Review

Haben wir hier Popstars vor uns? Könnte man meinen, wenn man liest, dass die Band Oddland ihren ersten Plattenvertrag bei einem Contest gewonnen hat. 2012 kam so das Album „The Treachery of Senses“ über Century Media heraus, seitdem hörte man nichts mehr von den finnischen Progressive Metallern.
2016 ist die Band über Sensory Records wieder am Start und bringt mit „Origin“ ein sehr interessantes technisches Werk mit Wiedererkennungswert auf den Markt.

Gemixt wurde die Scheibe von Daniel Bergstand, der unter anderem auch schon mit Meshuggah gearbeitet hat – und direkt von Anfang an hört man dies dem Stil der Band an.

Liest man die Beschreibung „Progressive Band aus Finnland“, erwartet man niemals das Gewitter, das Oddland den Hörern mit „Origin“ bescheren.
„Esotericism“ ist schon nach dem ersten Hördurchgang ein absoluter Favorit auf der Scheibe. Er ist nicht nur der Opener, sondern auch ein Wunderwerk der Kombination aus modernen Meshuggah-Sounds, teilweise Opeth- und Devin Townsend-artigem Gesang und gelungenen Songstrukturen. Wahnsinn, wie diese Kombination so gut funktionieren kann und auch zusammenpasst. Harte und tiefe Gitarrenriffs sowie der hohe Einsatz von – wenn auch teilweise sehr chaotischen – Melodien bringen noch einmal eine ganz andere Note in das Songwriting. Was dabei ganz interessant ist: Der Sound ist nicht mechanisch und total abgestumpft. Nein, hier steckt richtig Herz und Seele drin.

Der Gesang ist durch Sakari vertreten, der nebenher natürlich noch Gitarre spielt – und beides gut beherrscht. Seine ruhige und gefühlvolle Stimme passt wie die Faust aufs Auge. Wenn man im Hintergrund die kräftigen Riffs laufen lässt und er engelsgleich darüber singt, geht einem schon das Herz auf.
In „Untrue“ passiert genau das und die Gänsehaut ist vorprogrammiert. Neben der Grooveschiene können Oddland aber auch derben Metal, was sie in diesem Song ebenfalls zeigen.

Oddland (Copyright: Jarno Terho)

Oddland (Copyright: Jarno Terho)

Insgesamt kann man sagen, dass die Jungs unfassbar viele Stile vereinen und clever kombinieren. Natürlich fühlt man sich an Opeth oder Devin Townsend erinnert. Große Favoriten sind auch Meshuggah und Pain of Salvation. Grundlegend ist die progressive Richtung oder auch ein wenig Djent das vorherrschende Grundgerüst. Für diese Richtung wäre es allerdings ganz gut gewesen, wenn man die Songs noch etwas kraftvoller untermalt hätte. Klar knallt die Platte, doch an manchen Stellen verliert sie etwas Luft und der Druck fehlt einfach.
Mit dem Song „Skylines“ geht es dann auch noch in die Richtung von Textures und damit sind wahrscheinlich alle Messen gesungen.
Vertrackt wie in „Faraway“ geht es nur selten vor, weshalb auch Neulinge viel Spaß an „Origin“ haben sollten.

„Origin“ ist daher eine grandiose Platte, der es nur ganz selten an Druck fehlt. Ansonsten enthält sie alles, was modernen Metal ausmacht: Kreative Songs, grandiose Musiker und eine Menge Ideen, die sie sinnvoll in den Songs verarbeiten können. Eine klare Empfehlung für Freunde der hier genannten Bands.

Video

Trackliste

01 Esotericism
02 Thanatos
03 Penumbra
04 Untrue
05 Hidden
06 Skylines
07 Unknown
08 Faraway
09 Will

Details

Oddland – Homepage
Oddland – Facebook

Label: Sensory Records / Al!ve
Vö-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 46:46

Copyright Cover: Sensory Records



Über den Autor

Marcus
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