Review

Bereits das fünfte Album wird mit „Legacy“ von Myrath aus Tunesien veröffentlicht und hört man sich das bombastische Epos, ein Gemisch aus Progressive, Symphonic und Oriental Metal, einmal an, wundert man sich doch sehr, weshalb die meisten bislang noch nichts von dieser Band gehört haben. EarMusic hat das Talent des Quintetts jedenfalls erkannt und sie unter Vertrag genommen. Wird dem Silberling nun der Weg bereitet, der Myrath in die Riege der Bands wie Stratovarius, Serenity und Avantasia führt?

Dafür spricht vor allem der gelungene Spagat zwischen szenekompatiblen Metal und kommerzieller Tauglichkeit, die insbesondere auf die Melodiestärke der Band zurückzuführen ist. Das opulente Soundgewand von „Legacy“, das die elf Tracks mit Wucht aus den Boxen schlägt, die sinfonischen Elemente und die insgesamt komplex wirkenden Arrangements klopfen des Öfteren an die Avantasia-eske orchestrale Rockmusical-Tür an, der metallisch-melodische Schwerpunkt des Albums erinnert an Serenity und der unaufdringliche, beinahe poppige progressive Einschlag weckt Assoziationen zu Stratovarius, während die kraftvolle Produktion dafür sorgt, dass sich Myrath durchaus mit diesen Szenegrößen messen lassen können.

Mit „Believer“, „The Needle“ oder dem teils balladesken „Through Your Eyes“ wurden wahre Ohrwürmer geschaffen, die sich mit viel Druck und Dichte in die Gehörgänge fräsen – und das bereits beim ersten Hören.

Unterstützt wird dies zudem durch die passende Gesangsstimme, die für Ohr schmeichelnde Momente genau so sorgt wie für inbrünstige und leidenschaftlich vorgetragene Augenblicke.
Bis hierhin stimmt schon einmal das gesamte Konzept der Band und ihres aktuellen Werks „Legacy“.

Myrath (Copyright: Myrath)

Myrath (Copyright: Myrath)

Zusätzlich zu all dem versorgen sie Hörer und Metalszene noch mit innovativen Ansätzen, denn gemäß ihrer Heimat Tunesien integrieren Myrath immer wieder orientalische Klänge in ihre Songs. Ob gesanglich oder durch die Keys und Gitarren zum Ausdruck gebracht, hier ist die Herkunft der Band häufig sehr präsent. Eine Facette, die Myrath einzigartig macht und hervorstechen lässt, gleichzeitig auch ein Markenzeichen, das nicht jedem gefallen wird. Während die Mehrheit der Titel den orientalischen Touch als Akzent aufweist, der sich unaufdringlich in den musikalischen Kontext integriert, bildet er in einem Track wie „Nobody’s Live“ das Fundament. Wer also damit wenig oder gar nichts anfangen kann, muss mit dem Album „Legacy“ einen Kompromiss eingehen. Dies lohnt sich jedoch insofern, da – den Oriental Metal Aspekt einmal außen vor – Myrath im Progressive und vor allem Symphonic Metal Genre mit ihrem Silberling auf ganzer Linie punkten.

Eine vielversprechende Entwicklung, die die Band zu verzeichnen hat, der damit der internationale Durchbruch durchaus gelingen kann.

Video

Tracklist

01 Jasmin
02 Believer
03 Get Your Freedom Back
04 Nobody’s Lives
05 The Needle
06 Through Your Eyes
07 The Unburnt
08 I Want To Die
09 Duat
10 Endure The Silence
11 Storm Of Lies

Details

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Label: earMusic / Edel
VÖ-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 51:08

Copyright Cover: earMusic



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde