Review

Nach langem Aufenthalt in den modernen Medien, macht Olli Schulz 2015 endlich wieder das, was er am besten kann: Musik.
Es gibt wohl auch kein besseres Albumcover, das „Feelings aus der Asche“ zusammenfassen würde, als dieses. Anders als beim Vorgänger „S.O.S. Safe Olli Schulz“ setzt diese Platte weniger auf Humor, als auf persönliche Texte. Vom Sound her hat sich allerdings wenig geändert. Olli Schulz fabriziert erneut seinen akustischen Indie, verfeinert mit diversen abwechslungsreichen Elementen.

So wird man auf diesem Album in guter Schulz-Manier mit rhythmischen Akkorden empfangen. Kurz darauf mit dem sehr poppigen Song „Phase“, dem Highlight schlechthin. Ab sofort zeigen sich auch die starken Lyrics der Platte. Deutsche Texte mit Hang zu bildlichen Vergleichen, allerdings nicht zu verschachtelt, wie man es beispielsweise von Tomte Titeln kennt.

„Feelings aus der Asche“ kann mehr als das Runterschrammen von Akkorden. So begegnen dem Hörer verschiedene Instrumente und Sounds, wie Klavier oder ein wenig Synthi. Mit „Passt schon!“ bekommt man dann auch noch seinen Ohrwurm aus dem Radio. Mit Galgenhumor umschreibt Schulz, so die laienhafte Interpretation eines Außenstehenden, die mediale Welt, in der er sich noch vor Kurzem befand.

Etwas persönlicher wird es schließlich in „Als Musik noch richtig groß war“, ein Titel, in dem verschiedene Phasen seines Lebens verarbeitet werden. Auf ein Neues wird viel mit Metaphern gespielt, während die Tasten des Klaviers den Unterton vorgeben.

Bleiben wir bei der Gefühlsduselei. „Das könnte hässlich werden“ groovt aus dem Indie alles heraus. Treibende Rhythmen mit Elektronik und galoppierenden Saiten. Olli Schulz trägt dabei den Verlauf einer Beziehung vor, mit einem Refrain, der sich buchstäblich im Ohr festbeißt. Zudem treffen einen als Hörer die Texte auch persönlich, sodass es schon fast weh tut, diesen Song immer und immer wieder hören zu wollen.

Leider fehlt ein wenig dieser naive und derbe Humor von Olli Schulz, wie beim Song „H.D.F.K.K“ des Vorgängers. Dennoch wird sich auf „Feelings aus der Asche“ mehr auf tiefere Sinne konzentriert und davon bekommt man eine Menge. Das Hören dieser Platte wirkt mehr wie Schulz‘ Katharsis. Weg von der Blödelei, zurück zum Ursprung.

Olli Schulz (Copright: Oliver Rath)

Olli Schulz (Copright: Oliver Rath)

Der einzige Titel, der die Melancholie nimmt, ist „Dschungel“. Im Vergleich zu den anderen Texten, wirken sie bei diesem Titel unterirdisch und zu standardisiert. Ausgeglichen werden diese durch einen Sound, der Prärie-Feeling auslöst.

Olli Schulz ist ein einzigartiger Musiker und beweist mit „Feelings aus der Asche“, dass er auch ohne den „Fame“, den er durch die Medien erhalten hat, immer noch zu sich selbst zurückfinden kann. Dennoch dürfen Fans seiner Soloalben oder seiner Band Olli Schulz und der Hund Marie sowie jene seiner visuellen Auftritte hier beherzt zugreifen. Man hat so viel Spaß beim Hören, dass man nicht mal merkt, wie schnell die Zeit vergeht. Da sich Herr Schulz jetzt auch mehr auf seine musikalischen Talente besinnen möchte, bleibt nur abzuwarten, was wir unseren Gehörgängen als nächstes Gutes antun können.

Oder wie Olli Schulz kürzlich sang: „Wenn es gut ist, wird es schön sein und dein Leben lang passieren …“

Video

Trackliste

01 So muss es beginnen
02 Phase
03 Kinder der Sonne
04 Passt Schon!
05 Boogieman
06 Als Musik noch richtig groß war
07 Dschungel
08 Das kann hässlich werden
09 Mann im Regen
10 Feelings aus der Asche

Details

Olli Schulz – Homepage
Olli Schulz – Facebook

Label: Trocadero / Indigo
Vö-Termin: 09.01.2015
Spielzeit: 36:06

Copyright Cover: Trocadero



Über den Autor

Christopher