Review

Düsterelektronische Popmusik produzieren Nova-Spes schon seit 2000. Ihr nunmehr viertes Album aus dem Hause Danse Macabre, wo sie seit 2011 unter Vertrag stehen, liegt seit März dieses Jahres vor. Mit „A Dog And His Boy“ bieten Mastermind Matthias Hübner, Peter Walter und Maik Männel Synthpop für tanzbares easylistening.

Mit dem Intro „Who Will Protect Us From Lord“ setzen Nova-Spes die Latte ziemlich hoch: Orientalisch anmutender Gesang, der verzerrt fremdartig fasziniert; eine sonore Männerstimme und monophone Synthies akkumulieren sich zu einem Klanggebilde, das durch urban-philosophische Schlagworte verdichtet wird, um sich im melancholischen „lord is protecting us but who will protect us from lord“ aufzulösen.

Derart ambitioniert kommt der etwas holprig betitelte zweite Track „In The Main You Are Yourself“ als Steigerung mit düsteren Drums und mehrlagigen Synthiemelodien daher. Hübners monotoner Gesang transportiert die passende Portion Selbstzweifel in Zeilen wie „we are wrong, why we don’t know“ bis man unbemerkt im Flow mitschwingt und „we don’t know why“ mitsingt.

Bis hierher servieren Nova-Spes spannenden Synthiepop mit Grauzonen, die sich erst im Folgenden zu fragwürdigen Momenten herauskristallisieren: Schon Song Nummer drei, „At The Set Of The Sun“, schafft es mit seinem schwerfälligen Englisch nicht, die Erwartungen nach dem grandiosen Start zu erfüllen und ist trotz eingängiger Drums und Melodien eher zurückhaltend und im Spannungsaufbau nicht konsequent.
Das folgende „Alive“ wirkt mit seinen Midi-Melodien sehr redundant, schafft es aber immerhin in seinen sechs Minuten halbwegs vielschichtig zu wirken und den Hörer damit klangvoll bei der Stange zu halten.
Dagegen zweifelt man bei „Destroy“ ernsthaft an den stimmlichen Qualitäten, wird dann aber mit einem aggressiven, fast hellektronischen „we want to be alive“ abgelenkt.

Das ist wiederum leider nicht von Dauer, denn schon bei „We Are The Light“ langweilt man sich langsam bei den immer ins gleiche Tanzbein drücken wollenden Beats. Die Samples schaffen in dieser kognitiven Achterbahnfahrt wieder keine große Höhen und die kreativen Ergüsse „We are the dark we are the light“, die sich über das ausgetretene „we are the love we are the hate“ bis zu einem „we are we are we are we are“ steigern, lassen im Gegensatz zu vorherigen Werken wie „Todeszeit“ („Pripyat“, 2011) deutlich zu wünschen übrig.

Einzig „Understanding“ scheint als Stück in sich stimmig zu sein. Die gesangliche Monotonie passt zur synthiegrauen Melodie und schafft eine angespannte Stimmung, die an Verzweiflung kratzt. Der Spannungsaufbau passt, der Song verhallt in Resignation und schafft es auf die Liste der Anspieltipps.

Skippen möchte man hingegen beim kratzigen „calling for you“ des nächsten Stücks, das mit seinen experimentell wirkenden Synthies zwar futurepoppig klingt, durch die antipathische Intonation aber nicht fesseln kann.
Der Tiefpunkt der Achterbahnfahrt sei mit einem müden „yeaaah“ aus „Two Parts“ zitiert.

„Give Me A Second“ fängt die Stimmung wieder mit zarten Synthiemelodien und gefälligen Beats, auch die Klangqualitäten der zugegebenermaßen nicht so durchsichtigen Vocals sind hier wieder besser und der mit sieben Minuten längste Track des Albums plätschert kurzweilig vor sich hin.

Auf der Zielgeraden legen Nova-Spes zum Endspurt an, „Fascist Pig“ hätte ein politisch motivierter Floorfiller werden können, würde der Text nicht in Plattitüden und das Klanggerüst in Monophonie versacken.

Nova-Spes (Copyright: Nova-Spes)

Nova-Spes (Copyright: Nova-Spes)

Geradezu überraschend ist in dieser Hinsicht der Schlusstrack „What Do You Want From Me?“, der mit zweieinhalb Minuten leider einer der kürzesten Tracks ist und mit einer aggressiven Kinderstimme den Babybonus neu definiert. Harsch elektronisch bleibt dieser Song im Gehör und man fragt sich, warum nicht mehr auf diesem u.a. als Hellectro beworbenen Album derart produziert wurde.

Sehr durchwachsen präsentiert sich hier also ein Stück Schaffensgeschichte von erfahrenen Musikern, das leider keine durchgängig anspruchsvolle oder sonst wie künstlerisch oder inhaltlich fesselnde Mehrdimensionalität wie andere Genrevertreter schafft. Mit der maximal seicht angerissenen Gesellschaftskritik schippern Nova-Spes in bekannten Synthpopgewässern, statt nochmals (vgl. „Leben ist Krieg“) in andere Gefilde vorzustoßen und limitieren sich damit selbst, statt ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Video

Tracklist

01 Who Will Protect Us From Lord
02 In The Main You Are Yourself
03 At The Set Of The Sun
04 Alive
05 Destroy
06 We Are The Light
07 Understanding
08 You As You Are
09 Two Parts
10 Give Me A Second
11 We Stand Together
12 Fascist Pig
13 What Do You Want From Me?

Details

Nova-Spes – Homepage
Nova-Spes – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 55:13

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Maria
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Tunichtgut von Welt