Review

Anhand der oben zu sehenden Genrezuordnungen wird man bereits vor dem Hören der aktuellen EP „Ambition“ feststellen, dass das Projekt NRT stilistisch nur schwer fassbar ist und sich vielmehr auf vielseitige Art musikalisch auslebt. Von Dark und Synthpop über Wave-Anleihen bis hin zum Indie und Alternative Rock finden zahlreiche Stilelemente Eingang in den Sound von NRT, ein Trio, das trotz dieser Vielfalt dennoch einen roten Faden auf seiner EP zu erkennen gibt.

Einen ähnlichen Facettenreichtum fand man erst kürzlich bei dem Album „Metanoia“ von IAMX wieder und wer auf IAMX steht, der sollte auch in „Ambition“ von NRT einmal reinhören. Vor allem Songs wie „Friendship“ erinnern an die jüngsten musikalischen Ergüsse von Chris Corners Projekt IAMX.
Sowohl jenes als auch NRT vergessen bei all der stilistischen Experimentierfreudigkeit nicht die Eingängigkeit. Ist diese – zusammen mit einer hohen Emotionalität – bei IAMX deutlich ausgeprägt, kommt bei NRT aber mehr der Hang zum (Klang)Experiment zum Ausdruck. Daher wundert es auch nicht, dass einige Male auf übliche Songaufbauten verzichtet wurde und die Titel stattdessen – nennen wir es – auf kreativere Art zusammengesetzt wurden, beispielsweise indem Field-Recordings und Ambient-Sounds unvermittelt ihren Platz in einem Song finden.

Außergewöhnlich ist jedoch nicht nur die Herangehensweise in Sachen Komposition bei NRT. Auch die Gesangsstimme sticht – äußerst positiv – hervor. Dorette Gonschorek brilliert am Mikro mit einer kaum weiblich wirkenden Stimme, die es jedoch gerade aufgrund ihrer dunklen Stimmfarbe schafft, Wärme und Wohlfühlgefühl in die Songs zu stecken.

Die rockige Note in den elektrolastigen Reigen bringen schließlich die Gitarre und das Schlagzeug. Sobald insbesondere Erstere abrupt erklingt und das Electro-Gerüst ergänzt, schleicht sich eine zusätzliche Dynamik in die Tracks, die neben Electro-Fans auch Hörer mit Vorliebe für rockige Facetten mit ins Boot holt.

Nach den ersten vier Tracks „Ambition“, „Friendship“, „Quest“ und „Self-Deception“ ist jedoch bereits Schluss mit neuem eigenen Material von NRT. Die B-Seite der als Vinyl (inklusive CD, Download und Stream) erscheinenden Veröffentlichung ist geprägt von Mix-Varianten, für die sich die Bands No More und Vadot sowie Produzent Wellencocktail verantwortlich zeigen. Entsprechend ihrer jeweiligen musikalischen Heimat verpassen sie den Tracks „Memories“ und „Marching“ ihre eigene Handschrift.
Demnach ist der „Blue Space Mix“ von „Memories“ post-punkig angelegt, baut eine dichte Atmosphäre auf und sorgt mit Minimal-Electro-Einsprengseln für das gewisse Etwas.
In „Marching“ als „Mensch-Maschine Remix“ hingegen verleihen Vadot der Wave-Ausrichtung des Songs ein verstärktes Synthpop-Gewand und liefern damit sowohl einen angenehmen Ohrwurm ab, als auch eine Nummer, zu der solide die Tanzfläche gefüllt werden kann.
Im direkten Vergleich zu Vadots Interpretation des Songs „Marching“ erscheint die Fassung von Wellencocktail beinahe schon harsch. Die Synthiesounds knarzen, der Bass wummert und der Titel kommt weitaus dunkler und tragender beim Hörer an.

NRT (Copyright: Toni Heim)

NRT (Copyright: Toni Heim)

Der eingangs erwähnte Vergleich mit IAMX ist hochgegriffen, doch über weite Strecken in Bezug auf „Ambition“ durchaus stimmig. An die Meisterleistung des besagten Projekts kommen NRT jedoch (noch) nicht heran. Zwar sorgt der eigenwillige Umgang mit den unterschiedlichen Stilen für ein Aufmerken, doch gleichzeitig erreicht man nicht die stimmungsvolle Dichte, Erhabenheit und Extravanganz eines IAMX-Werkes. Auch mit unweigerlichen „Ohrwürmern“ wie „Marching“ einer ist, kann man hier nicht aufwarten. Heavy Rotations sind daher zwar mit den Songs möglich, aber nicht zwingend die Folge.

Wer jedoch auf ausgefallene Songarrangements und Stilexperimente steht, der sollte sich „Ambition“ einmal zu Gemüte führen, denn erfrischend innovativ gehen NRT in bekannten Genres zu Werke und kombinieren daraus einzelne Eigenheiten zu einem neuen Sound. Electro oder Synthpop 2.0 könnte man es nennen, was die MusikerInnen Daniel Fasold, Petra Franetzki und Dorette Gonschorek hier fabrizieren.

Video

Tracklist

01 Ambition
02 Friendship
03 Quest
04 Self-Deception
05 Memories (Blue Space Mix by No More)
06 Marching (Repeat-Mix by Wellencocktail)
07 Marching (Mensch-Maschine Remix by Vadot)

Details

NRT – Homepage
NRT – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 05.02.2016
Spielzeit: 33:57

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde