Review

Die Großmeister des Prog Rock/Metal melden sich dieses Jahr mit ihrem heiß erwarteten neuen Werk „Sorceress“ zurück.

Im Vorfeld wurde viel darüber debattiert, ob Akerfeldt nun endlich wieder mehr in Richtung Metal geht und seine guten Growls auspackt. Nachdem „Heritage“ und „Pale Communion“ sehr rockig und proglastig waren, haben sich viele Fans mehr Härte gewünscht. Wer Akterfeldt kennt, der weiß, dass er nicht unbedingt auf seine Fans hört und eher das macht, worauf er Lust hat. So auch auf „Sorceress“. Es wird erneut äußerst rockig mit etwas Prog darin. Vor Kurzem sprach er sich erst darüber aus, dass er sich freut, nun endlich die Death Metal-Vocals beiseite legen zu können. Nach so wenig Fansupport bleibt die Frage, ob „Sorceress“ dennoch eine gute Scheibe ist und ob man sie als Opeth Fan hören sollte.

Kurzum, wie angekündigt fehlt der harte Kern. Das Intro „Persephone“ beschränkt sich auf ein akustisches Gitarrenspiel. Der Titel wirkt friedlich, ruhig und ganz klar wie ein Interlude. Allerdings passt er nur bedingt zum darauffolgenden Krachersong „Sorceress“. Dieser Track fungierte als erste Singleauskopplung und weckte die Hoffnung, dass dieses Opeth-Abum wieder etwas werden kann. Der Song beginnt sehr progressiv und erinnert mit seinem sehr fuzzigen Sound an Led Zeppelin oder Rush. Doch kurz darauf wird es richtig heftig. Die Stimme bleibt zwar engelsgleich, doch das Riff tritt richtig in den Hintern. Walzend und doch sehr melodisch kann der Titeltrack vollends überzeugen.

„The Wilde Flowers“ geht in die gleiche Richtung. Man könnte sagen, hier trifft „Pale Communion“ auf ein straightes Songwriting.

Zumindest bis zur Hälfte der Platte verfliegt zudem die Proberaumatmosphäre. Die Songs sind für die großen Bühnen gedacht. Der Klang des Schlagzeugs kann dabei auf ganzer Linie überzeugen, denn Martin ist nicht nur ein virtuoser Drummer, er legt auch Wert auf einen soliden und satten Drumsound. Allgemein ist der Sound der Platte sehr ausgewogen. Gerade Akerfeldts Gesang steht im Fokus und verschwimmt positiv mit dem Sound der Platte.

Hat man die etwas härteren Songs durch, so bleiben viele solide Gitarrenstücke wie „Will O The Wisp“ oder „Sorceress 2“, die unter die Haut gehen, aber nicht unbedingt Highlights sind. Neben der Stimme liegt der Fokus auf guten Gitarrenriffs, die sehr rockig sind und hier und da in die Stoner-Richtung gehen – siehe bzw. höre „Strange Brew“.

Opeth (Copyright: Stuart Wood)

Opeth (Copyright: Stuart Wood)

Natürlich vermisst man den Metal-Touch, aber sind wir ehrlich: Den vermissen wir seit „The Heritage“ und mittlerweile muss man sich damit abfinden, dass Opeth eine neue Richtung eingeschlagen haben, die nicht schlecht, aber einfach ganz anders ist.
Nicht jeder Song auf „Sorceress“ ist ein Progwunder mit viel Action, dafür sind die rockigen Tracks allesamt solide und machen Spaß beim Hören. An vielen Stellen merkt man, dass sich Opeth auch ein wenig ausprobieren, denn „Era“ ist beispielsweise doch sehr poppig und solche Klänge hört man recht selten. Ob Opeth das langfristig selbst gefällt, wird sich noch zeigen. Das Einzige, was man ihnen vorhalten kann, ist die Wiederholung verschiedener Parts in den Songs. Das kann bei mehrmaligem Hören etwas stören, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Es gilt sich damit abzufinden, dass sich die Band weiterentwickelt und dabei nicht auf ihre Fans hört, sondern an den eigenen Interessen festhält. Somit können Rock-Freunde, Opeth-Fans und Neuankömmlinge mit „Sorceress“ Spaß haben. Die Songs kann man als gute Weiterentwicklung zu den letzten beiden Platten betrachten, was dafür spricht, dass die Band ihren neuen Stil so langsam findet und sich damit wohlfühlt.

Video

Tracklist

01 Persephone
02 Sorceress
03 The Wilde Flowers
04 Will O The Wisp
05 Chrysalis
06 Sorceress 2
07 The Seventh Sojourn
08 Strange Brew
09 A Fleeting Glance
10 Era
11 Persephone (Slight Return)

Details

Opeth – Homepage
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Label: Nuclear Blast Records
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 56:36

Copyright Cover: Nuclear Blast Records

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Über den Autor

Marcus
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