Review

Die deutsche Band Phantom Winter sendete 2015 mit „Cvlt“ schon einige Lebenszeichen von sich hinaus in die Musikwelt; ein Sound, der einem am liebsten das Genick brechen würde, mit langsam voranschreitender Atmosphäre des Dooms und kombiniert mit Hardcore und einer gewissen Affinität für den Black Metal. Doch „Sundown Pleasure“ wagt einen weiteren Schritt nach vorne und verschafft der Truppe nun vollends ihren Charakter.

Wirkte „Cvlt“ obgleich der abwechslungsreichen Arrangements noch ein wenig angepasst und brachte eine überschaubare Masse mit sich, sticht „Sundown Pleasures“ nicht nur mit einem Konzept, sondern auch mit einer musikalisch sehr vorausschauenden Art hervor. Das Brachiale von Phantom Winter glänzt nun in einem unverkennbaren Gewand.

Zum Einstieg fährt dem Hörer beim Titeltrack direkt das Geschrei durch Mark und Bein, eines der Markenzeichen der Band. Diese hemmungslose Verwendung der Vocals bringt neue Extreme in das Album, während sich zunächst auf der instrumentalen Seite nicht viel verändert zu haben scheint. Die Welle aus Drums und Saiten bricht nur so über einen hinein.

Doch „The Darkest Clan“ lässt als zweiter Song direkt verlauten, dass Phantom Winter sehr wohl über ihre eigenen Grenzen schauen können. Die Atmosphäre verdichtet sich hier zunehmend durch den minimalen Einsatz des Schlagzeugs und der Gitarren, was das Ganze schon fast wieder okkult klingen lässt. Einem ähnlichen Prinzip begegnet man in „Black Hole Scum“, in dem der Sound stark in Noise verläuft und dadurch viel verstörender klingt.

Auch der Einsatz von Samples darf auf „Sundown Pleasures“ nicht fehlen, wobei man diese fast schon zum gesanglichen Teil zählen konnte, so gut werden sie in den Kontext der Musik eingebaut.

Von vier bis zehn Minuten ist auf dem Album alles an Spielzeit vertreten, es fühlt sich allerdings nicht annähernd auch so an. Die Melodien und Strukturen variieren und wirken so der Monotonie entgegen. Obwohl man sich am Ende vielleicht etwas groovendere Passagen gewünscht hätte, überzeugen die vorhandenen wie in „Wraith War“ auf ganzer Linie.

Phantom Winter (Copyright: Phantom Winter)

Phantom Winter (Copyright: Phantom Winter)

Doch nun zu dem Grund, warum Phantom Winter mit „Sundown Pleasures“ einen großen Schritt in ihrer Entwicklung nach vorne getan und warum sie sich eine Menge Individualität erkämpft haben: „Bombing The Witches“. Kein anderer Song auf diesem Album transportiert durch prägnante Riffwahl, hartes Drumming und ekstatischen Gesang so viel Stimmung. Der diabolisch langsame Rhythmus scheint nie stillzustehen, im Gegenteil, Phantom Winter verpacken hier alles sehr progressiv. Jede einzelne Sekunde dieses Titels bleibt einfach hängen. Die Band agiert dabei weitab jeglicher Standards oder Vorahnungen. Mit „Bombing The Witches“ hissen Phantom Winter ihre ganz persönliche Fahne.

Mit „Cvlt“ wurde der Wunsch nach Härte erfüllt. „Sundown Pleasures“ zieht die Hörer nun durch eine eigene Vorstellung einer Welt, in der sich Finsternis und dunkle Gelüste zusammenfinden. Die persönliche Note lässt das Album nicht zu einem weiteren Doom- oder Sludge-Album verkommen, vielmehr erschließen sich Phantom Winter durch ihre Musik eine ganz neue Ebene der Ausschweifungen.

Video

Trackliste

01 Sundown Pleasures
02 The Darkest Clan
03 Bombing The Witches
04 Wraith War
05 Black Hole Scum
06 Black Space

Details

Phantom Winter – Facebook

Label: Golden Antenna Records
Vö-Termin: 16.09.2016
Spielzeit: 40:41

Copyright Cover: Golden Antenna Records



Über den Autor

Christopher