Review

Bei „Medication“ treffen smoother Indie und ein gewisser Alternative Sound aufeinander. Die zwei Künstler, die sich dafür gefunden haben, gaben ihrem Projekt den Namen Palace Winter und veröffentlichen nun ihre EP.

Mit fünf Songs und einer knappen halben Stunde Laufzeit baut man hier die Songs überwiegend auf der Basis der akustischen Gitarre auf. Dadurch bekommen Titel wie „Time Machine“ oder „Menton“ einen leichten Folk-Anstrich bzw. nähern sich dem Neo-Western Thema. Über die EP hinweg gibt man sich durchgehend ruhig, man sollte also keinen zu hartnäckigen Rock-Sound erwarten, obwohl sich Palace Winter stellenweise auch in dieser Schiene bewegen können.

Den Anfang machen „Time Machine“ und „Woke In the Night, The Phone Was Ringing“. Schätze mal, das Gefühl werden einige unter euch kennen. Zwei Songs, die vom Arrangement gut auffallen. Ersterer durch seine Wellen aus Synthesizer und der zweite Song durch seinen elektronisch klingenden Drum-Loop. Wobei es lediglich bei diversen Ansätzen bleibt und die beiden Titel zunächst beim ersten Durchlauf verwaschen an einem vorbei laufen.

Interessanter wird es dann mit „Menton“, denn ab da zeigen Palace Winter zumindest durchgehend, was den Einstiegstiteln fehlte: Wiedererkennungswert. Das verträumte Image von „Medication“ kommt hier sehr gut zur Geltung. Die Riffs sind eingängig, aber catchy und die elektronische Seite von Palace Winter hat hier seinen stärksten Auftritt. Ein Titel, der auch gerne mal zum Repeat-Knopf verleitet.

Auf „Stockholm“ gibt sich das Duo dann wieder etwas experimenteller. Während die Gitarre ihren Part bis zum Schluss durchzieht, passiert rundherum alles Mögliche – angefangen von hallenden Vocals oder Synthis, die zum Ende hin das unbeschwerte Gemüt der Platte deutlich runterziehen.

Palace Winter (Copyright: Daniel Buchwald)

Palace Winter (Copyright: Daniel Buchwald)

Durchweg kann man sagen, dass es an den musikalischen Fähigkeiten von Palace Winter nichts zu bemängeln gibt. Der Musik kann man sich ohne Weiteres einfach hingeben und für ein wenig Akustik im Hintergrund eignet sich „Medication“ besonders gut. Dennoch scheint man hier nicht so recht zu wissen, wohin mit dem Sound. Soll es in Richtung Indie mit eigenem Charakter oder sogar schon auf poppigen Wegen wandeln? Heraus kommen Titel, die ansprechen, aber die den Stil der Band nicht wirklich zu kennzeichnen wissen. So unscheinbar wie eine ruhige Wohnsiedlung, in der die Kirschblüten blühen.

Nach ein paar Mal Hören wird man sich bestimmt gut in den Sound einfinden, und dann sogar für sich den einen oder anderen Ohrwurm finden. Ein wenig mehr die elektronischen Ansätze ausarbeiten und die Musik Palace Winters etwas prägnanter gestalten wäre allerdings wünschenswert. Aber da es sich hier ja nur um eine EP handelt, bleibt abzuwarten, was sich in der Hinsicht noch entwickeln wird. Vormals zeigt die Band mit „Medication“ ihre musikalischen Talente und die Fähigkeit, leicht zugängliche Songs zu schreiben.

Anspieltipps:
Menton / Time Machine / New Ghost

Video

Trackliste

01 Time Machine
02 Woke In The Night, The Phone Was Ringing
03 Menton
04 New Ghost
05 Stockholm

Details

Palace Winter – Homepage
Palace Winter – Facebook

Label: Tambourhinoceros
Vö-Termin: 02.10.2015
Spielzeit: 27:42

Copyright Cover: Tambourhinoceros



Über den Autor

Christopher