Review

„All Songs are written and performed by Sascha Pratnekar“. Das scheint ein Trend zu sein. Über die letzten Jahre trifft man immer mehr Solokünstler, die keine Musiker mehr zu finden scheinen (wollen) und somit im Alleingang eine ganze Platte einprügeln. Denkt man dabei an Krimh (Ex-Decapitated) oder Hannes Grossmann (Alkaloid) machen gerade die Drummer das auch auf sehr hohem Niveau. Sascha Pratnekar ist jetzt auch einer von ihnen und veröffentlicht unter dem Namen Obsidian sein Solodebüt „No Self To Sue“.

Mit „Earthly Paradise“ kommt das Album jedoch zunächst ziemlich schleppend in die Gänge. „Empty Days“ nimmt dann schon mehr Fahrt auf. Es wird postig, obwohl ich stark von einer durchgängigen Metal-Platte ausging.
Was da aus den Speakern prügelt, klingt aber ziemlich gut. Die Punk-Attitüde kann überzeugen und gibt mächtig Gas. Zum Punk gesellt sich eine ordentliche Prise Old School Thrash. Ab und an hört man auch Metallica raus. Leider finden sich auch einige Riffentgleisungen wieder, aber da sind die Geschmäcker ja verschieden.

Es sei noch einmal erwähnt, dass Sascha Pratnekar auf „No Self To Sue“ wirklich alles selbst gemacht hat. Dazu zählt auch das Artwork. Einzig das Mixen und Mastering hat er abgegeben. So gesehen eine beachtliche Leistung, wenn man zusätzlich noch bedenkt, dass er eine Metalschool betreibt.

Sein Gesang erinnert stark an Fronter Matt Heafy von Trivium. Gerade die Schreipassagen klingen richtig gut und kraftvoll.

Der Mix kommt extrem roh daher, aber hey, wir stehen doch drauf, oder? Manchmal sind die Gitarren etwas zu präsent, ab und an die Stimme zu leise, jedoch läuft das Gesamtwerk recht rund.

Und so lädt „Into Battle“ zum Kopfdrehen oder Pit starten ein. Die Nummer kann echt was; gerade durch das fixe Schlagzeug erhält „Into Battle“ einen ordentlichen Drive.

Auch „Final Stand“ kann überzeugen. Der Refrain geht schon beinahe als Hymne durch. Live wahrscheinlich ein ordentlicher Brecher.

Die Titelnummer „No Self To Sue“ kommt dann sogar etwas sludgig rüber. Herr Pratnekar ist also sehr vielseitig. Hut ab! Sein Gekeife lässt dann auch das eine oder andere Black Metal Herz höher schlagen.

Was jedoch immer wieder negativ auffällt, sind die merkwürdigen Leadgitarren, die mir im Gesicht schmerzen. Da sie nicht so häufig eingesetzt werden, kann man damit leben.

Fazit: „No Self To Sue“ ist eine gelungene Eigenproduktion. Obsidian aka Sascha Pratnekar ist musikalisch auf der Höhe mit Vorliebe zum Metal der alten Schule, im speziellen zum Thrash Metal. Hat man im Hinterkopf, dass die ganze Scheibe allein bewerkstelligt wurde, dann ist sie definitiv zu empfehlen. Wären die unschönen Soundschnitzer und merkwürdigen Riffs stellenweise nicht, könnte man das Werk sogar uneingeschränkt weiterempfehlen. So wird es bei den meisten eher ein Zufallstreffer bleiben.

Trackliste

01 Earthly Paradise
02 Empty Days
03 The Fairie’s Siege
04 Into Battle
05 Final Stand
06 No Self To Sue
07 No Ghost To Sue

Details

Obsidian – Homepage
Obsidian – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 04.05.2015
Spielzeit: 41:21

Copyright Cover: Obsidian



Über den Autor

Marcus