Review

Mit „Macabre Cabaret“ legen My Dying Bride bereits ein halbes Jahr nach Erscheinen ihres letzten Albums „The Ghost Of Orion“ eine nächste Veröffentlichung vor.

In Form von drei Songs walzen sich schwere Doom-Brocken voller Melancholie ihren Weg, um die Diskografie der Engländer mit dieser EP zu ergänzen.

Das Artwork ist unheimlich, die Musik düster-verführerisch und die Band scheinbar in unbändiger Höchstform. Hier passt also alles zusammen, oder nicht?

Die Songs

Der Opener und gleichzeitige Titeltrack bildet zumindest schon einmal das Mammutwerk auf der EP. Mit satten zehn Minuten nimmt der schwermütige Kollos nahezu die Hälfte der knapp 22-minütigen Spielzeit ein und macht dabei eine interessante Entwicklung durch. Schleppende Passagen, begleitet von Klargesang und dunklen Gitarren, werden von instrumentalen Sequenzen abgelöst. Melodische Parts treffen zudem auf aggressive gutturale Momente. Abwechslung wird somit geboten, doch soundtechnisch wollen die jeweiligen rau-rohen Zwischenspiele nicht ganz in das Klangbild des restlichen Titels passen. Auch wenn darauf hingearbeitet wird, stört dies ein wenig und wirkt nicht wie aus einem Guss. Inhaltlich schürft man hingegen ebenso tief, wie die Gitarren teils erklingen. Sänger Aaron Stainthorpe kommentiert dies so:

„Macabre Cabaret“ taucht tief in den Schatten der dunklen Liebe und der Folgen unkontrollierter Sexualität. Die tiefe Leidenschaft des physischen Begehrens und der alles-erobernde Rausch aus purer Liebe sind hier auf trostlose Art und Weise niedergeschrieben. Ein destruktiver Kern der Seele, welcher sich nicht zu helfen weiß, außer seinen hässlichen Kopf zu heben.

Mit „A Secret Kiss“ setzt man morbide nach, denn laut Stainthorpe ist

„A Secret Kiss“ […] die letzte und bleibende Berührung der Seele, die jeder Mensch spüren wird, ehe die Lichter um ihn herum ausgehen und nichts mehr von Bedeutung bleibt. Jede Religion spricht in diesem Bezug von einem Schattenwesen, welches zum Zeitpunkt des Dahinscheidens erscheint und die menschliche Seele erlöst, entweder führt sie sie ins ewige Reich oder erlaubt es ihr, auf alle Ewigkeit in den Äther zu fallen.

Entsprechend herrscht in diesem Song eine schaurig-schöne, aber zugleich bedrückende Stimmung vor; untermalt von verzerrten Gitarren und deren gewollten Rückkopplungen. Sehr ruhig und gemächlich und dennoch aufwühlend kreieren My Dying Bride hier eine Atmosphäre, die nicht spurlos am Hörer vorbeigeht.

My Dying Bride (Copyright: John Steel)

Den Abschluss der EP bildet „A Purse of Gold and Stars“. Eingeleitet und zunächst fast ausschließlich begleitet nur von einem Klavier vernachlässigt die Band ihre Metal-Ausrichtung zugunsten einer ruhigen, sehr reduzierten Inszenierung, die zudem auf Spoken Words setzt. So dringt der Text eher erzählend als gesungen in die Gehörgänge, während die Instrumentierung im weiteren Verlauf etwas an Dichte zunimmt. Der Spannungsaufbau kommt spät, aber er kommt, wird schließlich aber in keinem Höhepunkt aufgelöst. Stattdessen verabschieden sich My Dying Bride mit leisen Tönen von ihren Hörern.

Fazit

Und das bis zum nächsten Output oder Live-Konzert. Was auch immer als erstes folgen wird, Fakt ist, die EP „Macabre Cabaret“ eignet sich gut dafür, die Zeit bis dahin zu überbrücken. Kein Meisterwerk, aber ein schaurig-schöner Zeitvertreib.

Video

Tracklist

01 Macabre Cabaret
02 A Secret Kiss
03 A Purse of Gold and Stars

Details

My Dying Bride – Homepage | My Dying Bride – Facebook | My Dying Bride – Twitter

Label: Nuclear Blast
VÖ-Termin: 20.11.2020
Spielzeit: 21:56

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde