Review

Die kalifornische Band Mother Tongue überrascht ihre Fans mit einem Doppelalbum, welches zwei ihrer Top-Alben beinhaltet. Und so dürfen auch Neuankömmlige in den Genuss des in 2002 veröffentlichten „Streetlight“ und dem ein Jahr später folgenden „Ghost Note“ kommen. Obwohl beide Platten ihre Eigenarten haben, steht im Kern der alternative Rocksound mit vielen bluesigen Allüren.

Der Weg der Band lief nicht immer geradeaus. Nach einigen Differenzen mit dem Label und sogar einer Auflösung gingen die Jungs erst 2002 mit „Streetlight“ wieder an den Start. Dennoch stehen Mother Tongue immer noch für qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Musik, während man den catchigen Faktor nie wirklich aus den Augen verloren hat.

„Streetlight“ klingt deutlich experimenteller und stellenweise sogar düsterer als „Ghost Note“. Zwischendurch gibt es mit Songs wie „Casper“ oder „F.T.W.“ etwas mehr Noise-Rock dazu. Dazu gibt es ein paar Balladen im eigenen Stil, die weitab der generischen Abhandlungen agieren.

Für den restlichen Teil erwarten die Zuhörer griffige und erdige Riffs, die durchschlagender nicht sein könnten. Mother Tongue bringen eine Menge Blues aus ihren 90ern mit, verzieren das Ganze aber mit einem modernen Touch. Schlussendlich trägt auch der Gesang durch seine lässige Art dazu bei, dass den Hörern viele der fünfzehn Songs nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Während „Streetlight“ weitgehend fremde Einflüsse aufweist, geht es mit „Ghost Note“ so richtig in die Materie. Die Riffs werden noch catchiger und Mother Tongue nehmen etwas von ihrer Experimentierfreudigkeit aus dem Sound heraus. Kein Nachteil für das Album, da die Band jetzt genug Freiraum hat, sich auf differenzierte, aber nicht weniger zugängliche Musik zu konzentrieren.

„Ghost Note“ ist gespickt mit einfachen Strukturen, bei denen schon die Saiteninstrumente für Ohrwürmer sorgen. Wer sich mit der Band noch nicht allzu viel auseinandergesetzt hat, aber Wert auf Incubus oder Bloc Party legt, dem wird hier das Herz aufgehen. Mother Tongue ballen ihre akustische Energie und es gibt weniger Spielereien wie noch auf „Streetlight“.

Mother Tongue (Copyright: Mother Tongue)

Mother Tongue (Copyright: Mother Tongue)

Man baut immer noch auf dem Fundament aus Blues-Rock, was man auch an den Effekten auf den Gitarren und den Aufbauten der Songs erkennt. Jedoch schieben Mother Tongue immer wieder durchweg rockige Passagen dazwischen und lassen den Blues in einem Guss flüssig überlaufen. Daher wirken die Titel auf „Ghost Note“ nie zu verstaubt, sondern bringen nostalgische Freuden zum Vorschein.

Inklusive vier Bonussongs sowie weiterem Bonusmaterial wie einem Textbook ist dieses Doppelalbum nicht nur ein Muss für Fans, sondern auch für diejenigen geeignet, die es noch werden wollen. Mother Tongue liefern Facettenreichtum sowie abwechslungsreiche und vorausschauende Musik, die einfach ins Ohr geht.

Video

Trackliste

Streetlight:
01 Streetlight
02 CRMBL
03 He’s The Man
04 Future
05 Nightbirds
06 Trouble Came
07 Tides
08 Modern Man
09 Casper
10 Greed
11 F.T.W.
12 Nightmare
13 Stars
14 I’m Leaving
15 Lines Drawn

Ghost Note:
01 Dark Side Baby
02 Coming Home
03 Alien
04 The Void
05 That Man
06 The Storm
07 Missing
08 Helicopter  Moon
09 Sad Song
10 In The Night Time
11 May Day
12 Silhouette

Details

Mother Tongue – Homepage
Mother Tongue – Facebook

Label: Noisolution
Vö-Termin: 08.07.2016
Spielzeit: 45:34 (Streetlight) / 53:19 (Ghost Note)

Copyright Cover: Noisolution



Über den Autor

Christopher