Review

Für die einen ist es ein Fall für Misheard Lyrics, für die anderen stellt das Ein-Mann-Projekt von Lars Jensen eine kleine Offenbarung im Folk Metal dar. Vor allem enthält der Bandname Myrkgrav für die Mehrheit der hiesigen Hörer jedoch vermutlich viel zu viele Konsonanten. Vokal-lastiger fällt hingegen der Titel des aktuellen Albums des Norwegers aus, der da lautet „Takk og farvel; tida er blitt ei annen“, was auf Englisch so viel bedeutet wie „Thank you and farewell; times have changed“. Mit den darauf zu findenden 14 Tracks kann der Fremdsprachenkurs beginnen, für dessen Auflockerungen immer mal wieder eingestreute Instrumentalstücke sorgen.

Diese überzeugen im Besonderen, denn während man über Sprache und Gesang eventuell noch geteilter Meinung sein kann, steht die Qualität der instrumentalen Ebene auf „Takk og farvel; tida er blitt ei annen“ außer Frage. Weder durch Sprachbarrieren noch durch gutturale Gesangparts abgelenkt, liegt dabei der Fokus deutlich auf der Musik, die ungefiltert Atmosphäre transportiert und vom Talent des Komponisten zeugt. Zwischen vier und knapp sieben Minuten angelegt, bieten diese Titel ausreichend Platz, um traditionelle Klänge, die auf einem Metal-Fundament gebettet sind, in ihrer reinsten Form unterzubringen. Um dies zu ermöglichen, greift Myrkgrav auf die Verwendung traditioneller Instrumente zurück, allen voran auf die Hardangerfiedel, ein typisches volkstümliches norwegisches Instrument. Nicht zuletzt durch die traditionelle Schlagseite der Instrumentaltracks versprühen jene nordische Melancholie par excellence.

Myrkgrav (Copyright: Lars Jensen)

In Titeln wie „Soterudsvarten“ dagegen, in denen die Extreme Metal-Nuance inklusive blackmetallischer Growls dominiert und mit Melodie- und Riff-Wiederholungen gearbeitet wird, wirkt Myrkgrav zuweilen eher eintönig und büßt auf Songlänge ebenso an Atmosphäre ein. Auch wenn die gutturalen Einschübe für die nötige Düsternis sorgen, wirkt das Konzept von Myrkgrav mit Klargesang in sich stimmiger. Positiv zu erwähnen ist diesbezüglich allerdings die recht ausgewogene Mischung aus klaren Gesangparts und Growls.

Ob man nun Norwegisch kann oder nicht, ist im Endeffekt egal, denn Myrkgrav transportiert eine gelungene Stimmung und zieht gerade dadurch alle Fans des Folk Metal in seinen Bann. Ferner untermalt die Heimatsprache des Musikers – lediglich „Skjøn jomfru“ ist zusätzlich als englische Version auf dem Album vorhanden – die Authentizität des Werkes. Und erstaunlicherweise muss man bei dem direkten Vergleich von norwegischer und englischer Fassung des Titels „Skjøn jomfru“ feststellen, dass die ursprüngliche Variante in Muttersprache sogar überzeugender und gelungener klingt. Wer sich also an fremdsprachlichen Texten nicht stört, dafür aber dem Folk Metal einiges abgewinnen kann, sollte sich „Takk og farvel; tida er blitt ei annen“ von Myrkgrav dringend zu Gemüte führen.

Video

Tracklist

01 Skjøn jomfru (Norwegian Version)
02 Vonde auer (Album Version)
03 Bakom Gyrihaugen (Instrumental)
04 Soterudsvarten
05 Om å danse bekhette (10th Anniversary Edition)
06 Spålsnatt (Instrumental)
07 Tørrhard
08 Finnkjerringa (10th Anniversary Edition)
09 Østa glette (Instrumental)
10 Sjuguttmyra (Album Version)
11 Uttjent (Album Version)
12 Tviom! (Instrumental)
13 Skjøn jomfru (English Version)
14 Takk og farvel

Details

Myrkgrav – Homepage
Myrkgrav – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 26.10.2016
Spielzeit: 59:22

Copyright Cover: Myrkgrav



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde