Review

Will man seinen musikalischen und kulturellen Horizont erweitern, wird man an der Platte „Folktron“ wohl kaum vorbeikommen. Zusammen mit ihren exotischen Instrumenten, dem traditionellen Soundstil und mit einem regelmäßigen Abdriften in moderne Bereiche erschaffen Oratnitza aus Bulgarien hier ihre ganz eigene Vorstellung von fesselnder Musik.

Wem Musik außerhalb der eigenen Gefilde nicht so gut bekommt, darf sich trotzdem an dieses Album heranwagen. Oratnitza bedienen ihre Zuhörer mit einem mitreißenden Groove sowie exotischen Songs, die sich dennoch zugänglich gestalten – nicht zuletzt durch das Arrangement der osteuropäischen, hypnotisierenden Melodien mit einer gewissen westlichen Attitüde.

Begrüßt wird man auf „Folktron“ stets mit dem brummenden Sound des Didgeridoos, welches seinen erdigen Ton unter den traditionellen, schon fast rituellen Charme der ersten beiden Songs legt. Bereits ab „Stapil Dobri“ merkt man, in welche Richtung sich die Band bewegen wird. Und mit „Zhelkya“ wird klar, hier liegt ein feuriger Rhythmus in der Luft.

Oratnitza orientieren sich für ihre Beats an Elementen des Drum’n’Bass oder sogar am HipHop. Gut zu hören an der klassischen Percussion und sogar der Spielart des Didgeridoos, in welches mit Beatbox-Techniken hineingeblasen wird.

Das Kaval erweckt durch seine trockenen und pfeifenden Töne endgültig die hypnotisierende Art der Titel zum Leben. Das Blasinstrument zählt zusammen mit dem klassischen Gesang zum markantesten Teil des Albums. Gemeinsam mit den oft harten Beats entsteht ein frischer und lebhafter Sound, der zum Tanzen einlädt. Mit „Folktron“ geht man buchstäblich auf eine Reise durch verschiedene Klänge, auf der man immer wieder etwas Neues entdeckt.
Selten kommt die Musik hier zum Stagnieren; es sei denn, Orantitza nehmen sich zu viel Zeit für die monotonen Passagen, die immer mal wieder auftauchen und im Vergleich zur vorhergehenden gekonnten Fusion die Euphorie des Flows etwas abdämpfen.

Auch der Remix von „Zhelkya“ bietet für die Platte am Ende nur ein Gimmick. Mit viel in den Sound gemischten Dubstep und Drum’n’Bass entspricht dieser Track nicht ganz dem Thema des Albums, aber er beeinflusst es auch nicht wirklich.

Oratnitza (Copyright: Oratznitza)

Oratnitza (Copyright: Oratznitza)

Doch meint man gerade einen Schwachpunkt in der musikalischen Herangehensweise der Band gefunden zu haben, drehen diese den Spieß mit „Trap, Mome!“ prompt wieder um. Während der Sound bis dahin überwiegend fröhlich wirkte, schlägt man nun deutlich melancholischere Töne an; beginnend mit einem Cello, dessen Klänge in die übliche Kombination aus traditionellen Instrumenten übergehen – alles stets unter dem Mantel einer drückenden Stimmung. Besonders die Percussion dreht hier richtig auf und liefert ihre bemerkenswerteste Performance ab.

„Folktron“ ist ein Werk, das von Anfang bis Ende durchgehend überzeugt. Ein Sound, der seine Hörer in den Bann zieht und anschließend nicht mehr loslassen will. Dahinter steckt musikalisches Verständnis darüber, wie man seine Wurzeln in ein aktuelles Soundgewand kleidet. Wer Abwechslung von seinem Musikalltag sucht, liegt mit „Folktron“ goldrichtig.

Video

Trackliste

01 Beginning
02 Stapil Dobri
03 Yaninka
04 Zhelkya
05 Kathi, Rayno
06 Gano, Gano
07 Doydi, Doydi
08 Trap, Mome!
09 Hubava si, moya goro (live)
10 Zhelkya Remix (High Roll)

Details

Oratnitza – Homepage
Oratnitza – Facebook

Label: Fusion Embassy
Vö-Termin: 13.05.2016
Spielzeit: 49:24

Copyright Cover: Fusion Embassy



Über den Autor

Christopher