Review

Paul Gilbert – ein Musiker, den man zuerst wohl mit der Band Mr. Big in Verbindung bringt, war er doch dessen Gründungsmitglied. Doch dabei beließ es der US-amerikanische Rocker nicht und so etablierte er sich abseits redaktioneller Tätigkeiten bei Magazinen wie „Guitar Player“ oder „Premier Guitar“ ebenfalls als Gitarrenvirtuose sowohl bei und mit der Band Racer X als auch auf Solopfaden. Und Letzteres nicht gerade sparsam, sodass das aktuelle Album „I Can Destroy“ bereits sein 18. Solowerk ist.

Stilistisch widmet sich Paul Gilbert darauf großflächig und mittels 13 Tracks der Schnittmenge aus (Classic) Rock, Rock’n’Roll, Hardrock und Blues. Entsprechend großgeschrieben wird der Groove, der den leicht retro-angehauchten Titeln anhaftet, während die Gitarrenarbeit selbstredend jeden Song dominiert.

Auf jene sollte auch der Fokus der Hörer liegen, denn nicht selten erinnern einige Songtexte an eine Englischstunde in der Grundschule. Sehr simpel, dadurch aber auch prompt im Ohr wird diesbezüglich vor allem auf Wiederholung gesetzt, was sich bereits im ersten Song „Everybody Use Your Goddamn Turn Signal“ zeigt.

Trotzdem oder gerade aufgrund der textlichen Simplizität wirken die Songs durchgehend groovy und strahlen eine permanente Leichtigkeit aus, die zudem von unterschwelligen Bassläufen untermauert wird, während auch die zahlreichen Gitarrensoli dieser Wirkung keinen Abbruch tun.

Dies trifft auch für die Mehrheit der balladesken Titel zu, denen zwar eine gewisse Ruhe innewohnt, die aber dennoch nichts an Dynamik missen lassen.

Paul Gilbert (Copyright: Paul Gilbert)

Paul Gilbert (Copyright: Paul Gilbert)

Ob nahezu progressiv oder präzise auf den Punkt gespielt, ob als ledigliche Begleitung und Melodiegeber oder in Szene gesetzt durch verspielte, ausgiebige Soli – an den Sechssaitern macht Paul Gilbert so schnell wohl niemand etwas vor.
Einzig die Tatsache, dass sich der Musiker der sehr traditionellen Rock-Ausrichtung mit starkem Blues-Einschlag verschrieben hat, die zudem im Song „Blues Just Saving My Life“ namentlich ihren Höhepunkt findet, könnte über Ge- und Missfallen von „I Can Destroy“ entscheiden.
Wer sich jedoch dem Classic Rock mit Blick auf seine musikalischen Ursprünge zugetan fühlt, der wird mit Gilberts neuem Output komplett auf seine Kosten kommen – und diese Stilrichtung außerdem noch sehr abwechslungsreich präsentiert bekommen. Jene Zielgruppe komplettiert daher auch unsere Punktevergabe zur Höchstwertung.

Video

Tracklist

01 Everybody Use Your Goddamn Turn Signal
02 I Can Destroy
03 Knocking On a Locked Door
04 One Woman Too Many
05 Woman Stop
06 Gonna Make You Love Me
07 I Am Not the One (Who Wants To Be With You)
08 Blues Just Saving My Life
09 Make It (If We Try)
10 Love We Had
11 I Will Remembered
12 Adventure and Trouble
13 Great White Buffalo (Bonustrack)

Details

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Label: earMusic / Edel
Vö-Termin: 27.05.2016
Spielzeit: 60:20

Copyright Cover: earMusic



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde