Review

Die Band Oceans of Slumber kommt aus Texas und kann als wahres Powerhouse bezeichnet werden. Hier agieren rundum sehr fähige Musiker mit einem Drang zu sämtlichen Genres. Ob Jazz, Soundgarden Rock, Country oder Death/Black Metal, von Oceans of Slumber wird alles berücksichtigt. Ihre neue Frontfrau bringt sogar noch mehr Individualität in das Bandgeschehen. Doch mutet man dem Hörer zu viel zu? Das nicht, aber was kann man dann von ihrem Album mit dem Namen „Winter“ erwarten?

Mit dem ersten Song fällt schon auf, dass man es hier nicht mit einer Metalkombo zu tun hat, die nach Schema F handelt. Zwar wird die neue Platte über Century Media erscheinen, aber der Stil hebt sich dennoch gewaltig von Labelkollegen ab. So startet Titeltrack „Winter“ verträumt und ruhig. Über knapp acht Minuten baut sich dieser Song mehr als grandios auf. Anfangs stehen Gesang und Gitarre im Einklang und wirken in Verbindung mit dem Bass und dem grandiosen Schlagzeug sehr besonders. Sängerin Cammie Gilbert singt mit so viel Leidenschaft und Kraft, ohne einen Schrei oder einen Brüller loszulassen. Dieser harte Cut zwischen ihr und Gitarrist Sean Gary, der für die Growls zuständig ist, sowie Keegan Kelly am Bass, der für die Highs verantwortlich ist, bringt immens viel Würze und Dynamik in die Gesangparts.

In „Devout“ holt die Band gerne auch mal die brachiale Keule heraus. Der Stilbruch ist wahnsinnig gut, denn Oceans of Slumber wissen, was sie tun. Einmal mehr wird deutlich, dass hier – wie eingangs erwähnt –  gute Musiker am Werk sind, die es verstehen, Songs zu schreiben.

Die Band spielt viel mit Atmosphäre, sodass der Gesang manchmal wie ein Led Zeppelin Song wirkt und die Hörer einlullt. Beim Tempo pendeln Oceans of Slumber ebenfalls – von Schlafmusik bis 300 BPM Black Metal. Das Gleiche gilt für den Prog-Anteil, denn hier kann die Band richtig punkten. Gleichzeitig sind sie sich für einen einfachen Rock-Part nicht zu schade.

Wer die Band schon länger verfolgt, der weiß, dass sie große Fans von Klassikern sind und gerne auch mal covern. Auf „Winter“ findet sich „Nights in White Satin“ von The Moody Blues wieder. Wie Oceans of Slumber dabei den Spannungsbogen ansteigen lassen, ist beeindruckend. Währenddessen durchlaufen sie ebenfalls wieder viele verschiedene Musikstile, die auch gerne im Metalgeballer enden.

Allgemein kann man sagen, dass die Tendenz bezüglich „Geballer“ und Balladen eher in Richtung Balladen geht. Das kann im ersten Moment abschrecken, beim Hören fällt allerdings das hohe Maß an Vielfalt ins Gewicht; beispielsweise weckt ein „Good Life“ sofort Ideen von Südafrika, „Sunlight“ wiederum lässt an Adele oder andere Popstars der Neuzeit denken – nur eben mit harter Komponente oder gerne auch mal etwas sludgig.

Oceans of Slumber (Copyright: Jeremy Pierson)

Oceans of Slumber (Copyright: Jeremy Pierson)

Wer so richtig auf die Mütze bekommen möchte, sollte sich „Prologue“ anhören, denn wer Geknüppel erwartet hat, wird hier dermaßen in den Boden gestampft, dass einen nur noch die sexy Stimme von Cammie retten kann.

Zum Abschluss wird es orchestral. „… This Road“ lebt von Stimme und Klavier. Es geht in Richtung Filmmusik – mit viel Gefühl und kraftvoller Untermalung. Wer hätte das gedacht?

Auf ein derart rundes Album, wie „Winter“ es ist, trifft man selten. Oceans of Slumber wirken wie eine Kollaboration diverser guter Musiker; zusammen meistern sie jeden Stil und sind um grandiose Arrangements bemüht. Hier sollte wirklich jeder reinhören, der mit der härteren Gangart etwas zu tun hat.

Video

Trackliste

01 Winter
02 Devout
03 Nights In White Satin
04 Lullaby
05 Laid To Rest
06 Suffer The Last Bridge
07 Good Life
08 Sunlight
09 Turpentine
10 Apologue
11 How Tall The Trees
12 … This Road
13 Grace

Details

Oceans of Slumber – Homepage
Oceans of Slumber – Facebook
Oceans of Slumber – Twitter

Label: Century Media
Vö-Termin: 04.03.2016
Spielzeit: 59:58

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Marcus
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