Review

Es gibt Bands, da denkt der Rezensent bereits mit Grauen an eine etwaige neue Veröffentlichung, während noch über das aktuelle Release geschrieben wird. Und dann gibt es Bands wie NeverKnow, die mit ihrer Debüt-EP „Made of Glass“ derart gut vorgelegt haben, dass die Neugier auf weiteres Material mehr als geweckt ist.

Das servieren die vier Kölner nun mit einer zweiten EP, die auf den Namen „Ides of March“ getauft wurde. Jene steht mit ihren fünf Tracks dem Vorgänger in nichts nach, sondern zeigt vielmehr, dass NeverKnow sich zu steigern imstande sind.

Die typischen NeverKnow-Zutaten präsentiert das Quartett schon im Opener „Overcome“, zu dem auch das erste offizielle Musikvideo in der noch relativ jungen Bandgeschichte veröffentlicht wurde. Es ist vor allem die Kombination aus metallischer Härte und eingängiger Melodik, die das Songwriting von NeverKnow prägt und dafür sorgt, dass „Overcome“ sowie die weiteren Titel umgehend zünden. Statt auf radiotaugliche Längen zu setzen, nimmt sich die Band außerdem Zeit, um zwischen ruhigeren und treibenden Parts zu wechseln, hardcoreartige Shouts und Breaks inklusive. Damit katapultieren sie ihre Interpretation des Heavy Rock auf eine neue Stufe und verleihen dem angestaubt wirkenden Genre reichlich Frische.

Zum modernen Touch der Musik trägt zusätzlich die druckvolle, klare Produktion bei, welche die satten Gitarren, das energetische Drumming und den tragenden Gesang gleichberechtigt und effektiv in Szene setzt.

Jenes kommt ebenfalls gut im Folgesong „Enemy“ zum Ausdruck, der die Eröffnung der EP noch zu toppen weiß. Eine Spur Aggressivität sorgt für die Durchschlagskraft des Tracks, der auch nach mehrmaligem Hören nichts an Spannung einbüßt. Entsprechend passt die kratzig-raue Gesangsstimme zum Gesamtklangbild des Songs. Neben all der Härte verlieren NeverKnow nicht den Fokus auf die Eingängigkeit aus den Augen, sodass „Enemy“ prädestiniert ist für eine Dauerbeschallung.

NeverKnow (Copyright: NeverKnow)

NeverKnow (Copyright: NeverKnow)

Abwechslungsreich geht es im Folgenden weiter, allerdings bleiben Überraschungsmomente aus. Solide greifen NeverKnow in „Tempest“ und „Violator“ auf ihre bisher bewährten Qualitäten zurück, unterhalten den Hörer damit gut, verpassen es aber, weitere Highlights zu setzen. Erst mit dem balladeske Züge aufweisenden „Mirror Mirror“ beweist die Band erneut, dass mehr Kreativität in ihnen steckt.

Obschon ein Album auch 2016 noch auf sich warten lässt, machen NeverKnow mit „Ides of March“ deutlich, dass mit ihnen definitiv zu rechnen ist. Sie verstehen es, das Interesse des Hörers an ihrer Musik aufrechtzuerhalten und schüren einmal mehr die Neugier sowie die Erwartungen auf das, was da noch kommen mag. Gleichsam sorgen die energiegeladenen Titel des aktuellen Silberlings dafür, die Band einmal live erleben zu wollen, denn ihre Power, Spielfreude und Dynamik zeugen vom Livepotenzial der Stücke.

Video

Tracklist

01 Overcome
02 Enemy
03 Tempest
04 Violator
05 Mirror Mirror

Details

NeverKnow – Homepage
NeverKnow – Facebook

Label: Artistfy
Vö-Termin: 15.10.2016
Spielzeit: 23:40

Copyright Cover: Artistfy



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde