Review

Kennt man eine, kennt man alle – trifft nicht nur häufig auf Bands beliebter Genres zu, die nur wenig Mut beweisen, die ausgetretenen Pfade gelegentlich mal zu verlassen, sondern auch auf die Songs des aktuellen und mittlerweile achten Albums namens „Streitmacht“ von Obscurity.
Seit 20 Jahren im „Geschäft“ darf der Hörer hier also zunächst einmal keine Überraschungen oder Innovationen von den fünf Musikern erwarten, stattdessen setzt die Band auf gewohnt martialische und plakative Stücke – sowohl textlich als auch musikalisch.

Die zehn neuen Songs des Albums zeugen von ihrem typischen „Battle Metal“, der sich schon in der Songnamenwahl widerspiegelt und die Marschrichtung vorgibt. Dabei ist es jedoch erfreulich zu hören, dass Obscurity während ihres Viking Metal Rundumschlags nicht an Melodien sparen. So setzen sich zwischen Blasts und gutturalem Stimmeinsatz einige Refrains durchaus gut ins Ohr und lassen die Tatsache verschmerzen, dass ansonsten sehr simpel, dafür aber immerhin auf den Punkt agiert wird.

Was zunächst als Kritik gesehen werden kann, entpuppt sich allerdings mit den ersten Tönen des Songs „Todesengel“ als wahrlich begrüßenswert, denn kaum weicht das Quintett mit diesem Track etwas ab vom zuvor konsequent beschrittenen Weg, ist die Enttäuschung seitens der Hörer nicht weit. „Todesengel“ beweist daher, dass Obscurity mit ihrem „auf die Zwölf“-Metal einfach besser abschneiden und sich vermutlich auch deshalb in der Mehrheit der Tracks genau dafür entschieden haben.

Obscurity (Copyright: Obscurity)

Statt mit „Todesengel“ die zweite Hälfte von „Streitmacht“ somit gelungen einzuläuten, ist die Luft kurzzeitig raus und leider kann man das Ruder auch mit den weiteren Songs nicht mehr nennenswert herumreißen. Aber wie eingangs erwähnt: kennt man einen Song, kennt man alle, sodass jene Hörer, bei denen sich die Tracks schnell abnutzen, auch nicht viel verpassen, sollten sie es nicht schaffen, die gesamte Spielzeit durchzuhalten.

Solide, bewährt und mit einigen gelungenen Melodien durchzogen ebnen Obscurity ihrer „Streitmacht“ den Weg. Insgesamt ist dieses Vorgehen jedoch zu eintönig und stumpf ausgefallen. Es bleibt daher noch Luft nach oben – und für Hörer zahlreiche Alternativen an Alben von Genrekollegen.

Video

Tracklist

01 793
02 Meine Vergeltung
03 Streitmacht Bergisch Land
04 Non Serviam
05 Hinrichtung
06 Todesengel
07 Endzeit
08 Herbstfeldzüge
09 Ehre den Gefallenen
10 Was uns bleibt

Details

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Label: Trollzorn Records / Soulfood
Vö-Termin: 14.07.2017
Spielzeit: 47:39

Copyright Cover: Trollzorn



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde