Review

Wenn Musik aufständisch wird, dann steht das erste Album der britischen Band Petrol Girls in den Startlöchern. Musikalisch orientiert sich „Talk Of Violence“ stetig an einem energetischen und teilweise chaotischen Post-Hardcore-Punk-Modell, das regelmäßig explosive Überraschungen für seine Hörer parat hält.

Bereits ab der ersten Sekunde brüllt dem Hörer die weibliche Frontstimme entgegen, wohingegen sich der allgemeine Sound zunächst erstaunlich zurückhaltend gestaltet.
Doch mit dem zweiten Titel „Clay“ gibt sich der Einfluss von Mathrock die Ehre. Hier wird ordentlich in die Saiten geschrammt, als gäbe es kein Morgen. Fern jeder monotonen Aggression mischen sich dabei Riffs unter, die gut und gerne mal in dem einen oder anderen Ohr hängenbleiben. Petrol Girls bieten hier zwar Extreme, finden aber immer wieder einen Kompromiss, die Hörer damit nicht zu überfordern.

Das ist sicherlich eine Stärke der Platte. Nicht nur wirkt man so etwaiger Langeweile entgegen, der Sound klingt dazu auch noch sehr bunt. Nicht zu vergessen, mit welcher Energie das Quartett sich an die Arbeit macht. Geboten wird reichlich Abwechslung in Tempo, Rhythmus oder der Melodie.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass man zu Recht angenehm überrascht ist, sollten Petrol Girls ihre zielstrebig eingefahrenen Muster mal aufbrechen. So glänzt „Treading Water“ mit einem Refrain, der durch und durch Ohrwurmcharakter besitzt – weitab der sonst hyperaktiven Art und sehr gefasst.

Noch dazu mit passend angenehmem Organ. Ja, Gesang gibt es auf „Talk Of Violence“ auch, wobei man hauptsächlich durch Geschrei den Intentionen des Albums gerecht wird. Erwähnenswert an dieser Stelle ist außerdem die rotzige und dennoch prägnante Stimmfarbe. Dadurch bewahrt sich die Band ein Stück Freiheit, nicht als zu vorhersehbar abgestempelt zu werden.

Petrol Girls (Copyright: Petrol Girls)

Petrol Girls (Copyright: Petrol Girls)

Auch die Lyrics kommen somit noch ein ganzes Stück besser rüber. Die Themen, die oft Feminismus behandeln, sind besonders in Songs wie „Harpy“ oder „Touch Me Again“ prägnant, wobei letzterer wohl die beste Kombination aus musikalischen Einflüssen und Statement in sich vereint.

Der einzige Kritikpunkt, der sich im Laufe von „Talk Of Violence“ ergibt, betrifft das Songwriting. Auf Dauer erscheint das Prinzip aus Mathrock und Hardcore sehr eindimensional und der Sound stellenweise zu stagnieren; vielleicht gerade weil man irgendwo zwischen exzessivem Gebrauch und rockiger Atmosphäre hin und er springt und nie einen eindeutigen Nenner in der Musik findet (erkennbar u.a. in „Restless“).

Ansonsten hinterlässt „Talk Of Violence“ deutliche Spuren. Petrol Girls denken sehr oft außerhalb des Rahmens und bringen dazu noch jede Menge Wiedererkennungswert mit. Es ist daher ein Album, das man sich zu Gemüte führen sollte.

Video

Trackliste

01 False Peace
02 Clay
03 Fang
04 Treading Water
05 Touch Me Again
06 Harpy
07 Restless
08 Phallocentric
09 Deflate
10 Rewild

Details

Petrol Girls – Facebook

Label: Bomber Music
Vö-Termin: 18.11.2016
Spielzeit: 28:37

Copyright Cover: Bomber Music



Über den Autor

Christopher