö-Termin: 14.10.2016
Spielzeit: 70:46

Copyright Cover: Rockwall Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde