Review

Mit dem Album „Temporary Phase“ von der Band Opioids kommt recht urtümlicher Deathrock aus Israel auf die Hörer zu.
Unkonventionell schmettern die zehn Songs des Silberlings aus den Boxen und schnell gehört der erste Hördurchgang dann auch schon wieder der Vergangenheit an, denn lediglich knappe 30 Minuten beehrt uns die Band aus Tel Aviv mit ihrer ganz eigenen Interpretation von Batcave-lastigem Gothic-/Death-Rock.

Der Bass steht bei allen Songs im Vordergrund; ein nicht selten in diesem Genre anzutreffender Umstand, der jedoch im Falle von Opioids auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass das heute als Quartett agierende Projekt in ihrer Anfangszeit weder Gitarren noch Keyboards zur Verfügung hatte. Als ganz eigenes Stilmittel behielt man den Bass als dominierendes Instrument allerdings bei, sodass er beinahe als Alleinstellungsmerkmal herausstechen soll. Dafür – so wird man nach wenigen Liedern feststellen – wirkt er allerdings sehr dezent.

Ein Exotenbonus ist Opioids nicht zuletzt damit trotzdem sicher, doch kann die Band um Sängerin Sharon auch qualitativ überzeugen?
Rein produktionstechnisch überzeugt „Temporary Phase“ mit einem rauen, unverfälschten und authentischen Soundgewand, das die Liebe der Band zu ihrer Musik verdeutlicht. Hier wird noch Musik aus Leidenschaft und Überzeugung gemacht, ohne auf gängige Verkaufsstrategien zu setzen. Damit ist Opioids ein Album gelungen, das von Herzen kommt, sich gleichzeitig jedoch einem nur sehr engen Hörerkreis erschließen wird.

Opioids (Copyright: Oren Moshe)

Opioids (Copyright: Oren Moshe)

Es fällt zudem schwer, mit den meisten Songs auf „Temporary Phase“ warm zu werden, mangelt es doch an Melodien, die im Ohr bleiben. So ist es auf Dauer ziemlich anstrengend, den Gefühlsausbrüchen – vorrangig durch die Gesangsdarbietung von Sharon zum Ausdruck gebracht – zu folgen. Im Vordergrund stehen Batcave-Elemente, die nicht auf melodischen Gesang setzen, sondern auf theatralisch vorgetragene und vom Punk beeinflusste Lyrics.

Diese werden schnell auf den Punkt gebracht, während man sich zudem mit Akzenten innerhalb der einzelnen Songs nicht nennenswert aufhält. Daher verwundert es nicht, dass sich die Tracks durchschnittlich im 2-Minuten-Bereich aufhalten.
Kurz, aber nicht schmerzlos (wie der Gesang des Öfteren vermuten lässt) plätschert das Werk somit am Hörer vorbei, ohne dass die Möglichkeit besteht, dass einzelne Songs im Ohr bleiben.

Gesamt gesehen sind Opioids als exotische Nischenband beispielsweise beim WGT sicherlich gut aufgehoben. Ob sie jedoch die große Masse der schwarzen Subkultur erreichen wird, steht mit „Temporary Phase“ noch in den Sternen. Vielleicht gelingt dies mit dem nächsten Werk, bei dem Opioids verstärkt den Fokus auf Eingängigkeit und Melodie legen sollten.

Wer sich für traditionsbewussten Deathrock interessiert, der sich auf die Ursprünge des Genres konzentriert, und zudem den Mut der aus Israel stammenden Band honoriert, sollte Probe hören.

Video

Tracklist

01 FlatCat
02 Oblivion Voids
03 Pre-Mortem
04 Detachment
05 Frustration
06 A Step Behind
07 Shadows
08 Clocks
09 Inner Itch
10 Mass Production

Details

Opioids – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 06.06.2014
Spielzeit: 29:08 Minuten

Copyright Cover: Danse Macabre

 

 



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde