Review

Singer / Songwriter laden die Hörer mit ihrer Musik zur Flucht aus dem Alltag und oft auch zu dessen Entschleunigung ein. Mit seinem Debütalbum „Im Blauen bleiben“ möchte nun auch Musiker Norman Young aus Berlin seinen Beitrag dazu leisten.

In seinen elf Songs greift er Sehnsüchte auf, spielt mit ihnen in teils poetischer Art und Weise, erzählt vom Aufbrechen und Ankommen und bietet dem Konsumenten etwas, das er für sich mitnehmen kann, sobald das Album sein Ende erreicht hat.
Doch nicht immer macht es Norman Young den Hörern leicht, Zugang zu den Texten und Aussagen zu finden. So ist beispielsweise der Song „Außen Sicht Innen“ solange plausibel und sinnvoll, bis er abschließt mit den Worten „Und zum Schluss bleibt nur eine Frage offen: Werd ich’s hier jemals ohne Vollbart schaffen?“. Diese scheinbar vom Kontext unabhängige Fragestellung will sich mir auch nach mehrmaligem Hören nicht erschließen, allerdings reimt sie sich und vielleicht ist dies der einzige Sinn. Wie dem auch sei, diese und einige Stellen mehr wirken recht gezwungen und eher irgendwelchen grammatikalischen Strukturen oder künstlerischen Freiheiten geschuldet und werden vermutlich nur bei Fans des Musikers oder extremen Freigeistern auf Zuspruch stoßen und Sinn machen.

Kommen wir zur Musik. Genretypisch begleitet sich der Musiker auf einer Akustikgitarre. „Im Blauen bleiben“ fällt somit sehr unaufdringlich und ruhig aus und lässt genügend Raum, um sich in Texte und Musik fallen zu lassen. Gleichzeitig bietet Norman Young auf seinem Debüt nicht sehr viel Neues, Kreatives oder gar Unerwartetes, was zwar auch nicht nötig ist, „Im Blauen bleiben“ allerdings dadurch auch sehr austauschbar macht und eventuell in der Masse an Singer/Songwriter-Material untergehen lässt.

Norman Young (Copyright: Norman Young)

Norman Young (Copyright: Norman Young)

Auch der Gesang kann das Album nicht vor dem zu schnellen Vergessen retten. Norman Young klingt solide, kann mit seiner Leistung jedoch nur selten den Hörer tatsächlich packen, geschweige denn berühren. Schade, denn damit wird oftmals die Intention eines Textes nicht auf gesangliche Weise an den Hörer transportiert; Emotionen bleiben aus, „Im Blauen bleiben“ verkommt ein wenig zur Hintergrundbeschallung.

Gut gelingt Norman Young hingegen der Wechsel zwischen lauten und leisen Tönen. Dies tut dem Album wiederum gut.

Wer sich für Singer/Songwriter-Veröffentlichungen begeistern kann, der sollte auch dem Berliner einmal Gehör schenken. Ob sein Erstwerk „Im Blauen bleiben“ dann seine wiederholten Runden im Player dreht oder aber im Regal einen Platz findet, bleibt abzuwarten, denn die Fülle an Veröffentlichungen in diesem Genre reißt nicht ab und ist qualitativ oftmals so hochwertig, dass einige Künstler in diesem Bereich eher eine Randerscheinung bleiben.

Video

Tracklist

01 Du findest was
02 Zeit der feinen Töne
03 Außen Sicht Innen
04 Spätsommer in B
05 Im Blauen bleiben
06 Ein Boot gebaut
07 Ein Tag im All
08 Ein Gedicht gefunden
09 Valentina
10 Sehnsucht
11 Irgend

Details

Norman Young – Homepage

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 23.01.2015
Spielzeit: 40:24

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde