Review

Was hat man da gerade gehört? Diese Frage stellen sich wohl die meisten nach dem Hören des Albums „ToTeM“ von Pervy Perkin.
Die Madrider rund um Alejandro Macho sind im Kern Freunde der progressiven Musik. Seit 2011 aktiv, verkörpern sie eine Formation, die man heutzutage in dieser Form nur sehr selten findet. Sie selbst sind Fans von Dream Theater, Symphony X oder Led Zeppelin und das hört man auf ihrem neuen Werk „ToTeM“ zur Genüge heraus, fragt sich aber dennoch, was das gerade für ein merkwürdiger Trip war. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Trip ist auf jeden Fall der absolute Wahnsinn.

Pervy Perkin verbinden auf „ToTeM“ fünf Songs mit vier unterschiedlichen Interludes, die merkwürdiger und genialer zugleich nicht sein könnten.

„I Believe“ beginnt sehr ruhig und gefühlvoll. Gitarrenspiel und Stimme bilden eine Einheit und leiten den Track mit knapp 16 Minuten Länge recht emotional ein. Schon jetzt wird klar, dass sich die Jungs sehr viel Zeit nehmen. Das gefällt nicht jedem. Positiv ist aber, dass die Haupttracks gelöst voneinander gehört werden können.
Zu Beginn spielt „I Believe“ ein wenig mit der Wahrnehmung des Hörers, denn der Gesang kommt im Stereo-Bienengeschwader auf einen zu, um dann in einem gewaltigen Männerchor zu münden. Die Instrumente sind schwer und massiv; Pervy Perkin können dabei mit einem grandiosen Gitarrenton auftrumpfen. Schlagzeuger Carly gibt an den richtigen Stellen Vollgas, sodass der Track immer mal wieder Fahrt aufnimmt. 16 Minuten Berg- und Talfahrt liegen vor dem Hörer – und damit ist gerade mal ein Song überstanden. Ab der Hälfte des Titels kommen noch zwei neue Spieler ins Boot – Devin Townsend und Dream Theater scheinen sich hier Hallo zu sagen. Dieser Stilmix ist zumindest mir in dieser Form noch nicht untergekommen. Absolut genial!

Die Interludes sind hingegen sehr speziell und warten mit vielen elektronischen Klängen auf. So könnte beispielsweise Dr. Dre zu  „I. The City“ ein paar Zeilen verlieren.

„Kountry/Kuntklub“ fällt zudem völlig aus dem Konzept. Ein progressiver Redneck-Song? Warum nicht! Die Jungs haben einfach Lust darauf und auch dieser Song ist wirklich interessant geschrieben und nimmt gerade zum Ende eine melodiös dramatische Wendung. Speziell, aber gut.

Mit „Mr. Gutmann“ und „Hypochondria“ bewegen sich Pervy Perkin wieder in etwas verständlicheren Gefilden.
„Mr. Gutmann“ macht auf richtig dicke Hose – nicht nur durch seine Soundgewalt, auch durch seine Länge von entspannten 26 Minuten. Da muss man erst einmal am Ball bleiben. Dream Theater-Fans kommen hier dank Keyboardeinlage und gefühlvollem Gesang im Rush-Stil voll auf ihre Kosten.
„Hypochondria“ wird dagegen eher den Metal-Fans zusagen. Black/Death Metal trifft auf progressiv dissonante Klänge. Dennoch bleiben die Songs immer sehr melodiös ohne nach Melo Death o.ä. zu klingen. Gerade der vielschichtige Gesang macht dabei viel aus. Man merkt einfach, dass die Band sehr viele Ideen hat und diese auch ohne Kompromisse umsetzt. Wenn es sich dann auch noch gut anhört, kann man dies nur gutheißen.

Pervy Perkin (Copyright: Pervy Perkin)

Pervy Perkin (Copyright: Pervy Perkin)

In „T.I.M.E. (Part 1 The Experiment)“ wird es zudem noch etwas groovig und sehr breit. Solch Kreativität bzw. solch Ambitionen kann man schwer in Worte fassen, daher kommen wir zum Fazit.

Pervy Perkin sind eine absolute Ausnahmeband. Entweder man mag ihren Stil oder aber man lässt sie links liegen. Wer Letzteres vorzieht, wird allerdings eine Perle unter den Indie-Bands verpassen. So viel musikalisches Können kanalisiert in einer Band mit so vielen verschiedenen Einflüssen ist eine Seltenheit, weshalb man dieser Truppe einen Besuch abstatten muss. Einzig die sehr speziellen Interludes könnten abschrecken.

Video

Trackliste

01 I Believe
02 I. The City
03 Kountry/KuntKlub
04 II. The Fog
05 Mr. Gutmann
06 III. The Sound
07 Hypochondria
08 IV. The Void
09 T.I.M.E (Part 1 The Experiment)

Details

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Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 15.06.2016
Spielzeit: 78:45

Copyright Cover: Pervy Perkin



Über den Autor

Marcus
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