Review

Mossat kommen aus Hamm. Das kennt in der Regel kaum ein Mensch, aber natürlich steht der Herkunftsort nicht in direkter Verbindung mit der musikalischen Qualität einer Band und man würde den Deathgrindern rund um Tobi definitiv Unrecht tun, wenn man sie links liegen lassen würde. Ihr Mix aus derben Death Grooves mit grindiger Punk-Attitüde und heftigen Hardcoreanleihen ist nicht nur eine explosive, sondern auch noch eine sehr gute Mischung. Mit ihrem Album „II“ können sie ganz entspannt in der oberen Liga mitspielen. Warum? Das klären wir jetzt.

Mossat vereinen, wie eingangs erwähnt, viele musikalische Stile. Death Metal, Hardcore, Grindcore und ein wenig Punk spielen auf „II“ zusammen bzw. gehen Hand in Hand. Das Intro beispielsweise hätte auch sehr gut auf einer Misery Index-Platte laufen können. Es zeigt schon zu Beginn, dass ein wenig mehr in der Band steckt, als man vermuten mag.

„Amok“ ist dann der erste Song der Platte und dient als Aushängeschild der Band. In feinster Napalm Death- oder Pig Destroyer-Manier sind die Drums schnell und der Gesang höchst aggressiv. Der Gitarrensound kommt zwar etwas dumpf daher, aber im Gesamtbild gliedern sich die Sechssaiter wunderbar ein.

Obwohl die Produktion etwas Dreck mit sich bringt, sind alle Instrumente präsent.
Mossat sind sich zudem für einen netten kleinen Groove nicht zu schade und so startet „Witch“ mit einem ziemlichen Brecher durch. Spätestens hier wird klar, dass die Band eher auf schnelle Songs steht. Der Großteil spielt sich unter zwei Minuten ab.

Sehr zu empfehlen ist der Song „Turncoat“, der vor Groove nur so strotzt, dank minimalem Melodiehintergrund an Tiefe gewinnt und zum Ende hin ziemlich ausbricht. Gerade die letzten zehn Sekunden sind sehr intensiv.
Manchmal sind aber die nicht vorhandenen Übergänge etwas stressig. Ist man jetzt noch im selben Song oder schon einen Titel weiter? Die Wechsel kommen prägnant, aber musikalisch nicht immer reibungslos daher.

Titeltrack „II“ könnte schon fast als Epos durchgehen, zumindest für diese Band. Der Track ist schön tief und komplett instrumental. Eher ein langsamer Walzer, der mit ein wenig Raffinesse hier und da aufwarten kann. Der Song passt zum Gesamtbild: harte Schale, aber weicher Kern.

„Pestilence“ wiederum läuft nicht mal 60 Sekunden und kann dennoch mit seiner intensiven Black Metal-Note überzeugen. Hat man das Gewitter überstanden, ist „Drown“ der Breakdown-Hammer, der gerne am Ende eines Tracks laufen könnte. Hier bildet er einen ganzen Song.

Mossat (Copyright: Mossat)

Mossat (Copyright: Mossat)

Die Jungs sind sehr facettenreich. Ihr umfänglicher Mix aus diversen Stilen ist beeindruckend und funktioniert. Doch die Länge der Tracks vermiest den Hörgenuss ein wenig. Bei so viel Potenzial wären viel kraftvollere Landschaften möglich gewesen. Wären sie beim Naplam Death-Thema geblieben, hätte man nicht meckern können, aber so ist einfach noch Luft nach oben.

Mossat machen dennoch richtig Spaß. „II“ ist eine solide Platte mit viel Inhalt bei superkurzen Tracks. Die Band hat was auf dem Kasten und zeigt Muskeln. Zwar hätten die Stücke teilweise länger sein können, dennoch bleiben die Songs aussagekräftig und energiegeladen. Das sollte man weiterführen und fürs nächste Mal vielleicht ein wenig mehr in das Songwriting investieren. Aber bitte keine acht Minuten Songs!

Video

Trackliste

01 Intro
02 Amok
03 Witch
04 Doom
05 Turncoat
06 W.E.F.S.
07 Alpha & Omega
08 II
09 Pestilence
10 Down
11 Unblinded (feat. Christopher Extinct)
12 Wutbuerger (feat. Kevin Optimist)
13 Unbroken

Details

Mossat – Facebook

Label: One Life One Crew / NovaMD
Vö-Termin: 26.08.2016
Spielzeit: 25:28

Copyright Cover: Mossat



Über den Autor

Marcus
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