Review

Schon wieder eine „Berliner Hipster Band“, die auf alt macht und allzu individuell sein will? Haben wir davon nicht schon genug? Nein, zumindest nicht in der Konsequenz, wie Pabst sie an den Tag legen. Coole Retro-Videos ist man von derartigen Bands ja gewohnt, doch Pabst leben die Vibes der VHS-Kassetten-Qualität und des fuzzigen Gitarrensounds, die zu tanzbaren Grunge/Indie Songs verkommen. Ihre EP „Skinwalker“ erscheint über Crazysane Records und feststeht schon jetzt: Pabst hat man zu hören!

Ist man anfangs wirklich etwas erschrocken vom Stil der Jungs, wird nach dem zweiten Durchlauf relativ schnell klar, dass hinter der DDR-Optik viel mehr steckt. Die Songs klingen nach Grunge – recht gelangweilt und belanglos zu Beginn, doch Songs wie „Bias“ oder „Skinwalker“ gehen zügig ins Ohr.

Frontmann Erik klingt in „Skinwalker“ zudem dermaßen gelangweilt und parodistisch, dass man sich fragt, was er da eigentlich macht. Es dauert, bis der Groschen fällt: Die Jungs meinen es mit dieser lazy Tanzmusik tatsächlich ernst – und das zu Recht.

Ihr Sound klingt extrem Old School. Während Schlagzeuger Tore für die straighte Basis der Songs sorgt, fährt man zugleich mit einem fetten Gitarrensound auf – man bedenke, es spielt hier nur eine! – und der Bass knattert vor sich hin und verbreitet in der Magengegend ein wohliges Gefühl.

„Members Only“ geht da noch einmal einen anderen Weg. Es wird spacig und sehr poppig. Die Gitarre startet durch in Richtung Sterne und so langsam findet der Hörer richtig Gefallen am Gesang, der anfangs doch noch komisch klang.

Aber warum gefällt diese Musik? Ganz einfach, sie ist gut geschrieben: Treibende Beats in Kombination mit supereingängigen Songs. Ob es die Gesanglinien sind oder aber die Gitarrenläufe, alles prägt sich sehr schnell ein und lässt sich abfeiern.
Bei Pabst wirkt nichts aufgesetzt. Authentizität pur also – und das spürt auch der Hörer.

Pabst (Copyright: Pabst)

Pabst (Copyright: Pabst)

„Ocean Cruise“ holt die Hörer sogar ein wenig in die 2000er zurück, denn irgendwie fühlt man sich hier an die Nu Metal-Ära erinnert. Besonders beim sphärischen Bass-Intro mit viel Flanger kann man gut abschalten und die Musik genießen.

„Watching People Die“ klingt wiederum ultrahart, aber soundtechnisch bleibt es sehr friedlich und wieder spielt sich der Song sofort in euren Kopf. Wie machen die Jungs das bloß?

Wer hätte gedacht, dass sich die EP „Skinwalker“ als eine richtige Perle entpuppt? Der Mix aus Grunge und friedlichen Sounds mit intensiven Texten ist äußerst interessant und sehr gut komponiert – trotz „Langeweile-Flair“. Einzig ein wenig mehr Songs hätten es sein dürfen. Man darf auf das nächste Produkt (mit hoffentlich mehr Länge) gespannt sein.

Video

Trackliste

01 Bias
02 Skinwalker
03 Members Only
04 Ocean Cruise
05 Watching People Die

Details

Pabst – Facebook

Label: Crazysane Records
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 15:32

Copyright Cover: Crazysane Records



Über den Autor

Marcus
Marcus