Review

Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen Nachtblut noch eine sehr kleine und unbekannte Band war. Ich habe die Kombo das erste Mal bei einem kleinen Festival in Niedersachsen gesehen, welches in einem Jugendzentrum stattgefunden hat. Bereits damals war klar, dass diese Truppe für ein größeres Publikum mehr als geeignet ist.

Dies beweisen sie erneut mit ihrem mittlerweile vierten Album „Chimonas“, welches eindrucksvoll durch den Kracher „Gotteskrieger“ eröffnet wird. Bereits bei diesem Track erkennt man, dass sich Nachtblut immer noch von Eisregen inspirieren lassen, jene aber nicht kopieren. Denn Nachtblut haben einen eigenen Sound, der sich irgendwo zwischen melodischem Black Metal und Dark Metal bewegt.
„Gotteskrieger“ überzeugt durch einen klaren Sound, mächtig bösen Gesang und ein sehr spannendes – weil ruhiges – instrumentales Intermezzo gegen Ende des Tracks. Nachtblut geben Vollgas, ohne dass dieser Song schwammig klingt. Ein sehr schöner Einstieg in diese Scheibe.

Auch das folgende „Wien 1683“ weiß zu beeindrucken. Ein sehr pompöses, instrumentales Intro sorgt für Atmosphäre, die nach kurzer Zeit jäh vom harten Sound Nachtbluts durchbrochen wird. Dabei behält die Band einige melodische Elemente bei, die eine Verbindung zum Intro schaffen, sodass dieses zum ansonsten völlig anders klingenden Track passt. Der Gesang ist relativ abwechslungsreich und besteht nicht nur aus stumpfen Growls. Zudem serviert die Band einen Refrain, der nicht nur gut verständlich ist, sondern sich zudem hervorragend mitgrölen lässt, sodass dieser Titel sicherlich vor allem live eine Menge Spaß macht. Aber auch das Konsumieren zuhause kann ein Fest sein, sofern man genug Platz zum Headbangen hat, denn man kann gar nicht anders, als die Nackenmuskeln ordentlich zu strapazieren, wenn man diese geniale Nummer hört.

„Wie Gott sein“ ist so etwas wie eine Ballade, sofern man einen solchen Stil im Genre des „ultrabösen satanischen“ Metals überhaupt kennt. Fakt ist, dass Nachtblut sich von einer ruhigeren Seite zeigen. Melodien stehen im Vordergrund, die Geschwindigkeit wird gedrosselt und auch der Gesang ist bis auf wenige Ausnahmen, wo amtlich gegrowlt wird, recht klar. Doch auch diese ruhige Seite steht der Band wunderbar. Abermals überzeugen Nachtblut durch einen mehr als gelungenen Refrain, der zum Mitsingen animiert und für Stimmung sorgt. Zudem sind immer wieder interessante Sequenzen wie klösterliche Choräle integriert, die dafür sorgen, dass man diese Nummer durchaus mehrmals hören sollte, um zum einen alle Facetten zu erfassen und zum anderen „Wie Gott sein“ zu genießen. Definitiv ein Highlight dieser Scheibe.

„Märchen“ dröhnt kantig und rau aus den Boxen, lediglich im Refrain bekommt die Nummer etwas mehr Struktur. Wer genau hinhört, erkennt hier zudem eine kleine Hommage an Rammstein, die hervorragend eingebaut wurde. Doch auch in allen anderen Aspekten weiß „Märchen“ zu überzeugen. Gerade der ziemlich unkonventionelle Sound macht „Märchen“ interessant und wird auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Als Bonus hauen Nachtblut noch ein wahrlich fettes Gitarrensolo raus, welches in der zweiten Hälfte aus den Lautsprechern knallt.

Nachtblut (Copyright: Tim – Angst im Wald)

Nachtblut (Copyright: Tim – Angst im Wald)

„Chimonas“ ist der Titel- und gleichzeitig letzte Track dieses Albums. Abermals wird uns ein kleines Intro vorgesetzt, aus welchem sich der eigentliche Song hervorragend entwickelt. Im Vordergrund stehen klar die Gitarren, die ziemlich druckvoll das Geschehen dominieren. Dagegen kommen nicht einmal die gekonnt gespielten Drums an. „Chimonas“ klingt ein wenig mehr nach dem klassischen Nachtblut-Sound und wirkt insgesamt extrem aggressiv. Dennoch ist „Chimonas“ eine rundum stimmige Nummer, die den Hörer effektiv dazu verleitet, sich die ganze Scheibe einfach noch einmal anzuhören.

Nachtblut haben sich definitiv weiterentwickelt. „Chimonas“ hat nicht mehr wirklich viel mit der ersten von mir gehörten Veröffentlichung der Band („Antik“) zu tun. Dennoch ist Nachtblut sicherlich auf einem guten Weg, da sie sich mehr und mehr trauen, die Genregrenzen zu sprengen und neue musikalische Wege zu gehen. Dies kommt wirklich gut und sorgt für Abwechslung. Daher behaupte ich an dieser Stelle, dass „Chimonas“ das bisher beste Album dieser Band ist.

Video

Tracklist

01 Gotteskrieger
02 Wien 1683
03 Wie Gott sein
04 Kalt wie ein Grab
05 Und immer wenn die Nacht anbricht
06 Schwarz
07 Dort wo die Krähen im Kreise fliegen
08 Märchen
09 Töte mich
10 Chimonas

Details

Nachtblut – Homepage
Nachtblut – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 17.10.2014
Spielzeit: 49:46

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.