Review

Viele Genres bringen das eine oder andere Klischee mit sich. So auch der Dark bzw. Gothic Rock, dem sich die Band Mystigma verschrieben hat. Dass dies nicht immer negativ ausgelegt werden muss, beweist das Quartett auf ihrem aktuellen Album „Schattenboten“ und bedient sich darauf an den typischen Trademarks des Stils. Auf diese Weise trumpfen Mystigma zwar nicht unbedingt mit nennenswerten Überraschungen auf, sie erfüllen aber die Erwartungen der Hörer an die Band und ihre musikalische Ausrichtung und sorgen für einen rundum gelungenen Beitrag in dieser Musikrichtung.

Ausnahmslos auf Deutsch werden die insgesamt 14 Tracks auf „Schattenboten“ vorgetragen, die sich dadurch – und nicht zuletzt aufgrund der permanenten Eingängigkeit – umgehend und unmittelbar im Kopf der Hörer verankern und zum Mitsingen einladen. Hier spricht zudem so einiges (wie z.B. die teils vorhandenen hymnenhaften Refrains) für ein hohes Livepotenzial der Songs.

Erinnern Mystigma stellenweise an die Band Unzucht, assoziiert man den Titel „Für diesen Augenblick“ durch seine eher raue Gesangsweise sogar mit einer Truppe wie den Böhsen Onkelz. Die mal dezent und (in „Für diesen Augenblick“) mal dominanter integrierten elektronischen Zugaben sowie die typische goth-rockige Gitarrenarbeit bewahren Mystigma allerdings davor, den Fokus auf ihren Stil aus den Augen zu verlieren. Musikalisch ist auf „Schattenboten“ daher ein roter Faden zu erkennen, der abwechslungsreich in Szene gesetzt wird.

So lösen sich rockige, häufig auch äußerst metallische Nummern mit Balladen ab, während stimmungsvoll ebenfalls zwischen melancholischen, energetischen und umgehend mitreißenden Momenten gewechselt wird.
Die Melodiosität der einzelnen Stücke nutzt sich auch nach mehrmaligem Hören nicht ab, sodass „Schattenboten“ durchaus ein fester Platz in der Playlist des Konsumenten sicher sein wird.

Indem das Ganze noch hervorragend produziert wurde, lädt der klare, druckvolle Sound zum Aufdrehen der Lautstärke ein. Auch dies ein Indiz dafür, dass sich ein Konzertbesuch von Mystigma als lohnend erweisen könnte.

Mystigma (Copyright: Mia Mane Photographie)

Mystigma (Copyright: Mia Mane Photographie)

Einzig der Gesang könnte phasenweise die Meinung der Hörer teilen. Sowohl eine partiell affektiert wirkende Artikulation als auch der Eindruck einer gewissen stimmlichen Monotonie, der bei der Summe an 14 Songs doch schon mal aufkommt, stellen eine individuelle Geschmacksfrage dar. Zugutehalten muss man Mystigma allerdings, dass durch Zerrsounds, Halleffekte, zusätzliche Backingvocals und sogar weibliche Unterstützung in „Wenn alles endet“ durchaus für Variationen gesorgt wird.

Neu ist nicht immer auch gut. Und so darf man zwar nicht allzu viel Innovation mit „Schattenboten“ erwarten, dafür aber eine hervorragende Veröffentlichung, die verlässlich das Genre repräsentiert. Wer Mystigma bisher noch nicht kennt, findet mit ihrer Entdeckung eine gute Möglichkeit, sein Repertoire an derlei Bands aufzustocken. Genrefans (ge)hören hier definitiv hin!

Albumplayer

Video

Tracklist

01 Weltenbrand
02 In meinem Schatten
03 Tiefer
04 Diva Harmagedon
05 Für diesen Augenblick
06 Legenden
07 Zu Staub
08 In Asche
09 Niemand außer uns
10 Wenn alles endet
11 Deine letzte Stunde
12 Das stärkste Leid
13 Gottlos
14 Daliah

Details

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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 08.04.2016
Spielzeit: 56:48

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde