Review

Jeder von uns kennt sie – Alpträume. Woher kommen sie, wie entstehen sie und warum lassen sie uns nicht in Ruhe?
Alpträume ziehen uns in die Tiefe. Kein Entkommen möglich, keiner, der uns hilft und doch überstehen wir diese Erfahrungen meinst unbeschadet. Als Kind sind sie blanker Horror, als Erwachsener wissen wir sie zu händeln.

Auch bei Nightmarer sind Albtraumwelten an der Tagesordnung.
Das hochkarätige Trio besteht aus ehemaligen Mitgliedern von WFAHM und Gigan. Den Hörern sind Paul und Simon als Dissonanz-Götter bekannt, während Fronter John Collett an seiner monsterartigen Stimme zu erkennen ist. Daher hätten sich keine passenderen Musiker mit der gleichen Vision treffen können.

„Chasm“ heißt ihr Horrorwerk, das trotz des Bandnamens nicht der klassischen Horrormusik zuzuordnen ist.
Grundlegend finden wir einen Mix aus Black und Death Metal mit Grindcore-Elementen wieder.

Noch dazu sind die Jungs Vinyl-Fans, weshalb „Chasm“ als einseitige 10″ auf den Markt kommt; natürlich inklusive Downloadlink, aber dennoch ziemlich retro in Anbetracht ihrer brachialen Musikrichtung.

Bereits zu Beginn schreckt die Länge der EP ab, denn „Chasm“ wartet nur mit zwei Songs auf. Nach knapp acht Minuten ist das Hörvergnügen somit schon beendet.
Doch vor dem Ende steht der Anfang, und so startet der erste Song „Vessel of Nausea“ blastig und derbe dissonant in die EP.

Deutlich merkt man den Jungs ihre musikalische Vergangenheit an. Wer sich jedoch nach WFAHM sehnt, der bleibe erst einmal auf dem Teppich, denn Nightmarer sind anders. Zwar nutzen sie die klassischen Elemente der Vorgängerband (Chaos und dissonante Death Metal Sounds), dennoch geben sich Nightmarer deutlich tiefer und wollen scheinbar in die Psyche der Hörer eindringen.

Nach dem chaotischen Teil wird es endlich groovig, eine der großen Stärken der Band.
John pflügt sich mit tiefen Growls durch den Track, er hätte jedoch noch etwas präsenter sein können, klingt er doch eher hintergründig, was bei dem Gesamtsound schon etwas hinderlich ist.
Gleiches gilt für den Sound der Band, denn selten, aber hier und da überlagert sich jener und dies wirkt nicht chaotisch strukturiert, sondern chaotisch undurchsichtig.
Der Einsatz von gelegentlichen Samples zum Kreieren der tiefen Stimmung, oder aber das minimalistische Gitarrenspiel funktionieren sehr gut und sorgen für Spannung.
Dass Paul ein grandioser Schlagzeuger ist, muss nicht explizit erwähnt werden, seine blitzschnellen Wechsel zwischen Bomb-Blast und dem Regular-Blast sind einfach der blanke Wahnsinn. Dazu gesellen sich minimalistische Fills in Verbindung mit derben Doublebassgewittern.
Simon führt hingegen seine bekannte Linie perfekt weiter, indem tiefe Chuc Chuc Gitarrensounds auf Dissonanz treffen. Solche konsequenten Konzepte benötigt die Musikszene deutlich mehr.

Letztlich laden die lässigen Grooveparts trotz angespannter Atmosphäre zum Mitwippen ein und mit dem Einstieg geht schon einmal ordentlich die Post ab.

Nightmarer (Copyright: Justina Villanueva)

Nightmarer (Copyright: Justina Villanueva)

„Ceremony Of Control“ heißt dann der zweite Track. Es bleibt keine Zeit, man fiebert scheinbar dem Ende entgegen, weshalb sofort mit schnellen Riffs und derben Blastbeats in den Song eingestiegen wird. Paul gibt kurz ein paar Schläge vor, um das kommende Gewitter einzuläuten, bei dem sich John anschließend die Seele aus dem Leib growlt. Nightmarer sind in ihrem zweiten Song deutlich grooviger und lassen Paul den Track führen. Das Schlagzeug ist daher der dominante Part in diesem Track, nimmt sich zwischenzeitlich aber auch mal zurück und lässt Bass und Becken sprechen. Dadurch bekommt der Song eine ungeahnte Macht und der Hörer beängstigendes Kopfkino. Simon stellt wiederum das Grundgerüst des Songs. Durch die Wiederholung seiner Riffs entsteht der Eindruck eines Sogs.

Nightmarer haben mit ihrer EP „Chasm“ einen absoluten Kracher kreiert. Das Albtraum-Thema wurde derart klasse aufgegriffen, dass man sich fragt, warum nur zwei Tracks präsentiert wurden, denn leider hat man sich daran schnell sattgehört und will mehr.

Fans von WFAHM müssen hier dennoch zugreifen, es führt kein Weg daran vorbei.

Trailer

Trackliste

01 Vessel Of Nausea
02 Ceremony Of Control

Details

Nightmarer – Homepage
Nightmarer – Facebook

Label: Moment Of Collapse Records
Vö-Termin: 08.07.2016
Spielzeit: 07:14

Copyright Cover: Moment Of Collapse Records



Über den Autor

Marcus
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