Review

„Die Geschichte derer erzählen, die schon viel zu lange nicht gehört wurde“, das macht sich die kanadische Band Osyron auf ihrem aktuellen Album „Foundations“ zur Aufgabe und taucht mittels fünf Songs in Themen wie Rassismus, Diskriminierung und kulturellen Genozid und damit nicht zuletzt in die Vergangenheit ihrer Heimat ein.

Ihr Vorhaben erstreckt sich dabei auf lediglich 29 Minuten und fällt somit angesichts der umfangreichen Thematik insgesamt sehr kompakt aus. Diese Knappheit macht die musikalische Umsetzung allerdings wett.

Musikalische Erzählkunst

Mit dichter Atmosphäre und kraftvoll-eindringlichem Sound wartet das Quintett aus Alberta auf und mixt dabei diverse Subgenres des Metal zusammen. So sind neben progressiven Anleihen auch Thrash-Elemente und old schooliger Heavy Metal auszumachen. Packende, wenngleich nicht zwingend eingängige Melodien spannen den Bogen innerhalb der Songs, die sich mitunter schließlich in massiven Refrains entladen.

Über allem schwebt ein eher erzählerischer Charakter. Obschon Sänger Reed Alton, dessen Organ vor allem zur progressiven Ausrichtung von Osyron äußerst passend wirkt, gesanglich von ruhigen, emotionalen Tönen bis hin zu energischen Shouts so einiges an Facetten bietet, wirkt die Mehrheit der Songs wie eine erzählte Geschichte, die sich damit nicht gleich ins Ohr oder Hirn fräst. Es bedarf daher dem einen oder anderen Durchgang mehr, um „Foundations“ derart würdigen zu können, wie es der Silberling und die darauf anzutreffende Epik letztlich verdienen.

Letztere kommt besonders in Songs wie dem sich an Intensität steigernden „Battle of the Thames“ zum Ausdruck, während „The Ones Below“ vermutlich eher die Stadionrock- und AOR-Gemeinde anspricht und insgesamt traditioneller gehalten ist.

Osyron (Copyright: Ara Shimoon)

Doch bevor man zu diesen Tracks gelangt, macht „The Cross“ zunächst den Anfang – und definitiv Lust auf mehr.
Als einer der Hook-lastigeren Songs des Albums brilliert der Opener allen voran durch seine Entwicklung. Soundtrackartige Sequenzen treffen dabei auf eine Melodie, die sofort zündet und im Ansatz an Ausschnitte aus dem Refrain von Adeles „Skyfall“ erinnert. Genau wie in jenem Song baut diese Passage auch in „The Cross“ ausreichend Spannung auf, um den Hörer nicht unberührt zu lassen.

Fazit

Mit „Foundations“ veröffentlichen Osyron ihr drittes Album, das zwar nicht gerade mit sehr viel Spielzeit überzeugt, dafür aber durch abwechslungsreiche Kompositionen zu gefallen weiß. Dabei kann man keinem der fünf Songs eine unweigerliche Eingängigkeit bescheinigen, dennoch lädt jeder einzelne Titel auf seine Weise zum Hinhören und Eintauchen ein. Unberechenbar bricht die Band hier mit Stilen, ohne dass „Foundations“ an Homogenität verliert. Wie aus einem Guss und doch jedes Mal anders verleitet das Album – nicht zuletzt dadurch – zum wiederholten Hören. In diesem Sinne: Auf ein Neues!

Video

Tracklist

01 The Cross
02 Ignite
03 Battle of the Thames
04 The Ones Below
05 Foundations

Details

Osyron – Homepage | Osyron – Facebook | Osyron – Twitter

Label: SAOL
Vö-Termin: 10.07.2020
Spielzeit: 28:41

Copyright Cover: SAOL



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde