Review

Mit seiner Stoner-Band Conquered Mind und ihrem selbstbetitelten Album konnte Sänger und Gitarrist Jan Weitzenbürger erst kürzlich positiv auffallen und auch seine Aktivitäten in der Groove Metal-Band Killing Age sprechen für den Musiker. Darüber hinaus wandert der rau-stimmige Mann jedoch auch auf ruhigen Pfaden, denn sein weiteres Projekt namens Naked Hazelbeard widmet sich ganz dem blueslastigen Akustik Rock.

Diesen bannt man nach einer ersten EP im Jahre 2013 nun auf ein Debütalbum, das den Titel „Between The Lines“ trägt. Doch anders als der Name verheißt, gibt es bei den darauf zu findenden zwölf Songs kaum etwas zwischen den Zeilen oder gar Grenzüberschreitendes zu entdecken. Vielmehr musiziert man präzise auf den Punkt und liefert dabei wenig Schnörkel, aber gleichzeitig auch wenig Highlights.

Gemächlich plätschert „Between The Lines“ vor sich hin – dies aber insofern auf vorteilhafte Art und Weise, dass Naked Hazelbeard mit ihrem Silberling den geeigneten Soundtrack für einen langen Abend am Lagerfeuer erschaffen haben; vorausgesetzt, man kann sich mit der rauchigen Stimme Weitzenbürgers für die Dauer eines gesamten Albums anfreunden. Denn jene steht, gemeinsam mit den Akustikgitarren und begleitet von lässigen Percussions im Zentrum des Geschehens. Über die Länge von knapp 51 Minuten muss einem das schon ebenso sehr gefallen, wie der dominante Blues-Charme, der in jedem Song zum Ausdruck gebracht wird. Für ein Anhören spricht aber Weitzenbürgers Talent, seine Stimme vielseitig einzusetzen. Er beschränkt sich dabei nicht nur auf sturen Klargesang, der bei ihm aufgrund seiner Stimmfarbe oftmals gar nicht so klar wirkt, sondern variiert mit lauten und leisen Tönen und entsprechend sanfter oder aggressiver Intonation. Unterstützt wird Weitzenbürger durch die weiblichen Vocals von Bandkollegin Katharina Grohmann, die im Hintergrund genügend Dichte erzeugen, ohne den Leadgesang von seiner dominanten Position zu verdrängen. Grohmann kommt nicht in jedem Song zum Einsatz, doch wenn sie am Mikro aktiv wird, dann harmoniert ihre Stimme gut mit und Kontrast bildend zu jener von Weitzenbürger. Zudem sorgt ihr gesangliches Zutun für ein wenig mehr Abwechslung.

Naked Hazelbeard (Copyright: NAked Hazelbeard)

Naked Hazelbeard (Copyright: NAked Hazelbeard)

Insbesondere Genrefremde werden dies sehr begrüßen, denn diese könnten „Between The Lines“ ein wenig als langatmig und spannungsarm empfinden, obschon sich Naked Hazelbeard um Abwechslung bemühen. Diesbezüglich hätte sich die Band jedoch noch verstärkter öffnen können, um das Interesse an ihrer Musik bei einer breiteren Hörerschaft zu wecken. Die Grundvoraussetzungen dazu sind vorhanden, das Potenzial wird aber nicht vollkommen ausgeschöpft. So groovt „Between The Lines“, zeigt Akustik Rock von seiner besten Seite, insgesamt klingt das Album jedoch recht ähnlich und läuft Gefahr, zur Hintergrundbeschallung zu verkommen.

Freunde des gepflegten akustischen Rocks – im Übrigen in sehr gutem Sound hier präsentiert – werden diese Meinung nicht teilen, und genau jene dürfen sich der Bewertung von 3,5 Sternen gerne noch einen weiteren hinzudenken. Erwähnte Neulinge des Genres finden hier die Möglichkeit einer akustischen Auszeit vom Alltag, die in Form von einzelnen Songs durchaus überzeugt, am Stück genossen jedoch zu ermüdend wirkt.

Tracklist

01 Save me
02 In the city
03 Can’t release
04 Have to hide
05 No way to flee
06 Cave
07 Harmony
08 I wonder when
09 Standin‘ against me
10 Scoff at your chains
11 Kill my will
12 Dead inside

Details

Naked Hazelbeard – Homepage
Naked Hazelbeard – Facebook

Label: Pogodepp Records / Timezone 
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 51:05

Copyright Cover: Pogodepp Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde