Review

Unsere Neuzeit-Necrophagisten Obscura sind wieder zurück und präsentieren mit „Akróasis“ nicht nur einen neuen Sound, sondern auch ihr neues Line-up. Leider sind Hannes Grossmann an den Drums und Christian Münzner an der Gitarre nun Geschichte. Doch nicht verzagen, für Ersatz wurde gesorgt. Rafael Trujillo wurde für die Saiten ins Boot geholt. An den Drums sitzt nun niemand Geringeres als Sebastian Lanser, besser bekannt von Panzerballett und seines Zeichens ein guter Freund des Herrn Grossmann. Zufall? Für uns nicht weiter wichtig, denn es stellt sich die Frage, ob wir endlich wieder facettenreichen Technical Death Metal erwarten können.

„Sermon of the Seven Suns“ ist der erste Song der Platte. Er beginnt schön spacig und reißt ein ziemliches Death Metal Gewitter mit viel Melodie ab. Melodisch waren die Jungs ja schon immer, dabei aber auch extrem virtuos und verspielt. Das kann man sich auf „Akróasis“ fast vollkommen abschminken. Die Leistung der Musiker ist nach wie vor unübertroffen, aber wir finden hier eher straighten Death Metal in Richtung Melo Death wieder als wirklich melodischen und technischen Death Metal.
Von Drummer Sebastian ist man eigentlich auch deutlich mehr Verspieltheit gewohnt. War auf diesem Album die Prämisse „weniger ist mehr“?
Zwischen Blastbeats, coolen Doublebass-Grooves und fetzigen Skank Beats gibt es auch den einen oder anderen queren Beat, aber ansonsten kommen die Parts recht linear daher. Das ist extrem schade, denn Platten wie „Cosmogenesis“ zeigten, wie man es besser machen kann. Man könnte es nun eine natürliche Weiterentwicklung nennen, aber irgendwie fehlt etwas.

Songs wie „Ten Sepiroth“ oder „Fractal Dimension“ bringen ein wenig altes Flair auf das Album. Songs schreiben können Obscura nach wie vor. Zwar ist der Aufbau meist klassisch, aber dafür schön eingängig und nachvollziehbar. Das gilt auch für die Riffs, die schon immer richtig gut konstruiert waren. Gerade die zweistimmigen Gitarrenläufe gehen runter wie Öl.

Bassist Linus, der ebenfalls bei Alkaloid am Start ist, kann sich gekonnt durchsetzen und für einen Aha-Momente sorgen.

Wer die volle Death Metal Keule benötigt, kann sich mal „Ode to the Sun“ anhören. So etwas hat man von Obscura noch nicht gehört. Volles Death Metal Brett mit leichter Behemoth-Atmosphäre. Ziemlich geiles Teil, was nicht zuletzt auch an der ordentlichen Produktion liegt. Alle Instrumente kommen sauber durch und verenden nicht in einem Brei.

Obscura (Copyright: Christian Rogl)

Obscura (Copyright: Christian Rogl)

Frontmann Steffen ist nicht nur mit seiner Gitarre beschäftigt, sondern auch für den Gesang zuständig, der wie gehabt schönes kraftvolles Growlen und spacigen Cleangesang mit sich bringt. Seine Screams gehen immer stark in die Black Metal Richtung und bringen somit noch ein weiteres Genre in ihren eigenen Stil ein.

Was soll man nun von „Akróasis“ halten? Der Obscura-Fan könnte etwas vor den Kopf gestoßen werden; zu viel Bekanntes fehlt einfach. Zurück bleibt ein straightes Death Metal Album mit viel Melodie und wenig Verspieltheit. Wer die Band feiert und mehr ihrer alten Richtung hören möchte, sollte vielleicht mal bei Alkaloid anklopfen und sich davon berieseln lassen. Für alle anderen: Hat man dieses Album nicht gehört, verpasst man nichts.
Aber eins noch: Jungs, ihr habt alle die Haare schön!

Video

Trackliste

01 Sermon of the Seven Suns
02 The Monist
03 Akróasis
04 Ten Sepiroth
05 Ode to the Sun
06 Fractal Dimension
07 Perpetual Infinity
08 Weltseele

Details

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Label: Relapse Records
Vö-Termin: 05.02.2016
Spielzeit: 54:05

Copyright Cover: Relapse Records (Artwork Credit: Orion Landau)

 



Über den Autor

Marcus