Review

Tiefste Schwärze fließt aus den deutschen Reihen über die Psyche des Hörers. „Cvlt“, so heißt der Titel des Machwerks der Band, die sich nach dem Ende von Omega Massif neu geordnet hat und nun unter dem Namen Phantom Winter unterwegs ist. Eine Band, durch deren visuelles Auftreten schon vermutet werden kann, dass es in Richtung verdunkelte Sludge-/Doom-Ecke geht.

Fünf Songs bringen es auf diese Platte, dessen Längen entweder die Acht-Minuten-Grenze ankratzen oder auch überschreiten. Dabei geben Phantom Winter im Verlauf immer mehr von sich preis. Zu Beginn noch nach alter Formel des verlangsamten Rhythmus und mit schmetternden Akkorden, aber danach entfaltet sich „Cvlt“ immer mehr, mit einer Menge Variationen, die nicht unbedingt auf das düstere, trockene Thema des Genres eingehen.

„Corpses Collide“ entspricht zunächst dem eben genannten Anfang. Ab der Mitte jedoch lockern verdrehte Klavierklänge die Hirnwunden erstmals ein wenig auf. Und all das fortlaufend über paranoidem Geflüster, das aus hundert Mündern überall um den Hörer herum zu sein scheint.

Beginnend mit einem Sample aus der TV-Serie „Band of Brothers“ startet das Brett „Suffer“. Tremolo-Melodien rennen über den Beat-Down und der Gesang steigert sich immer weiter ins Hysterische hinein. Besonders pulsierend wird es mit den punkigen Humpa-Beat-Einlagen. Alles in allem ein solider Song mit ein wenig Melodie, aber im Vergleich zu den restlichen Songs ein wenig einseitig.

Phantom Winter (Copyright: Phantom Winter)

Phantom Winter (Copyright: Phantom Winter)

Das Gleiche gilt für „Finster Wald“, obwohl einem der klare Teil im Zentrum das Gefühl gibt, sich in der Nacht zwischen verzweigtem Geäst zu befinden. Der Rest ist sehr geradlinig und der Titel zündet erst beim zweiten Mal, wenn man näher auf die Details achtet.

Etwas weiter weg von dem allzu doomigen Thema bewegt man sich mit „Avalanche Cities“ und „Wintercvlt“. Zwar finden sich auch hier wieder schwere Riffs auf krachendem Schlagzeug, aber es wird deutlich mehr Wert auf Groove und Tiefe gelegt. Und auch der akustische Part ist in beiden Songs wieder enthalten. Ebenfalls zeigt sich hier auch der psychedelische Faktor von „Cvlt“, der sich oft wie die Nebenwirkungen einer stimulierenden Droge anhört.

Phantom Winter beschreiben ihren eigenen Sound als „Winterdoom“. Treffend, denn diese Platte ist genauso unerbittlich und kompromisslos. Es ist weniger so, dass die Band einen direkt mit Anlauf entgegenspringt, sondern vielmehr, dass sie versucht, das Gefühl von emotionsloser Kälte gut rüberzubringen. Und das ist ein Konzept, das aufgeht. Auch wenn man pausenlos mit einem verzerrten Sound beschallt wird, sind die stärksten Stellen die, in denen die Band über ihren eigenen Tellerrand hinausschaut. „Cvlt“ bringt abgrundtiefen Doom, der nicht zu leicht in Monotonie verfällt.

Tracklist

01 Corpses Collide
02 Finster Wald
03 Suffer
04 Avalanche Cities
05 Wintercvlt

Details

Phantom Winter – Facebook

Label: Golden Antenna Records
Vö-Termin: 24.04.2015
Spielzeit: 41:03

Copyright Cover: Golden Antenna Records



Über den Autor

Christopher