Review

Die Band Nachtgreif aus Rheinland-Pfalz veröffentlicht ihr viertes Studioalbum mit dem Titel „Schattenwandler“.

Die Formation um Frontmann Thorsten Fries hatte im Jahr 2014 ihr Debütalbum „Unter Strom“ auf den Markt gebracht und ließ daraufhin die Alben „Dunkle Materie“ (2017) und „Spukhaus“ (2018) folgen. Nun soll es laut ihrem Label 7hard „gereifter, moderner und härter“ zugehen und es gesellen sich zu Metal, Gothic Rock und NDH-Klänge zudem Einflüsse aus den Hard ’n Heavy Zeiten der 80er.

Wie diese dunkel-bunte Mischung klingt, zeigen die zwölf neuen Tracks von Nachtgreif.

Die Tracks

Den Beginn macht der Titeltrack „Schattenwandler“, der mit seinen schiefen Geigentönen auch als Soundtrack für einen Horrorfilm dienen könnte. Hinzu kommen dann harte Gitarrenriffs und knallende Drums, die die Streicher begleiten. Wirkt der Titel von der Instrumentierung her noch sehr spannend, wird der Gesang bereits jetzt polarisieren. In den tiefen Parts erinnert jener eher an Sprechgesang, während die hohen Töne fast schon gequält klingen. Auch im weiteren Albumverlauf ist dies festzustellen, und es wird nicht jedem Hörer zusagen, dass gesanglich auf „Schattenwandler“ wenig Abwechslung geboten wird, sodass der Gesang in jedem Song gleich klingt.

Sein ganzes Können zeigt dafür der Gitarrist der Band in dem Song „Gebliebter Feind“. Gleich zu Beginn wartet dieser mit harten Riffs auf. Der Text wirkt indes teilweise so, als wäre er mit Ach und Krach in eine Zeile gepresst worden.

Passend zum Titel „Psycho“ gibt es neben erneuten harten Gitarren-Klängen einen verzerrten Synthesizer-Sound zu hören. Gesanglich halten sich hohe und tiefe Parts die Waage, wobei die tiefen Töne deutlich besser gefallen.

Der zunächst ruhige Sound des Titels „Rabenvögel“, eingeleitet von einem Cello und einer Akustikgitarre, wird mit unerbittlich knallenden Drums kurzzeitig ergänzt. Es bleibt atmosphärisch, indem der Gesang einsetzt, ein Klavier dabei zu hören ist, welches die Strophen begleitet, und der Refrain mit hintergründigen Streichern aufwartet.

Nachtgreif (Copyright: Nachtgreif)

Nach dieser „Ruhepause“ folgen in „Bis kein Licht mehr scheint“ abermals schräge, verzerrte Synthesizer-Klänge. Ein Gitarrensolo rundet den Titel ab. Interessant ist zudem das Wechselspiel aus Gitarre und Klavier in den Strophen.

Ein wunderschönes Klaviersolo weist dann der Beginn von „Babylon“ auf. Die Gitarre übernimmt schließlich die Melodie, bevor in den Strophen Klavier und Streicher im Vordergrund stehen. Negativ fällt dabei der Gesang auf, der nicht sonderlich gut zu dieser feinen Melodie passen will.

Ein ebenfalls sehr schönes Klaviersolo präsentiert die Einleitung von „Wenn sie kommt“. Einen gelungenen Kontrast bildet dazu das harte Intro von „Resilient“. Mit „Eisige Schönheit“, dem musikalisch besten Stück des Albums, findet „Schattenwandler“ schließlich einen gelungenen Abschluss. Und während der Gesang die Meinungen noch spaltet, wird spätestens jetzt deutlich, dass es an der Instrumentierung und an den Melodien von Nachtgreif nichts auszusetzen gibt.

Fazit

Das Album „Schattenwandler“ wird bei den Fans der Band daher sicherlich gut ankommen. Nachtgreif-Neulinge tun sich wohl jedoch mit dem Gesang etwas schwer. Doch über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Da die Songs davon abgesehen aber melodisch und instrumental gut ausfallen, sollten Genre-Freunde definitiv ein Ohr riskieren.

Video

Tracklist

01 Schattenwandler
02 Gebliebter Feind
03 Psycho
04 Rabenvögel
05 Bis kein Licht mehr scheint
06 Asche
07 Babylon
08 Tiger
09 Angst
10 Wenn sie kommt
11 Resilient
12 Eisige Schönheit

Details

Nachtgreif – Homepage | Nachtgreif – Facebook

Label: 7hard / Nova MD
Vö-Termin: 03.04.2020
Spielzeit: 56:58

Copyright Cover: 7hard



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem