Review

Ein von Hieronymus Bosch inspiriertes Artwork als Cover, das den Sound von Ni nicht hätte besser beschreiben können. Ein Wirrwarr aus Klängen, verzweigten Rhythmen und ein frei schwebender Geist. „Les Insurgés de Romilly“ ist bereits die dritte Platte der Franzosen, auf der sie erneut ihren progressiven und experimentellen Stil zum Ausdruck bringen.

Von einer rein instrumentalen Band zu sprechen wäre hierbei wohl doch zu weit gegriffen, da Ni es sich nicht verkneifen können, ab und zu Geräusche oder Samples von sich zu geben. Das bringt die Platte, da sie deutlich auf die Instrumente fokussiert ist, zwar nicht wirklich weiter, ist aber ein unterhaltsames Detail. Aber abgesehen davon: ist man beim französischen Gesangs-Sample des ersten Songs kaum zehn Sekunden drin, klatscht einem die Band sofort ihre Riffs ins Gesicht. Und gleich kommen die ruckartigen Rhythmen zum Vorschein, die sich ab sofort durch das gesamte Album ziehen.

Aber obwohl Ni es darauf angelegt haben, die Gehörgänge zu verdrehen und lang zu ziehen, überzeugen die Jungs durch abwechselnde Stile und Riff-Variationen. Nehmen wir beispielsweise den Song „Cuistre“ der durch einen funkigen Slap-Bass und groovige Drums sehr progressiv agiert. Ebenso nimmt sich die Band immer wieder Zeit für entschleunigte Passagen, die sie mit gedämpften Saiten und Effekten des Schlagzeugs gut ausfüllt.

Dennoch wird auf „Les Insurgés de Romilly“ auch in Songs wie „Butro“ ordentlich draufgehauen. Empfangen wird man erneut von tonnenschweren Riffs über zerhacktem Rhythmus. „Marpaud“ bringt dann verstärkt die experimentelle Math Rock Seite von Ni zum Vorschein sowie ebenfalls eine verspielte, die sie durch Riffs in höherer Lage ausleben.

Auf diesem Album wird man mit akustischer Reizüberflutung nur so zugeschüttet, ganz zu schweigen von dem Krach, der das Ganze begleitet. Hier macht sich auch der einzige Kritikpunkt bemerkbar, da es schwerfällt sich mental an den Songs festhalten zu können. Es bricht eben irgendwie alles auf einmal über einem zusammen. Was dieses Erlebnis aber durchaus hörbar macht, ist die Art und Weise, wie Ni ihre Titel abwechslungsreich gestalten und dabei auf ihre musikalischen Fähigkeiten zurückgreifen.

Ni (Copyright: Ni)

Ni (Copyright: Ni)

Es gibt so viel, was auf „Les Insurgés de Romilly“ zusammenkommt. Die energetische Spielweise à la The Dillinger Escape Plan für die Portion Adrenalin und stellenweise auch das Spielen mit Tempo und Riffs, wie man es von PsyOpus kennt. Allen voran eine Wandelbarkeit, wie sie auch Primus an den Tag legt. Ni überzeugen mit einem Sound, der weit bis in die Extreme hineinreicht, aber welchen sie auch oft genug zurückholen. Und werden die Bünde dann einmal nicht rauf und runter gespielt, entspannt man sich in psychedelischen Breaks.

„Les Insurgés de Romilly“ ist eine durchaus gelungene Veröffentlichung. Und definitiv für jene, die es etwas derber und abgefahrener mögen. Gepaart mit viel Abwechslung und Ideen, die die Titel immer wieder frisch und neu schmücken. Auch wenn es schwerfällt, etwas zu behalten, gibt es genug Momente auf diesem Album, in denen Ni wirklich gut aufgehen und auch ein paar innovative Ansätze für sich beanspruchen können.

Die Platte reißt den Hörer jedenfalls von Beginn an mit und lässt ihn bis zum Schluss auch nicht los. Zunächst mag es schwere Kost für die Ohren sein, aber im Laufe der CD gewöhnt man sich an den verqueren Weg, den Ni für ihren Sound gewählt haben.

Video

Trackliste

01 Bouif
02 Cuistre
03 Rodomont
04 Butor
05 Marpaud
06 Flaquadin
07 Gringuenaudes
08 Torfesor

Details

Ni – Homepage
Ni – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 00.04.2015
Spielzeit: 1:13:49

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher