Review

Patricia Vonne ist nicht nur die Schwester des bekannten texanischen Regisseurs Robert Rodriguez (u.a. „From Dusk Till Dawn“, „Desperado“ und „Sin City“), sondern auch eine Vollblutmusikerin, was man ihr und ihrem rockigen Tex-Mex-Mix, den sie auf dem aktuellen Album „Rattle My Cage“ zum Besten gibt, auch in jedem der elf Titel anhört.

Kastagnetten begleiten die ab und an zum Vorschein tretenden Flamenco-Rhythmen, Akustikgitarren lösen die E-Saiter ab, Saxophon-Töne tauchen einzelne Songs in eine Blues- und Jazz-Atmosphäre, Fingerpicking wird großgeschrieben, Violinen bilden Kontraste zu Gypsyfolkklängen und über allem thront Patricia Vonnes Stimme, die ihr bereits einige Auszeichnungen einbrachte und auch auf „Rattle The Cage“ stets gekonnt zum Einsatz gebracht wird.

So vielfältig wie die instrumentale und stilistische Ebene des Albums „Rattle My Cage“ ausfällt, so abwechslungsreich gestaltet sich auch der Silberling. Von treibend-seichtem Rock über romantische Balladen bis hin zu temperamentvoller Latin-Power wartet Patricia Vonne gemeinsam mit ihrer Band mit einer großen Bandbreite ihres Könnens auf. Dadurch wird „Rattle My Cage“ weder langweilig, noch vorhersehbar.

Gleichsam können einige Tracks derart überraschen, dass sie schon fast den musikalisch erwarteten Rahmen sprengen. Ein Vor- und gleichzeitiger Nachteil, denn nur bedingt kann man sich dadurch auf das jeweils Kommende vorab einstellen.

Patricia Vonne (Copyright: Patricia Vonne)

Patricia Vonne (Copyright: Patricia Vonne)

Eventuell verleiten auch einige Songs, die aus dem Konzept des Tex-Mex geschwängerten Stils herausstechen, zum Skippen. Ein Beispiel dafür wäre „Paris Trance“, das erstmals auf „Rattle My Cage“ den Jazz-Einfluss der Musikerin betont und in einer Mischung aus englischen und französischen Lyrics daherkommt. Durch den mit leichtem Hall versetzten Gesang und der entsprechenden Produktion des Songs wird der Hörer in eine längst vergessene Zeit katapultiert.
Dies gelingt auch „This Cat’s in the Doghouse“, das den Charme der 50er Jahre versprüht, mit flott gespielten Blasinstrumenten und dominanten Tastenanschlägen auftrumpft und neben „Paris Trance“ einen weiteren hörbaren Stilbruch vollzieht.

Weniger offensichtlich, aber dennoch von den rockigeren Pfaden entfernt geben sich Titel wie „Dulce Refugio“ und „Tequileros“, die teilweise sogar fast poppig erscheinen.

Zurück in das auf „Rattle The Cage“ stilistisch vermutete Geschehen holen schließlich immer wieder die übrigen Songs. Und ob es Zufall ist oder mit der Tatsache zu tun hat, dass „From Dusk Till Dawn“-Regisseur und Patricia Vonne familiär verbunden sind, ein „Dark Mile“ und das Instrumental „Mexicani de Chispa“ erinnern zumindest in vereinzelten Zügen an Tito & Tarantulas Machenschaften, darunter der legendäre Track „After Dark“.

Die Abstecher in Stilecken fern des Tex-Mex Rock mögen Geschmackssache sein, dies im Hinterkopf behaltend, können Fans der Musikerin und ihrer temperamentvollen und leidenschaftlichen Musik zugreifen.

Video

Tracklist

01 Rattle My Cage
02 Dark Mile
03 Ravage Your Heart
04 Que Maravilla
05 This Cat’s In The Doghouse
06 Bitter Need
07 Dulce Refugio
08 Paris Trance
09 Tequileros
10 Mexicali de Chispa
11 Bitter Need – Rock Version (Bonustrack)

Details

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Label: String Commander / M.i.G. Music / Indigo
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 39:40

Copyright Cover: String Commander



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde