Review

Für ihr neues Album „Batteri“ haben Nihiling ihrem Sound zwei verschiedene Gesichter verpasst; im Großen und Ganzen immer noch Post-Rock, aber allein durch die Umsetzung differenzieren sich die beiden Albumhälften sehr stark. Außerdem wird man recht schnell erkennen, dass die Band in ihre aktuelle Musik noch mehr eigenen Charakter eingebracht hat.

Das Konzept einer Platte, auf der man sich stilistisch zu jeder Hälfte anders verhält, ist sicherlich nichts Neues, aber bei Nihiling ist es die Umsetzung, die zählt. Während man mit den ersten vier Songs viel mehr in Richtung Indie-Rock geht, holen Nihiling ihre Hörer mit der zweiten Hälfte zurück auf den Boden, um dort buchstäblich neue Seiten aufzuziehen.

Auch die Songreihenfolge ist gut gewählt, denn bereits mit „Ottersong“ wird der Hörer direkt in die musikalische Idee der Jungs und Mädels hineingezogen. Beachtlich dabei ist, dass instrumental immer noch ein gewisser Anflug von Post bzw. Progressive Rock bewahrt wurde, wobei sich beispielsweise die Riffs viel catchiger gestalten, um auf den Einfluss des Indie-Rock zurückzukommen.

Der darauffolgende Titel „Power Rangers“ lässt dann diese anfängliche Idee Wirklichkeit werden. Der gelungene Einsatz zweier Stile, die an sich in verschiedene Richtungen gehen, geht hier voll auf. Die Melodien harmonieren mit der Rhythmik und den variierenden Mustern.

Apropos Rhythmik, die Drums spielen auf „Batteri“ – und allgemein für das restliche Zusammenspiel der Band – eine entscheidende Rolle. Das stetige Ändern des Rhythmus‘ belebt nicht nur den Sound, es sorgt sogar dafür, dass sich Titel im Verlauf weiterentwickeln, während sich der Rest der Band mit Bass und Gitarre darauf einstellt.

Genauso wichtig ist der Gesang. Ohne ihn würden sicherlich nicht alle Songs so in den Ohren hängen bleiben, wie sie es im Endeffekt tun. Aber auch hier belassen Nihiling es nicht bei der Norm. Da man auf verschiedene Organe zurückgreifen kann, zählt auch hier die Variation und so wie sich dabei der Ball hin und her gespielt wird, ist es kein Wunder, dass alles zusammen ein harmonisches Ergebnis ergibt.

Nihiling (Copyright: Nihiling)

Beim zweiten Teil der Platte halten Nihiling sich zunächst merklich zurück. Vielmehr zeigen die ersten beiden Titel die Experimentierfreudigkeit der Band, unter anderem auch durch den Einsatz elektronischer Sounds, die recht ungewöhnlich im Vergleich zum Vorhergegangenen wirken.

Aber erst mit „Idiot“ treten Nihiling sämtliche Türen ein. Der Ton wird rauer, die Gitarren verzerrter und die Drums brechen auf den Punkt genau hervor. Zu Beginn mag das vielleicht etwas wenig wirken, aber besonders die zweite Hälfte von „Batteri“ ist jene, mit welcher man sich etwas Zeit lassen muss.

Ansonsten läuft hier alles rund: Ausgewogenes Songwriting mit längeren Passagen, die stets Spaß machen, und einer musikalischen Attitüde, die zu keiner Zeit vorhersehbar ist. Muss man einfach gehört haben!

Video

Trackliste

01 Ottersong
02 Power Rangers
03 Lungs
04 Rope
05 Prey
06 Cellardoor
07 Idiot
08 Funeral

Details

Nihiling – Facebook

Label: Kapitän Platte
Vö-Termin: 05.05.2017
Spielzeit: 53:59

Copyright Cover: Kapitän Platte



Über den Autor

Christopher