Review

Nevaria aus Bavaria

Was sich reimt, ist gut? Den Beweis soll im Folgenden die Band Nevaria aus Bayreuth mit ihrem elf Songs umfassenden Debütalbum „Finally Free“ antreten.

Das Quintett rund um Frontfrau Tanja Schneider hat sich – die Besetzung legt es eventuell schon nahe – dem female fronted Symphonic Metal verschrieben. Ein Genre, das nicht selten von Bands beackert wird. So dürfte es schwer sein, das Rad hier neu zu erfinden – oder wie im Infoschreiben steht, eine eigene „Version von eingängigem Female Fronted Symphonic Melodic Metal Wirklichkeit werden zu lassen“.

Die Songs

Die Eröffnung gelingt Nevaria mit dem Opener „Life“ aber schon mal sehr gut. Der auch als Single fungierende Track gibt sich stark Rhythmus orientiert, liefert sowohl einen energischen Refrain als auch einen flotteren Instrumentalteil inklusive Gitarrensolo und dezenter Keyboardarrangements und entpuppt sich letztlich als typischer Genre-Song, der gut ins Ohr geht.

Ebenso eingängig zeigt sich der anschließende und gleichzeitige Titeltrack. Mit vordergründigen Keyboardmelodien ausgestattet, fällt zudem der sehr hoch gesungene Refrain auf.

Wieder klavierdominiert folgt „Wind“, der erstmals eine ruhigere, beinahe schon melancholische Seite der Band präsentiert. Getragene Strophen und ein schöner Wechselgesang im Refrain stechen dabei besonders hervor.

Aus dem musikalischen Rahmen des Albums fällt dann „Raise Your Fist“ heraus. Die Bandshouts im Refrain tragen zur kernigen Wirkung des Songs bei, der ansonsten überraschend wenig Melodiestärke aufweist.

Für eine Überraschung sorgt außerdem „Leaving You“. Melodisch und eindringlich als solches, verleihen Male-Gesangparts dem Titel das gewisse Etwas.

Mit „Drowning“ und „No Mercy“ schließen sich solide Titel an, denen es aber an Highlights und Raffinessen fehlt. Dieses Schicksal teilen auch die beiden Tracks „Deserve Honesty“ und „Anyway“.
Nicht nur in „Drowning“ fällt zudem die immer gleiche Tonlage der Leadstimme Schneiders negativ auf.
Insgesamt wirkt ihr Gesang auf Albumlänge zu wenig variabel und stets sehr hell. Dadurch mag es für den einen oder anderen Hörer anstrengend sein, die Gesamtspielzeit von ca. 47 Minuten am Stück zu hören.

Nevaria (Copyright: Gregor Zimmermann; www.uzziel.de)

Wenngleich abwechslungsreich, aber ebenfalls partiell anstrengend zu hören ist „Black & White“. Nach einem akustischen Beginn setzt die gesamte Instrumentierung ein. Auch auf Bandshouts muss man hier abermals nicht verzichten.

Fazit

Nach einem starken Beginn flacht das Interesse der Hörer an „Finally Free“ zunehmend ab. Vermehrt tummeln sich die Songs im durchschnittlichen Bereich; die Band versäumt es, Highlights und „Raffinessen“ in ihre Musik und Arrangements zu setzen, um bei den Hörern mit ihren Songs in Erinnerung zu bleiben. Abhilfe hätte diesbezüglich eventuell auch verschaffen können, wenn nicht die Mehrheit der Songs von Klaviermelodien dominiert worden wäre.

Darüber hinaus weisen Nevaria nur wenig bis (noch) keine Alleinstellungsmerkmale im Genre auf. Das kann, sollte und wird sich aufgrund der Erfahrung der Band bei einem zweiten Album ändern. Bis dahin bleiben Nevaria eine Alternative für zwischendurch, jedoch noch kein dringendes Must-hear für Genre-Fans.

Anspieltipps
Life | Finally Free | Wind | Leaving You

 

Video

Tracklist

01 Life
02 Finally Free
03 Wind
04 Raise Your Fist
05 Leaving You
06 Drowning
07 No Mercy
08 Black & White
09 Control
10 Deserve Honesty
11 Anyway

Details

Nevaria – Homepage | Nevaria – Facebook | Nevaria – Twitter

Label: Dr. Music Records / recordJet / Edel
Vö-Termin: 25.10.2019
Spielzeit: 47:05

Copyright Cover: Dr. Music Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde