Review

Wenn das nicht wahrlich „Bedroom Eyes“ sind, dann weiß ich auch nicht. Zumindest keine von dieser Welt, aber passend zur Musik der deutschen Band Oracles, die mit ihrem Sound schon lange nicht mehr in unserer Dimension zu agieren scheinen. Schon auf ihrer EP präsentierten sie ihre Kreuzung aus psychedelischem Rock, Shoegaze und poppigen Noten. Jetzt, mit ihrem Langspieler „Bedroom Eyes“, geht es noch tiefer in diese Gefilde hinein.

Womit sich Oracles von den meisten anderen Psychedelic-Bands abheben, sind die Melodien der Songs. Praktiziert wird ebenjener Sound, welcher den Hörer mental durch ein Kaleidoskop schauen lässt, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass neben der langwierigen Berieselung aus Klängen auch noch eine gewisse Zugänglichkeit hinzukommt.

Während die fünf Minuten lange Einleitung „Lacerate Slowly“ noch genau diesen repetitiven Charakter an den Tag legt, zeigt „Constellations“ mit deutlich geringerer Spielzeit, wie man einen fesselnden Drum-Beat effektvoll unter spacige Töne legt. Oracles zeigen auf „Bedroom Eyes“, wie man greifbare Melodien kreiert, die in den Ohren förmlich dahin schmelzen.

Über die Platte hinweg werden dem Hörer zusätzlich noch die Texte in klassischer Manier zugehaucht.
Ein wenig klischeebehaftet, aber nicht weniger abwechslungsreich wird der Gesang gestaltet – mit einer Menge Kopfstimme oder basslastigeren Organen, die aus dem Hintergrund schweben. Aber es geht auch etwas fokussierter, wie man es auf „Stunted“ erleben darf.

Oracles (Copyright: Bernd Frikke)

Oracles (Copyright: Bernd Frikke)

„The Lethargy Of Many“ erinnert an vielen Stellen an die Beatles und transkribiert diese lockeren Melodien auf verschiedene Rhythmen.
Darauf sollte man sich aber nicht allzu lange ausruhen, weil „Toughts Of Love On The Verge Of Sleep“ einem wieder ordentlich Feuer unterm Hintern macht. Der Bass pumpt seinen brummenden Sound ordentlich in motorische Drums hinein. Zur gleichen Zeit fristen die Gitarren ein schizophrenes Dasein mit verträumten und zwischendurch stark verzerrten Einsätzen.

Jedoch gibt es immer wieder mal Titel, die durch ihre Vorhersehbarkeit hervorstechen. So wie „Amoeba“, welcher sich sehr einseitig gestaltet. Was nicht unbedingt heißen muss, dass es sich dabei um schlechte Songs handelt, im Vergleich zu dem Arrangement eines „Cries & Whispers“ fällt so etwas nur deutlich auf. Dieser Titel bildet zudem die perfekte Wahl für den Ausklang des Albums.

„Bedroom Eyes“ verkörpert ansprechendes Songwriting mit effektiver Umsetzung. Ein Sound, der nicht von dieser Welt zu sein scheint und am Ende der Platte doch wertvoll im Gedächtnis bleibt.

Video

Trackliste

01 Lacerate Slowly
02 Constellations
03 The Lethargy Of Many
04 Stunted
05 Thoughts Of Love On The Verge Of Sleep
06 That Was I
07 Returning Never
08 Agharta
09 Chardonnay
10 Amphibian Rule
11 Amoeba
12 Cries & Whispers

Details

Oracles – Facebook

Label: This Charming Man Records
Vö-Termin: 27.05.2016
Spielzeit: 50:18

Copyright Cover: This Charming Man Records



Über den Autor

Christopher