Review

Ein Review über „Sermons from the Church of Blues Restitution“, das fünfte Studioalbum der Band Pig Irön, zu schreiben, sollte nicht schwerfallen, denn Verrisse oder – wie laut Albumtitel, Infozettel und Werdegang der „hardrockenden“ Biker-Band mit entsprechendem Blues- und Südstaaten-Flair zu erwartende – Lobeshymnen gehen dem Rezensenten meist am leichtesten von der Hand. Nach dem ersten Hördurchgang wird aber deutlich, dass sich „Sermons from the Church of Blues Restitution“ irgendwo dazwischen einpegelt.

Angesichts eines erwähnten Auftritts vor 10.000 Hells Angels im Jahr 2011, der zahlreichen positiven Kritiken zu ihren Vorgängeralben und der Erwähnung, Pig Iröns Sound wäre eines „Sons of Anarchy“-Soundtracks würdig, war die Vorfreude auf und die Erwartung an den zehn Songs umfassenden Silberling groß, die Ernüchterung schließlich aber umso prägnanter.

Da auf „Sermons from the Church of Blues Restitution“ oftmals Akustiktracks ihren Platz gefunden haben, ist vom harten Biker-Image nicht allzu viel zu spüren. Zwar sind diese Nummern handwerklich gut gemacht, den old school-Charakter ihrer Musik arbeiten Pig Irön in jedem Song deutlich heraus und lassen das Album insgesamt damit sehr erdig, trocken und blues-lastig ausfallen, doch es bleibt zu wenig beim Hörer hängen und es fehlt der Reiz, sich „Sermons from the Church of Blues Restitution“ auch noch weitere Male anzuhören.

Pig Irön (Copyright: Richard Skidmore, 2011)

Pig Irön (Copyright: Richard Skidmore, 2011)

Was als Hintergrundbeschallung in Biker-Schuppen und als Liveperformance auf der Bühne sehr gut funktionieren mag, will auf Albumlänge nicht so ganz klappen.
Für die Dauer von knapp 50 Minuten sind die zehn Tracks durchaus gut anzuhören und beherbergen auch einige interessante Breaks, kreischende Gitarren und gelungene Soli, während zudem die Blues-Einlagen auf ganzer Linie überzeugen, doch dem Album fehlt es an Titeln, die über ein hintergründiges Nebenbeihören hinausgehen und sich unweigerlich im Kopf des Hörers festsetzen.

Dabei fallen die Titel nicht unbedingt sperrig aus. Sie besitzen alle genügend Groove, um angenehm aufzufallen und erinnern dabei manches Mal an Bands wie Tito & Tarantula. Auch soundtechnisch klingt das Ganze mehr als solide, doch es fehlt der Biss, den man von einer Biker-Band wie Pig Irön erwartet. „One Million Mega Hurts“ kratzt an dieser Tatsache und mehr von derartig treibenden Titeln hätte die Bewertung weiter nach oben schießen lassen, so bleibt jedoch ein Album, das sich Blues-Rock-Fans merken sollten, die zugunsten der abwechslungsreichen Instrumentierung auf Ohrwürmer verzichten können. Schade um das Talent der Musiker, dass die Songs des aktuellen Albums den Hörer einfach nicht richtig abholen wollen.

Tracklist

01 Wildcat Birdhead
02 One Million Mega Hurts
03 One Final Kiss
04 The Spell
05 The Devil In The Woodpile
06 Come To Me
07 High As A Pine
08 Tapestry
09 Take Your Burden To The Lord
10 Restitution Blues

Details

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Label: Off Yer Rocka / Cargo
Vö-Termin: 27.03.2015
Spielzeit: 50:22

Copyright Cover: Off Yer Rocka



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde