Review

Ein Albumcover, das sich auch sehr gut an der eigenen Wand machen würde, schraubt die Erwartungen an „Kitsch“ vielleicht ein wenig hoch, dennoch repräsentieren Octo auf ihrem ersten Album alles andere als Kitsch.
Mit einer – als Trio mit zwei Bassgitarren und Drums – recht unkonventionellen Herangehensweise an ihre Musik, lassen die Jungs hier eine geladene Platte voll von instrumentalem Noise-Rock auf ihre Hörer los.

Dabei bestätigen die ersten beiden Titel zunächst, wie limitiert solch eine Band sein kann. Schließlich stellt man sich aber der Herausforderung, aus den gegebenen Mitteln möglichst viel herauszuholen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass sich mit den ersten Minuten von „Kitsch“ bereits eine leichte Stagnation in den Sound der Band einschleicht.

Alles beginnt mit dem klassischen Erfüllen der Erwartungen, dass ein Bass für den Rhythmus und der zweite für die Melodien zuständig ist. Darunter feuert das Schlagzeug munter seine Beats dazu. Octo kommen damit nicht über standardisierte Basslinien hinaus; da schaffen auch keine noch so abgedrehten oder vermeintlich sozialkritischen Titel wie „Octo Kaa Wäii!!!“ oder „Ihre Idole sind Lügner“ Abhilfe.

Widmet man sich „Kitsch“ aber weiter, wird man schnell eines Besseren belehrt. Der noch viel abgedrehter klingende Titel „Aar…Aar…Cincinnaticat“ hat es in sich. Die Melodien werden facettenreicher und holen den Zuhörer von der ersten Sekunde an ab. Wenn auch nicht innovativ, so gehen die Ideen immerhin in die Gehörgänge.

Octo (Copyright: Octo)

Octo (Copyright: Octo)

Die anfängliche Simplizität der Platte verwandelt sich auf einmal in ein Stilmittel, mit dem Octo ihre musikalischen Intentionen viel besser transportieren können. Gleichzeitig wirken manche Passagen genre-übergreifend, wie sonst sollte man den leichten Anflug von Doom in den Titeln erklären.

Ab diesem Punkt muss man zugeben, dass „Kitsch“ recht flüssig läuft; zwar immer noch mit dem nicht ganz vollständig zu Ende geführten Gedanken von eingängigem Noise-Rock und progressiven Ansätzen, aber auf jeden Fall wirken Octo mit „Trio Paradisoprivan“ und „Saudade“ der Monotonie deutlich entgegen. Besonders letzter fungiert als klares Aushängeschild für ihre Musik.

„Kitsch“ dreht sich im Spielverlauf überraschenderweise um 180 Grad und sorgt für ein zunehmend spannenderes Hörerlebnis. Es ist zwar noch keine ganz runde Sache, aber man merkt, dass die Ansätze Potenzial durchleuchten lassen, das es zukünftig auszunutzen gilt.

Video

Trackliste

01 Octo kaa wäii!!!
02 Ihre Idole Sind Lügner
03 aar… aar…. cincinnaticat
04 Uhu
05 Saudade
06 Trio Paradisoprivan
07 Kanarien Vogelnerven

Details

Octo – Facebook

Label: Krachladen Records
Vö-Termin: 03.03.2017
Spielzeit: 29:45

Copyright Cover: Krachladen Records



Über den Autor

Christopher