Review

Der Australier Owen Rabbit hat zwar bisher noch keine Wikipedia-Seite, aber auf diversen Social Media-Kanälen kann man dem kreativen Kopf folgen, wie er auf Kinderspielzeug Töne erzeugt oder ein wenig traurig vor einer Fleischtheke steht. Schwer zu fassen, der junge bebrillte Mann. Und so ähnlich ist es auch mit seiner Musik, die er mit „One“ nun als EP veröffentlicht hat.

Die wenigen Informationen, die man zum Australier findet, beschränken sich vor allem auf seine Arbeit: Produzent und Multiinstrumentalist sei er. Dabei darf man „Multiinstrumentalist“ allerdings nicht im klassischen, engen Sinn verstehen, denn Owen Rabbit erzeugt seine Klänge auf Flaschen, Spielzeugen, Müll – eben alles, was ihm unter die Finger kommt. Dazu mischt er Beats und Gesang. Diese schnöde Beschreibung lässt vielleicht den Eindruck einer musikalischen Müllhalde entstehen, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Schon wenn die ersten Klänge der EP „One“ von Owen Rabbit ertönen, klettert die Gänsehaut von den Unterarmen bis zum Nacken hoch. Bereits der Opener „Kalgoorli“ ist symptomatisch: Hypnotische Klänge weben einen dichten Soundteppich. Man kann nicht einmal genau sagen, was wir da zu hören bekommen, aber es klingt traurig und schön zugleich. Synthies setzen zwischendurch instrumentale Akzente, die die besondere Stimme von Mr. Rabbit zum Strahlen bringen.

Das anschließende „Oh my God“, das über die Seite des Künstlers von jedem gehört werden kann, ist ein absoluter Hörtipp. Dieser Song erhält nicht nur einen dynamischeren Beat, zu dem man sich sanft im Mondlicht wiegen will, sondern gesangliche Unterstützung. Zwischen beiden herrscht keine perfekte Harmonie, sondern Dissonanzen, die erst für Spannung in den Tracks sorgen. Dazu der treibende Rhythmus und schon bekommt der Song einen beinahe freudigen Anstrich.

Sechs weitere Songs folgen diesen zwei Krachern – eine ziemlich gute Anzahl für eine EP und mit fast 35 Minuten auch eine sehr gute Spiellänge. Alle insgesamt acht Tracks verbindet ein ganz charakteristischer Stil, auch wenn sie sich bisweilen deutlich unterscheiden. Da wären eher ruhige, atmosphärische Anteile wie bei „Dead Dog“ oder eine eigentümliche Mischung von Gesängen und Sprechparts, die zum Beispiel „Happy Birthday“ kennzeichnen. Fast schon konventionell in der Zusammenstellung von Gitarre, Drums und Gesang kommt hingegen „The Rain Is Gonna Come“ daher. All diese Elemente zeigen die Vielfältigkeit des Künstlers.

Owen Rabbit (Copyright: Owen Rabbit)

Stellt sich nur die Frage, wie man diese musikalischen Perlen zu einer Kette aufreihen soll. Alle Tracks vereint eine gewisse Beatlastigkeit. Dazu gesellen sich eigentlich immer atmosphärische Klänge, die durch Synthies (oder Musikinstrumente im weiteren Sinne) geprägt sind. Alle haben diese eigentümliche Stimmung von Melancholie, Schönheit und ziehen dich in ihren Bann. Beim Zuhören möchte man im Klangteppich versinken – was allerdings auch dazu führen kann, dass die Songs selbst ineinander schwimmen.

Dazu trägt außerdem bei, dass Owen Rabbit keine Standard-Songstrukturen wie Strophe-Refrain-Strophe verwendet. Die Teile fließen ineinander, dennoch gibt es in fast jedem Song Stellen, die sich ins Hirn brennen und für Wiedererkennungswert sorgen.

Schwer zu sagen, für wen Owen Rabbit „One“ geschrieben hat. Ruhige Elektroklänge, einnehmender Gesang und ungewöhnliche Kompositionen machen diese EP allerdings zu einem Sounderlebnis, dem man mal eine Chance geben sollte, wenn man auf Melancholie und Electro steht.

Video

Tracklist

01 Kalgoorlie
02 Oh My God
03 Dead Dog
04 Happy Birthday
05 The Rain Is Gonna Come
06 Pyramid Power
07 Antarctica
08 Denny’s [buttermilk pancake mix]

Details

Owen Rabbit – Homepage
Owen Rabbit – Facebook
Owen Rabbit – Twitter

Label: Eigenproduktion / Tunecore
Vö-Termin: 22.11.2016
Spielzeit: 34:41

Copyright Cover: Owen Rabbit



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer