Review

„Entweder ich mache es perfekt – oder ich lasse es ganz sein!“ lautet die Maxime von Musiker, Komponist und Produzent Peter Tägtgren, der sich auch für ein neues Pain-Opus ganze fünf Jahre Zeit nahm, um nach Studioalbum „You Only Live Twice“ nun „Coming Home“ folgen zu lassen.
Untätig war der Schwede in dieser Zeit zwar nicht, frönte er doch 2013 ein weiteres Mal dem Death Metal mit seiner Band Hypocrisy auf ihrer Veröffentlichung „End of Disclosure“, tat sich 2015 mit Rammstein-Fronter für das Projekt Lindemann und ihr Werk „Skills in Pills“ zusammen und übernahm erst kürzlich die Produktion des aktuellen Sabaton Albums „The Last Stand“, doch Pain-Fans mussten sich zunächst gedulden. Mit zehn Songs möchte Tägtgren nun das Warten seiner Hörer belohnen – und bereits der erste Hördurchlauf von „Coming Home“ zeigt, dass die Metal- und Produzenten-Ikone auch 2016 noch weiß, welche Knöpfe zu drücken und welche Riffs zu bedienen sind, um den Erwartungen gerecht zu werden.

Verlässlich liefert er daher auf „Coming Home“ ab: potenzielle Hits, tatsächliche Ohrwürmer, mitsingbare Live-Kracher und als Zugabe eine Kooperation mit Joakim Brodén von Sabaton, der den Titel „Call Me“ auf gesanglicher Ebene unterstützt.

Kennt man die Diskografie von Pain, trifft man auch mit „Coming Home“ auf Abwechslung, gleichzeitig aber auch auf Bekanntes. Schon mit dem Opener „Designed To Piss You Off“ und seinem Gitarrenintro stimmt man vertraute Klänge an, denn wem kommt nicht unweigerlich ein Song wie „Have A Drink On Me“ vom „Cynic Paradise“-Album hierbei in den Sinn. Die bluesige Country-Note wird im Verlauf von „Designed To Piss You Off“ dezent beibehalten, gleichsam aber von metallischer Härte dominiert. Ein Break kündigt schließlich eine schleppendere Phase des Songs an und spiegelt die immer mal wieder anzutreffenden Entwicklungen von typischen Pain-Songs wider.

„Coming Home“ – so weit, so bekannt, bewährt und beliebt.
Wie viele andere Bands momentan auch, scheint Peter Tägtgren jedoch ebenso den Regler für orchestrale Beigaben nun gefunden zu haben und verpasst dem aktuellen Album reichlich sinfonische Elemente, die zur Erhabenheit und Epik der betroffenen Tracks beitragen. Der klassische Pain-Sound hat dies eigentlich gar nicht nötig, dem hier gefahrenen Industrial Metal wird dadurch aber eine Extravaganz verpasst, die sich harmonisch in den Gesamtkontext des Albums einfügt und somit weder zu dominant noch zu fremdkörperlich wirkt. Aufgrund der derzeitigen Beliebtheit derartiger Zugaben muss das sonst für sich sprechende Projekt des Schweden dies betreffend nur aufpassen, nicht Gefahr zu laufen, in die Beliebigkeit abzudriften. Die Stärke einzelner Titel weiß dies aktuell noch zu verhindern.

Pain / Peter Tägtgren (Copyright: Stefan Heilemann)

Pain / Peter Tägtgren (Copyright: Stefan Heilemann)

So folgt beispielsweise nach der harten, aber doch äußerst kommerziell ausgerichteten Tägtgren-Brodén-Spielwiese „Call Me“ ein Titel wie „A Wannabe“, mit dem Pain erstmals ruhigere Töne anschlagen, indem elektronische und orchestrale Elemente mit Akustikgitarrenklängen kombiniert werden. Auch Titeltrack „Coming Home“ fällt überraschenderweise eher verhalten aus, was die in sich stimmige Bandbreite von Pain zwar untermauert, zudem aber zeigt, dass es weitaus aussagekräftigere Aushängeschilder und Repräsentanten des Albums gibt; darunter beispielsweise das zur Dauerrotation neigende und sehr linear verlaufende „Natural Born Idiot“, das die Pain-Essenzen in aller Einfachheit auf den Punkt zu bringen versteht, mit elegischer, Hintergrund füllender weiblicher Gesangsstimme angereichert wird und dem man keinesfalls seinen Lyrics zustimmen möchte „Shut up, I don’t wanna hear you anymore“. Und so wird der Silberling auch nach dem kurzweiligen Hörgenuss von knapp 42 Minuten viele weitere Runden im Player drehen, denn ein „Black Knight Satellite“ oder das mit Dubstep der metallischen Art versehene „Final Crusade“ werden einfach nicht totzuspielen sein.

Was soll er machen, er hat es nun mal, das berühmte Händchen für einprägsame Melodien. Ihm daher kalkuliertes Songwriting vorzuwerfen wäre unangebracht und gereicht ihm auch auf „Coming Home“ nicht zum Nachteil. Es ist also im Falle von „Coming Home“ nicht die Frage, ob die Titel des Albums gefallen, sondern eher welcher Song besser gefällt. Für optische Anreize sorgt außerdem das Artwork, für das sich Stefan Heilemann verantwortlich zeigt.
Fans greifen bei diesem Diskografie-Bereicherer zu!

Video

Tracklist

01 Designed To Piss You Off
02 Call Me
03 A Wannabe
04 Pain In The Ass
05 Black Knight Satellite
06 Coming Home
07 Absinthe Phoenix Rising
08 Final Crusade
09 Natural Born Idiot
10 Starseed

Details

Pain – Homepage
Pain – Facebook

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 41:29

Copright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde